01.03.17 - Es ist wieder Derby-Zeit in der Handball-Landesliga. Der Hünfelder SV empfängt Großenlüder. An einem könnten die Hausherren, wie schon im Hinspiel, erneut verzweifeln.
Als die MSG Großenlüder/Hainzell Anfang November letzten Jahres dem Hünfelder SV seine erste Niederlage zufügte, war einer maßgeblich beteiligt: Mike Decher. Der Schlussmann Großenlüders entschärfte etliche Bälle und war ein Garant für den 42:35-Heimerfolg. „Sie haben im Verbund mit dem Torwart die bessere Abwehr gestellt, während meine Torleute keinen Ball an den Finger bekommen haben“, kommentierte damals HSV-Trainer Dominik Jäger die Pleite seiner Schützlinge.

Seit Sommer ist Decher in Großenlüder zwischen den Pfosten

Bei seinem neuen Klub fühlt sich der 35-Jährige pudelwohl

Pikant: Gegner Hünfeld hatte Decher einst für zu schlecht befunden
Am Samstag (18:30 Uhr) kommt es zum Rückspiel in der Hünfelder Kreissporthalle. Pünktlich zum Derby sind Decher und die MSG wieder in Topform. Seit drei Spielen ist die Mannschaft von Matthias Deppe ungeschlagen, zuletzt gab es ein überdeutliches 39:21 gegen den Eschweger TSV. Mike Decher, seit Wochen in blendender Verfassung, vernagelte sein Tor. Zieht er so auch im Rückspiel dem HSV den Zahn?
„Es wird wieder auf die Abwehr- und Torwartleistung ankommen“, blickt der 35-Jährige dem Samstag entgegen. Zuhause hat der Spitzenreiter noch keinen einzigen Zähler abgegeben, nun versucht sich Großenlüder/Hainzell daran, die ersten Punkte aus Hünfeld zu entführen. „Hünfeld hat natürlich mit der Halle einen Vorteil im Rücken“, weiß Decher, der sich auf die Partie in der wohl proppevollen Kreissporthalle freut.

In Alsfeld war Decher jahrelang verlässige Nummer eins, nun hält er seinen Kasten ...Archivfotos (4): Hans-Hubertus Braune

Zwei Jahre war Decher zwischendurch für die HSG Vulkan Vogelsberg aktiv ...

In Großenlüder zählt der 35-Jährige zu den Leistungsträgern
Seit Sommer steht der 35-Jährige, der als IT System Administrator arbeitet, zwischen den Pfosten bei der MSG. „Mit Matthias (Deppe, MSG-Trainer. Anm. d. Red.) habe ich schon in Alsfeld gearbeitet. Das war der Grund für den Wechsel“, erklärt Decher den Schritt vom TV Alsfeld nach Großenlüder/Hainzell. Und dort fühlt sich der Schlussmann pudelwohl. „Ich bin hier super aufgenommen worden und es macht viel Spaß.“
Dabei wäre der Filmfan, der sich gerade ein Heimkino baut, einst fast in Hünfeld gelandet. „Ich wurde aber für zu schlecht gehalten und hätte in der zweiten Mannschaft spielen sollen“, erzählt Decher lachend. Das war zu einer Zeit, in der es in Alsfeld, seiner Heimat, keinen Handball gab. Statt nach Hünfeld ging es zur HSG Vulkan Vogelsberg, mit der aus der Bezirksoberliga in die Landesliga aufstieg.
Ans Tor zur Oberliga gekratzt
Zwei Jahre blieb er dort, ehe er 2011 zurück nach Alsfeld wechselte. Mit dem TVA stieg er erneut in die Landesliga auf und kratzte 2014 ans Tor zur Oberliga. „Das war schon der Höhepunkt meiner Laufbahn“, sagt Decher über die Vizemeisterschaft unter Trainer Liviu Pavel. Fünf Jahre blieb er bei dem Verein, bei dem er in der D-Jugend mit dem Handball angefangen hatte.

Auf das Derby in Hünfeld freut sich der Routinier

Michael Blinzler und Mike Decher von der MSG Großenlüder/Hainzell Archivfotos (2): Tobias Herrling

Ob Decher & Co. auch am Samstag Grund zum Applaudieren haben?
Ins Tor kam er auf die klassische Art und Weise. „Weil keiner wollte“, schmunzelt Decher, der eine Zeit lang auch im Feld spielte. Seit dieser Saison gibt es mit Torwart-Legende Uli Schaus einen Trainer für die Schlussmänner bei der MSG – und Mike Decher hat trotz fortgeschrittenen Handballer-Alters nochmal einen Schub genommen. „Das ist das erste Mal, dass ich ein richtiges Training nur für die Torleute bekomme“, erzählt Decher, der trotzdem seit Jahren als zuverlässiger Torwart gilt.
Was mit besserer Förderung möglich gewesen wäre? „Die Frage will ich mir gar nicht stellen“, sagt Decher lachend. Solange der Körper mitmacht will der 35-Jährige noch in der Landesliga zwischen den Pfosten stehen, in unteren Ligen will er aber nicht mehr spielen. Doch zunächst will er den Hünfelder SV ärgern. Den Verein, der ihn einst nicht wollte. (Tobias Herrling) +++ 