Grandioses Tischtennis zeigten die Maberzeller zuletzt am vergangenen Sonntag im TV-Spiel gegen Ochsenhausen, auch wenn sie nach 200 Minuten schließlich mit leeren Händen dastanden und mit 0:8 Punkten weiterhin die rote Laterne innehaben - eigentlich fast unglaublich bei der nominellen Qualität der Waldner-Truppe. Tatsächlich konnten die Osthessen, als lupenreiner Play-Off-Aspirant in die Saison gestartet, in vier Partien erst drei Einzel für sich entscheiden, zwei davon zuletzt durch Wang Xi, dessen persönliche Blockade überwunden scheint.
In Fulda wartet man also sehnsüchtig auf das Platzen des Knotens und das erste Erfolgserlebnis in der DTTL. Nun scheint ein "Opferlamm" gefunden - mit Jülich gastiert am morgigen Samstag in Fulda ein Team, das nahezu sämtliche Experten für schwächer besetzt halten und das man, trotz seines Leitwolfs Jörg Roßkopf, eigentlich eher auf Rang neun erwartet hatte. Doch den Herzogstädtern ist nicht verborgen geblieben, unter welchem Druck der Gastgeber steht. Die "Unabsteigbaren" aus der westlichen Grenzregion zeigen sich im Vorfeld ganz und gar nicht devot und wollen ihrerseits alles dafür tun, Fuldas Leidenszeit noch zu verlängern.
Jülichs junger Trainer Johannes Dimmig weiß zu berichten: "Wir sind mit unseren letzten zwei Siegen, gegen Gönnern und im Pokal, voll im Soll. Fulda hat den Druck, nach fünf verlorenen Matches zu punkten und wir können frei aufspielen. Das Selbstvertrauen von Taku Takakiwa ist nach einer kurzen Negativ-Phase wieder voll da und Paul Drinkhall hat sich sehr schnell ins Team integrieren können. Rossi brennt darauf, gegen Waldner anzutreten und ein gutes Spiel abzuliefern." Ralf Düren, Geschäftsführer des Jülicher DTTL-Teams, will mit Punkten im Gepäck aus der Rhön zurückkehren: "Wir fahren nicht als Opferlamm nach Hessen. Ich denke, dass Fulda deutlich mehr unter Druck steht als wir, da sie ja weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Wir werden alles versuchen, den Abwärtstrend von Fulda aufrecht zu halten. Wir haben uns eine gute Aufstellung überlegt, wonach wir sicher nicht chancenlos sein werden. Ein „Extremspiel“ - letzte Saison gab es erst ein 0:6 und im Rückspiel ein 6:1 für uns - erwarten wir diesmal nicht. Wir hoffen, dass wir ins Schlußdoppel kommen und dann sollte ein Sieg für uns möglich sein."
Fuldas Vizepräsident Claus-Dieter Schad erwartet hingegen, dass die beiden Zähler in Osthessen bleiben: "Nach den in den letzten beiden Spielen gezeigten sportlichen Leistungen gehen wir mit großem Optimismus in das Spiel gegen Jülich. Der Knoten bei unserer neuen Nummer eins Wang Xi scheint endgültig geplatzt zu sein, auch Robert Svensson zeigt aufsteigende Form und Waldi hat gegen Adrian Crisan gekämpft wie lange nicht mehr. Die Mannschaft wollte sich schon gegen Ochsenhausen ihren Frust über den verpatzten Saisonstart von der Seele spielen und hat Einsatz und Leistung erster Klasse gezeigt. Jetzt müsste Fortuna eigentlich für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen und am kommenden Spieltag unserem Team ein klein wenig helfen."
Dass man der richtungsweisenden Partie gegen Jülich nicht völlig gelassen entgegensieht, kann auch Schad nicht verhehlen: "Der Frust über vier verlorene DTTL-Spiele in Folge ist bei uns und unserem Team natürlich da, wird aber auch durch den Frust über die unglückliche Spielplanung ergänzt, die uns gleich zu Beginn hintereinander ins Rennen gegen die vier stärksten Teams der Liga geschickt hat." Das Vorstandsmitglied ist überzeugt, dass noch einiges gehen könnte für seinen Klub: "Wenn uns mit einem Sieg gegen Jülich der Start zu einer Aufholjagd gelingen sollte, ist noch viel für uns drin in der Saison, abgerechnet wird erst zum Schluss." Unterstützt wird Schad von seinem Kollegen Michael Hodes, ebenfalls Vizepräsident: "Wir hoffen nun auch auf das bisschen Glück, das uns gegen Ochsenhausen noch gefehlt hat." Moral und Selbstvertrauen der Truppe seien intakt: "Wir alle haben uns troz der Niederlage nicht wie Verlierer gefühlt, ganz im Gegenteil. Waldi hat Wang Xi in der Kabine in die Arme genommen und ihm zu seiner tollen Leistung gratuliert."
Das bekanntermaßen begeisterungsfähige Fuldaer Publikum soll beim "Projekt erster DTTL-Sieg" laut Hodes eine wichtige Rolle spielen: "Wir haben am vergangenen Sonntag das beste Bundesligaspiel seit langem gesehen. Unsere Zuschauer waren ohne Ausnahme schlichtweg begeistert und ich bin sicher, dass alle, die am Sonntag da waren, auch gegen Jülich wieder in die Halle kommen. Die wird dann proppenvoll sein und wir haben wieder den berühmten Maberzeller Hexenkessel - unser zwölfter Mann würde man im Fußball dazu sagen." +++