Es war ein wahres Torfestival. Am Ende hätte der 5:0-Heimsieg gegen Kickers Offenbach II für den Hünfelder SV durchaus sogar um zwei oder drei Tore höher ausfallen können. Die Chancenverwertung blieb demnach das einzige Manko der selbstbewusst aufspielenden Schützlinge von Trainer Oliver Bunzenthal. Der Gegner aus Offenbach resignierte nach dem dritten Gegentor und lud den HSV ein, Tore am laufenden Fließband zu schießen. Die Mannschaft um den überragenden Offensivakteur Tobias Hammerl nahm dies dankend an und deklassierte das junge Team aus Südhessen - Durchschnittsalter 19,2. Somit zieht der Hünfelder SV in der Tabelle der Hessenliga sogar an Lokalkonkurrent Borussia Fulda vorbei. Die Barockstädter waren gestern jedoch spielfrei und bestreiten erst am Mittwoch gegen OSC Vellmar ihr Nachholspiel.
300 Zuschauer sahen zunächst eine Anfangsphase zum Vergessen. Fehlpässe, unnötig verlorene Zweikämpfe und Kreativitätslosigkeit prägten bis dato das Hünfelder Spiel. Was Worte bewirken können, zeigte sich jedoch in der 25.Minute. HSV-Trainer Oliver Bunzenthal hielt es nicht mehr auf der Bank. Seiner Verantwortung bewusst und sichtlich von Emotionen gepackt, sprang er auf und gestikulierte an der Seitenlinie ermutigend herum. Dann schrie er seinen Schützlingen unüberhörbar für das Publikum zu: “Wacht endlich mal auf, Jungs! Auf geht’s!“ Wie gesagt, so getan. Gerade Daniel Schirmer, dem in den ersten 20 Minuten so gut wie gar nichts gelang, legte ein beherztes Solo hin und spielte Tobias Hammerl frei. Der scheiterte zunächst am Offenbacher Keeper Stefan Jordanic. Bei der darauffolgenden Ecke drehte sich dann aber der Spieß um: Hammerl auf Schirmer - Tor. Nach 40 Minuten war es dann wieder Daniel Schirmer, der dem gut positionierten Niklas Rehm den Ball auflegte, ehe dieser uneigennützig den noch einen Tick besser positionierten Roberto Kowalski anspielte. Der ließ sich das nicht zweimal sagen und versenkte den Ball sicher in den Maschen.
Mit Beginn der zweiten Spielhälfte bahnte sich ein kurzzeitiges "Wiederaufstehen" der Offenbacher an. Francesco Mazzone - über die gesamte Begegnung hinweg eine der wenigen Gefahren für die Hünfelder Defensivabteilung - scheiterte jedoch (46., 52.). HSV-Torhüter Christian Ruck machte dagegen eine sehr gute Figur und parierte die Offenbacher Versuche, noch einmal heranzukommen, souverän. Dann begann schließlich die Phase der 100%igen Chancen für den Hünfelder SV. Doch auch 100%-ige Chancen haben keine 100%ige Treffergarantie. Das stellte der HSV mehr oder weniger eindrucksvoll unter Beweis. Hammerl (64.,71.), Schirmer (68.) und Kowalski (72.) hätten allesamt auf 3:0 erhöhen können. Doch die vergebenen Möglichkeiten rächten sich nicht. Im Gegenteil: Die U23 der Kickers ließ weitere Chancen zu. In der 74. Minute traf schließlich Tobias Hammerl. Weitere fünf Minuten später krönte er seine überragende Leistung mit der zweiten Torvorlage. Marc Friedel netzte nach einem langem Pass ein.
Neben den Akteuren auf dem Spielfeld sollte am Ende aber auch Trainer Oliver Bunzenthal ein glückliches Händchen beweisen. Unmittelbar nacheinander brachte er Gino Schwab und David Fladung. Die beiden Youngster schlossen dann mit einer wunderbaren Kombination und dem daraus resultierenden 5:0 das Spiel ab. Bleibt festzuhalten: Ein verbaler Motivationsschub vom Trainer kann nie schaden. Solange dieser kein hemmungsloses Rumgeschreie an der Seitenlinie abhält und die Chemie zwischen ihm und dem Team stimmt, kann es das Gegenteil bewirken. (CHRISTIAN HOGE)
Hünfelder SV: Ruck – H. Ohneiser, Helmke, Weber, St. Ohneiser – Friedel (84. Fladung), Napiorkowski – Hammerl, Rehm (65. Trabert), Schirmer– Kowalski (83. Schwab).
Kickers Offenbach II: Offenbach: Jordanic; Malura, Banouas, Akpunar, Kohl (46. Donofrio), Kleber, Goldschmitt, Pospischil, Aydin, Mazzone , Boysen
Schiedsrichter: Benjamin Witzel (Klarenthal)
Tore: 1: 0 Daniel Schirmer (25.), 2:0 Roberto Kowalski (40.), 3:0 Tobias Hammerl (74.), 4:0 Marc Friedel (79.), 5:0 Gino Schwab (90.)
Zuschauer: 300
Beste Spieler: Ruck, Weber, Hammerl - Mazzone.
Einzelkritik der Hünfelder Akteure:
Christian Ruck: Hatte nicht viel zu tun. Als die Offenbacher allerdings kurzzeitig eine gute Phase hatten, präsentierte er sich abgeklärt und parierte mehrfach spektakulär.
Hannes Ohneiser: Machte - wie so oft - ein souveränes Spiel auf der linken Seite und gab entscheidende Impulse nach vorne.
Dominik Weber: Hatte seinen Gegenspieler kompromisslos im Griff und beteiligte sich stellenweise sogar am Aufbauspiel.
Johannes Helmke: Nachdem er ins Spiel herein gefunden hatte, blieb auch er souverän.
Stefan Ohneiser: Erlebte Höhen und Tiefen. In der Anfangsphase noch einer der Verunsichertsten, mutierte er im Lauf des Spiels zu einem der stärksten Spieler in Reihen der Hünfelder.
Karol Napiorkowski: In der ersten Hälfte wirkte er stellenweise etwas unbeweglich gegen den zwei Köpfe kleineren Wirbelwind Francesco Mazzone. Nach dem Seitenwechsel machte er jedoch ebenfalls ein überzeugendes Spiel.
Niklas Rehm: Spielte nicht ganz so belebt auf wie sonst, lud aber insgesamt kaum zu Kritik ein. Beim 2:0 machte er als Vorbereiter eine äußerst uneigennützige und gute Figur.
Daniel Schirmer: Schoss ein Tor selbst und bereitete eins vor. Unter dem Strich überzeugend.
Marc Friedel: Rackerte - wie man es von ihm kennt - speziell in der zweiten Halbzeit und wurde letztendlich durch sein Tor belohnt.
Tobias Hammerl: Bester Mann am Platz - an drei der fünf Tore beteiligt. War Immer in Bewegung und hatte stets ein Auge für den Mitspieler.
Roberto Kowalski: Zeigte sich bei seinem Treffer in Stürmermanier abgeklärt. Er ließ aber ansonsten mehrere Einschussmöglichkeiten aus und fiel leider auch durch stetiges Meckern und provozierendes Verhalten auf. +++