In der letztjährigen Landesligasaison hatten sie noch die Nase vorn. Doch heute musste sich der OSC Vellmar dem Hünfelder SV geschlagen geben. Der HSV siegte in einer weitgehend einseitigen Hessenligabegegnung mit 2:0. "Vater des Sieges" - so zumindest nannte ihn der Hünfelder Stadionsprecher - war der zweifache Torschütze Tobias Hammerl. 250 Zuschauer sahen ein Spiel, in dem die Verhältnisse über 90 Minuten deutlich zu erkennen waren. Auf Seiten der Gäste aus Nordhessen war kaum etwas von der stark aufspielenden Mannschaft des Vorjahres zu erkennen. Der Hünfelder SV dagegen mutiert nunmehr zum Überraschungsteam der Saison. Trotz zwei noch anstehender Nachholspiele, postiert man aktuell auf dem zehnten Tabellenrang. Sollte man diese zwei Begegnungen für sich entscheiden, hätte man gar den Lokalrivalen Borussia Fulda in der Tabelle überholt und könnte bis auf den dritten Platz vorrücken.
Samstagnachmittag, 15:00 Uhr. Ein Haufen Jugendlicher unterhält sich auf der Tribüne der Hünfelder Rhönkampfbahn. Einer fragt: "Wie viele Ausländer spielen eigentlich bei Hünfeld? Eine Diskussion entbrennt, wer denn nun tatsächlich "deutsch" sei und wer nicht. Plötzlich meint einer der Jungen ganz gelassen: "Ist doch egal." Er scheint sich die Durchsage zu Herzen genommen zu haben, die vor Spielbeginn vom Hünfelder Stadionsprecher verlesen wurde: "Die Hessenliga wird gefördert unter dem Motto "Nein zu Rassismus". Ebenso wurde eine Botschaft der FIFA verlesen, die am heutigen Weltfriedenstag zu Fairplay im Fußball aufruft.
Die Aufforderung zum fairen Verhalten nahm man in Hünfeld auch weitgehend ernst. Die Spieler beider Teams lieferten sich eine Begegnung, in der Fouls eher eine Seltenheit darstellten. Umso markanter daher zwei Aussetzer auf Vellmarer Seite: In der 60. Minute stellt der erst 19-jährige Pavo Susilovic - insgesamt noch einer der Besten des OSC - Hünfelds Hannes Ohneiser unmittelbar vor der Haupttribüne das Bein. Der nahezu fehlerfreie Schiedsrichter Andreas Putz (Egelsbach) lässt zunächst Vorteil für den HSV laufen. Nachdem die Hünfelder jedoch die aus dieser Situation resultierende Torchance vergeben,ruft er den Sünder zu sich und zeigt ihm die Gelbe Karte. In der 85. Minute eiferte Pavo Susilovics Bruder Ivan seinem jüngeren Bruder dann nach. Doch er hatte schon Gelb gesehen und musste nach einem rüden Foul an Marc Friedel dann vom Platz. Weitere Karten blieben allerdings aus. Die Familie Susilovic hatte sie heute komplett für sich gebucht.
Lange musste der Hünfelder SV nicht auf den Führungstreffer warten. Nachdem der ansonsten wenig überzeugende Roberto Kowalski die Führung nach fünf Minuten schon auf dem Fuß hatte, machte es im Kontrast zu ihm Tobias Hammerl in der 10. Minute einen Tick besser. Der Törjäger hatte auch ansonsten einen besseren Tag erwischt. Nach 55 Minuten war er es nämlich erneut, der den Vellmarer Schlussmann Andre Schreiber alt aussehen ließ. Neben ihm überzeugte vor allem Marc Friedel. Doch auch die zuletzt mehrfach in Kritik geratene Abwehr des Hünfelder SV zeigte sich heute stabilisiert. Die Innenverteidiger Karol Napiorkowski und Kaptän Johannes Helmke erschienen zeitweise wie eine Mauer, durch die eine unkreative Vellmarer Offensive kaum durchdringen konnte. Auf deren Seite gab es prinzipiell nur eine wirklich gute Torchance zu verzeichnen. Kurz vor Hammerls zweitem Treffer zog Seckin Bek nach einem kurzzeitigen Durcheinander im Hünfelder Strafraum ab. Doch Helmke klärte auf der Linie für HSV-Keeper Christian Ruck. Als Vellmars Trainer dann in der 74.Minute den agilen Außenverteidiger Roy Keßebohm auswechselte, verlor das Spiel des OSC jedoch auch den letzten Hauch an Attraktivität, während die Effektivität an diesem Tag letzlich völlig ausblieb.
Es bleibt zu verzeichnen: Ein nicht überragender, aber dennoch äußert souveräner Hünfelder SV schlägt den OSC Vellmar- ein Gegner ohne nennenswerte Gegenwehr, bei dem drei 19-Jährige noch die stärksten Spieler waren. Hünfeld übernimmt momentan die Rolle,die Borussia Fulda (1:1 gegen Rot-Weiß Frankfurt) aktuell nicht im Stande ist einzunehmen: die seit mittlerweile drei Spielen nacheinander siegreiche Überraschungsmannschaft der Hessenliga. (CHRISTIAN HOGE)
Hünfeld: Ruck – H. Ohneiser, Napiorkowski, Helmke, St. Ohneiser – Schwab, Trabert, Friedel, Hammerl – Rehm (68. Schirmer) – Kowalski.
Vellmar: Schreiber, Keßebohm (74. Hartwig), P. Susilovic, I. Susilovic, Odensaß, Wollenhaupt, Menne, Bek (60. Reuter), Semoski, Wolf, Cemali (66. Geißler).
Beste Spieler: Napiorkowski, Friedel, Hammerl - P.Susilovic, Keßebohm
Zuschauer: 250 +++