In Kilkenny in Irland trafen am gestrigen Mittwoch die besten 15 Sportholzfäller den Welt zusammen, um ihren diesjährigen Weltmeister zu ermitteln. Mit dabei ist auch der aus Ottelmannshausen bei Bad Königshofen stammende Robert Ebner (Foto links). Er errang erst vor wenigen Wochen in Marburg den Titel Deutscher Meister. Damit ist er einer von elf europäischen Startern, die die „Overseas“, so nennt man die Athleten aus den USA, Kanada, Neuseeland und Australien herausfordern. In diesen Ländern hat das Sportholzfällen eine lange Tradition. So wurden die ersten Wettkämpfe der Stihl Timpersports Series in den USA bereits im Jahr 1985 ausgetragen. In Europa finden die Wettbewerbe seit 2001 statt.Trotz seines Erfolgs ist der Grabfelder ein bescheidener junge Mann geblieben, der sich allerdings in den vergangenen Wochen auf die Weltmeisterschaft vorbereitet hat.
In der Werkstatt auf dem landwirtschaftlichen Anwesen in Ottelmannshausen da fand man in den letzten Tagen Robert Ebner. Auf einer Werkbank lagen zwei groß Sport-Äxte, jede hatte ein Gewicht von etwa drei Kilogramm, daneben Schleifsteine. Das korrekte Schleifen der Klingen dieser Äxte ist für den Sport sehr wichtig, erklärt Robert Ebner im Gespräch mit unserer Zeitung und verweist darauf, daß die Klingen scharf wie Rasiermesser sein müssen. Wie er das ausprobiert? Der Sportler lacht und meinte, daß er fast keine Haare mehr an den Beinen habe, denn gerade dort probiere er immer die scharfen Klingen aus.
Rasiermesserscharf sind die Klingen der beiden Äxte. Aber das ist auch notwendig, damit der 23-Jährige die Disziplinen auch schnell schafft. Kurz berichtet er von den Vorgaben, die bei der Weltmeisterschaft gefordert werden. Sie sind, wie bei den bisherigen Veranstaltungen allesamt gleich. Standing Block Chop nennt sich eine davon. Diese Disziplin simuliert das Fällen eines Baumes. Ein senkrecht verankerter Holzblock (Durchmesser 30 cm) muss so schnell wie möglich von der Seite durchschlagen werden. Die optimale Platzierung der Axt sowie ein kraftvoller Axtschwung sind entscheidend für den schnellen Erfolg in dieser Disziplin. Europäische Top-Zeiten für diese Disziplin liegen bei ca. 20 Sekunden. Es folgt dann Underhand Chop. Hier wird das Zerteilen eines bereits gefällten Baumes simuliert. Auf einem horizontal verankerten Block stehend, versuchen die Athleten durch Axtschläge den im Durchmesser 32 cm dicken Stamm zu durchschlagen. Der Block muss von beiden Seiten durchschlagen werden. Ein einseitiges Zertrennen führt zu einer Disqualifikation in dieser Disziplin. Die europäischen Bestzeiten des Underhand Chops liegen bei unter 20 Sekunden.
Weiter geht es dann mit Springboard. Dabei werden zwei Trittbretter (Springboards) in einen senkrecht verankerten Holzstamm (Log) platziert. Ziel ist es, einen auf der Spitze montierten Holzblock (Durchmesser 27 cm) zu durchschlagen. Ursprung dieser Disziplinen ist das historische Überklettern von Wurzeln, welche mehrere Meter in die Höhe wuchsen. Die Forstarbeiter der damaligen Zeit erreichten mittels ihrer Springboards höher gelegene Teile des Baumstammes, welche dort leichter zu durchschlagen waren als die breiteren und festeren „Wurzelbereiche“, erzählt Robert Ebner. Es folgt das STIHL Stock Saw, wobei alle Teilnehmer mit einer handelsüblichen Motorsäge der Firma STIHL arbeiten. Von dem waagerecht befestigten Holzstamm werden mit einem Abwärts- und einem Aufwärtsschnitt zwei Cookies (Holzscheiben) abgesägt. Diese müssen eine definierte Stärke haben, dürfen also nicht zu dünn oder zu dick sein, ansonsten wird der Teilnehmer in dieser Disziplin disqualifiziert.
Schließlich steht noch Single Buck an: Mit einer etwa zwei Meter-Handsäge wird eine Holzscheibe von einem horizontal befestigten Block abgesägt (Durchmesser 46 cm). Bei dieser Disziplin sind der Rhythmus und die Dynamik des Sportlers entscheidend. Hot saw nennt sich die letzte Disziplin. Dabei sind besonders „getunte“ und extrem leistungsstarken Motorsägen im Einsatz. Ziel ist es, möglichst schnell drei Holzscheiben in einer definierten Stärke von einem waagerecht verankerten Holzblock (Durchmesser 46 cm) zu sägen. Der besondere Reiz dieser Disziplin liegt darin, die geballte Kraft der bis zu 62-PS-starken Motorsäge zu beherrschen, sagt der 23-Jährige Grabfelder im Gespräch. Europäische Bestzeiten für diese Disziplin liegen übrigens bei unter sieben Sekunden.
Angefangen hat das alles eigentlich mit dem Beruf, den Robert Ebner gewählt hat. Er lernte den Beruf des Waldarbeiters, ist heute Forstwirt und bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung angestellt. Hier nahm er auch an den Waldarbeitermeisterschaften teil, war zunächst aber mit seinem Vater oftmals im Wald und hat hier letztendlich seinen Traumberuf gefunden. Bei dem Waldarbeitermeisterschaften arbeitete sich Ebner nach vorne, wobei es hier zum Beispiel um das schnelle Entasten eines Baumes ging. Ob seiner Geschicklichkeit wurde Ebner hier bekannt, nahm vor drei Jahren an einem Schnupperkurs in Bad Neustadt teil und wurde hier von Timpersports entdeckt. Hier wurde er dann weitergeführt, kam auf Seminare und auf Trainingscamps.
Mittlerweile zählt der Ottelmannshäuser zu den Größen im Bereich der Sportholzfäller und er kennt mittlerweile auch das in dieser Sportart geläufige Sprichwort „Kraft entscheidet, Geschicklichkeit gewinnt.“ Bei alledem, sagt er, steckt aber vor allem viel Ehrgeiz in dieser Sportart. Schnelligkeit und vor allem auch Geschicklichkeit sind bei den Wettbewerben außerdem gefragt. Zum Beispiel bei der Disziplin Springboard, Bretter, auf denen die Sportler stehen und sich an einem zwei Meter Stamm nach oben arbeiten müssen. Und was ist Ebners Lieblingsdisziplin? Das Fällen eines stehenden Baumstammes simuliert. Hier zählt er zu den Besten in Europa. Wie sieht er selbst seine Chancen? Der derzeitige Titelinhaber, David Bolstad, kommt aus Neuseeland. Robert Ebner: „Mein Ziel ist es, einen Platz unter den besten Europäern zu erreichen“. Der Titel werde wohl wieder an die Overseas gehen.(hf)+++