Helen Schneider – wandelbar und charismatisch - Fotos: Gudrun Schmidl

BAD HERSFELD Charisma als besondere Note

Helen Schneider in der Martinskirche – ein Weltstar hautnah

30.12.16 - Diese Stimme. Diese unverwechselbare Ausstrahlung. Diese Energie und Intensität. Helen Schneider begeisterte am Mittwoch in der restlos ausverkauften Martinskirche und ein zweites Mal am gestrigen  Donnerstagabend vor ebenfalls vollem Haus mit ihrem wohl persönlichsten Programm „Collective Memory“. Helen Schneider, Gesangs-Legende, Musicalstar, Schauspielerin und Jazz-Lady macht auf dem gleichnamigen Album ihr eigenes Leben und Erleben über die Jahre zum Stoff für ihre Songs. „I´m lost in yesterday“ bekennt die gebürtige Amerikanerin und begibt sich folgerichtig stilistisch auf eine Zeitreise in die sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

„Ich fand es schwer, richtige Lieder zu finden“, erinnert sich Helen Schneider an ihre Schaffenskrise vor über drei Jahren. Darüber ließ sich trefflich meckern, was sie sowieso gerne tut. Sie fand Gehör bei ihrer langjährigen Freundin Linda Uruburu, die die Texte für das im Jahr 2015 veröffentlichte Album schrieb. Die musikalische Umsetzung übernahm ihr „Lieblingsgitarrist der Welt“, Jo Ambros, der zwölf untadelig komponierte Tracks geschaffen hat, bei denen das Charisma der Sängerin die besondere Note darstellt. Unverkrampft und überaus virtuos begleitete der kongeniale Komponist die 64-Jährige, die vom ersten Ton an ihr Publikum in den Bann zog. „Land Of Dreams And Plenty“ mit feinen Melodiebögen, „Light Years Away“ mit dezenten Country-Akzenten oder die Ballade „Collective Memory“ sind beispielhaft für eine Platte, die aufmerksame Genießer begeistert. Kleine Exkurse in den Folk und Pop erlaubt sich der Weltstar bei den Songs „Tell Me Why“, „Bring The Winter On“ oder „Dreamtime“.

Jo Ambros – begnadeter Gitarrist und ...

Helen Schneider überzeugt mit ihren stimmlichen Qualitäten und der Interpretation ihrer Lieder, die eine „gemeinsame Erinnerung“ an ihre Vergangenheit sind. Sie singt nicht nur, sie erzählt in ihrem charmanten Deutsch über ihre Kindheit, die Probleme mit ihren Eltern, die später ihre größten Fans wurden, vom Sommer-Camp in New England voller Magie und von ihren Auftritten in der Bad Hersfelder Stiftsruine, wo sie diese Magie wieder erleben durfte. Zur Erinnerung: Von 1999 bis 2001 gab sie die Eva Perón im Musical „Evita“, 2011 spielte sie Norma Desmond in Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“. 2015 und 2016 ist die Wahlberlinerin für die Rolle des Conférenciers in „Cabaret“ in die Festspielstadt zurückgekehrt. Sie betont immer wieder, so auch bei ihrem Konzert, wie wohl sie sich in dem wunderschönen Städtchen fühlt. Hier hat sie sich als großer Fan von trockenen „Open-Air-Veranstaltungen“ daran gewöhnen müssen, dass es öfter auch mal regnet und gelernt, damit umzugehen.

Helen Schneider, ihre Freundin und Texterin ...

In der Martinskirche erlebt ihr Publikum den Weltstar hautnah und in ihrer Einzigartigkeit, verletzlich und unglaublich ehrlich. Sie scheut sich nicht, über den frühen Tod ihrer Mutter zu sprechen, deren Nähe sie immer wieder spüren kann. Das Erleben deckt sich mit ihrem Glauben an eine Parallelwelt, den sie mit Freunden in New England teilt, in deren Häusern die Geister der Verstorbenen vermeintlich mehrmals in der Woche zurückkehren.

Sehr ergreifend auch ihre Schilderung über die Altersdemenz ihres Vaters, den sie zu einem Test begleitete, der den Fortschritt der Erkrankung dokumentieren sollte. Ihr Vater, davon enttäuscht und gedemütigt, konnte sich an den Namen des damaligen Präsidenten der USA nicht mehr erinnern, aber eines wusste er sicher: dass der Präsident ein Arschloch ist. Helen Schneider gibt zu, dass auch sie ein Problem mit Namen hat, aber nie ein Gesicht vergisst. Sie kokettiert mit ihrem Alter, wenn sie kurzzeitig den Faden verliert, was passiert, wenn sie auf der Suche nach dem passenden Wort oder der besten Übersetzung in deutscher Sprache ist. Helen Schneider berührt nicht nur mit ihren persönlichen Erinnerungen, sondern auch mit ihrem musikalischen Gebet für Frieden in der Welt, auch wenn es nach ihren Worten manchmal ganz hoffnungslos aussieht.

Das Konzerterlebnis der besonderen Art endet mit dem Wunsch der Künstlerin auf baldiges Wiedersehen in Bad Hersfeld, den ihr Publikum auf jeden Fall teilt. Mit frenetischem Applaus wurden Helen Schneider und Jo Ambros gefeiert, die nach einer Zugabe die erworbenen CDs oder Langspielplatten gern signierten. Dank gebührt Gemeindepfarrer Karl-Heinz Barthelmes, auf dessen Initiative Helen Schneider und Jo Ambros auf ihrer „Collective Memory-Tour“ Station in der Martinskirche in Bad Hersfeld machten.(Gudrun Schmidl) +++


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