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REGION Nachgedacht... (222)

Beim Anblick des Grabes... Gedanken von Christina Lander

Geboren 1988 in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologie-studium für sie vorbestimmt und beschlossen. Christina Lander studierte Germanistik und Theologie in der nächsten Bischofsstadt Paderborn. Nach dem Referendariat ging sie in den Schuldienst und arbeitet seit 2013 als Kolumnistin bei OSTHESSEN|NEWS.DE . Sie selbst bezeichnet sich als liberal-theologisch und kommentiert (heute zum 222. Mal) in der Serie NACHGEDACHT Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht.

09.04.17 - Die Karwoche und das Osterwochenende stehen an. Am Freitag wird der Tod Jesu, seine Leidensgeschichte und Kreuzigung erneut ins Gedächtnis gerufen. Hierzu passend steht in meiner Heimatkirche eine Marienfigur, die ihren leidenden Sohn in den Armen hält. Gequält und verwundet liegt Jesu Körper noch einmal bei ihr, bis er vergraben wird.

Ich muss immer wieder an diese Skulptur - besonders am Karfreitag - denken, weil sie in berührender Weise alles innehat, was am Tod so unendlich verletzt: das Verabschieden, die Schmerzen, die Endlichkeit von Beziehungen, die unüberbietbare Trauer. Das Ende eines Lebens kann uns Zurückgebliebene lähmen und wir können nur noch das Grab betrachten, es ist alles, was uns im ersten Moment bleibt.

Seitdem meine Großmutter tot ist, ist ihr Grab für mich schon oft zum Ort immer wieder kehrender Trauer geworden, der Anblick führt erneut zu Tränen und innerer Leere. Es ist schwierig, neue Hoffnung zu schöpfen, wenn Trauer so tief in uns verwurzelt ist.

Manchmal kommen aber in mir andere Gefühle beim Anblick ihres Grabes hervor. Sie bahnen sich ganz langsam aus dem Schmerz ihren Weg hervor: Mein Oma war sehr gläubig und unerschütterlich hat sie an das geglaubt, was Jesus widerfahren ist. Deswegen habe ich auf ihren Grabkranz folgende Worte schreiben lassen: Mit dem Glauben an die Auferstehung!

Sich zu diesem Glauben zu bewegen, so denke ich, ist gar nicht so einfach wie gedacht. Ist es nicht viel einfacher, in der Trauer unterzugehen, als sich selbst wieder zum Leben zu bewegen? Ist es nicht viel einfacher, alle Hoffnung zu verlieren anstatt an dieses wunderhaft scheinende, überirdische Auferstehung zu glauben?

Aber Hoffnung wird aus Mut gemacht und diesen nach dem Schmerz des Todes aufzubringen, bedeutet Kraftanstrengung. Hoffnung und Glauben verlangen viel von uns ab, weil wir dann die Welt nicht einfach nur als Lebenszeit, sondern als Herausforderung für etwas Größeres betrachten.

Und so sollten wir auch die Gräber unserer Verstorbenen betrachten: Sie sind kein Zeichen für das Ende, sondern sie sind ein Zeichen für mehr – nämlich ein Glaubenszeichen dafür, dass da nach dem Leben nicht nichts ist, sondern viel mehr als das, was wir offensichtlich sehen können. Und so denke ich immer wieder beim Anblick des Grabes an die Schleife an dem Kranz: Mit dem Glauben an die Auferstehung! (CHRISTINA LANDER) +++


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