Nach der Messe in der Wallfahrtskirche wurde im Antoniussaal zünftig weiter gefeiert. Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen (links), Landrat Thomas Habermann, Ideengeber Josef Kessler (zweiter von rechts) und der Kreisehrenvorsitzende des Dehoga (Deutsche Hotel- und Gaststättenverband) Walter Nosek freuten sich über die gute Stimmung zum 25jährigen Bestehen der Wirtewallfahrt. - Fotos: Marion Eckert

KREUZBERG"Im Wirtshaus durfte ich Mensch sein"

25 Jahre Wirtewallfahrt - "Gasthaus und Kirche gehören zusammen"

11.10.17 - Ein besonderes Jubiläum konnten die unterfränkischen Wirte in diesem Jahr auf dem Kreuzberg feiern. Seit 25 Jahren ziehen sie immer im Oktober auf den Kreuzberg, um mit ihrer Wirtewallfahrt Gott zu danken. Sie wollen Kraft zu tanken für einen Beruf zwischen Alltags- und Zukunftssorgen. Gleichzeitig möchten sie auf die große Bedeutung des Wirtshauses aufmerksam machen, dass Gemeinschaft fördert und Menschen verbindet.

Die Idee für die Wirtewallfahrt stammt von Josef Kessler aus Oberweißenbrunn, dem ehemaligen Gastwirt vom „Lamm“. Er regte ursprünglich einmal eine Wanderung zum Kreuzberg mit einen Dankgottesdienst an. Im ersten Jahr kamen 17 Teilnehmer aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld. Josef Kessler war damals stellvertretender Kreisvorsitzender des Dehoga (Deutsche Hotel- und Gaststättenverband). Schnell wurde Walter Nosek, der damalige Bezirksvorsitzende, auf die Aktivitäten in Rhön-Grabfeld aufmerksam und so wurde – vor nunmehr 25 Jahren - die Wirtewallfahrt auf ganz Unterfranken ausgeweitet. Zum „Wirtekaplan“ berufen wurde der damalige Weihbischof em. Helmut Bauer. Dieser hielt fortan Jahr für Jahr seinen Wirtsleuten die Treue. So feierte er mit ihnen Gottesdienst in der Klosterkirche und rief anschließend zum gemeinsamen Festmahl der kulinarischen Spezialitäten aus der Klosterküche auf. 

Die diesjährige Wallfahrt der unterfränkischen ...

Dieses Amt hat Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen vor einigen Jahren übernommen und wurde von den Wirtsleuten herzlich aufgenommen. Zum Jubiläum freute es ihn besonders, dass sowohl Josef Kessler wie auch Walter Nosek gekommen waren. Pater Martin Domogalla der Guardian des Klosters Kreuzberg war überrascht und erstaunt, wie viele Wirte doch das Angebot der Wirtewallfahrt annehmen. Bevor er zum Kreuzberg kam, habe er noch nie von einer Wirtewallfahrt etwas gehört. Lenssen bestätigte, dass nirgendwo in Bayern oder Deutschland oder sonst einem Land eine derartige Zusammenkunft von Gastronomen stattfinde. „So etwas kann einen mit Stolz erfüllen“, so Lenssen erfreut.

Die Kirche und das Wirtshaus - sie gehörten zusammen und hätten viele Gemeinsamkeiten. Das wurde beim Wirtegottesdienst deutlich herausgestellt. Am Ende des Gottesdienstes meinte Dr. Lenssen gar, dass der Gottesdienst nun beim gemütlichen Beisammensein fortgesetzt werde. „Auch das ist Gottesdienst.“ Josef Kessler empfahl jedem Pfarrer nach einem Gottesdienst nicht zurück ins Pfarrhaus, sondern zum Frühschoppen in die Wirtschaft zu gehen. „Da erfährt der Pfarrer, ob sie die Predigt verstanden haben und wie sie dazu stehen. Der Stammtisch zeigt dem Pfarrer, was die Leute wirklich bewegt und was sie beschäftigt“. Doch leider sei es in der heutigen Zeit nicht nur unüblich, dass ein Pfarrer nach einem Gottesdienst noch Zeit für die Menschen mit ihren Sorgen und Belangen habe, sondern es sei auch unüblich geworden, dass Frühschoppen stattfinde – vorausgesetzt es gibt überhaupt noch eine geöffnete Gastwirtschaft in einem der Dörfer. Für Kessler ergänzen sich Kirche und Gasthaus gegenseitig. „Nicht umsonst war es üblich, dass in den Dörfern neben der Kirche auch eine Gasthaus stand.“

Lenssen sprach in der Predigt vom Gastwirt, der oft auch Beichtvater sei. Das konnte Josef Kessler nur bestätigen. Als Gastwirt habe ich mir die Sorgen der Menschen angehört, was ihnen auf der Seele lag.“ Genau das ist es, was in den Augen von Dr. Lenssen ein Gasthaus zur zweiten Heimat macht. Wirtshäuser seien Bezugspunkte, in denen Heimat als Gefühl der Geborgenheit, des angenommen und eingebunden sein, erfahrbar sei. Lenssen sprach von eigenen Erfahrungen in einem solchen Gasthaus, in dem er viele Jahre zu Hause war, wo er keine Rollen spielen musste und wo Amt und Titel nicht von Belang waren. „Da durfte ich Mensch sein.“ Kein anderes Haus konnte ersetzen, was er in diesem Haus erfahren habe. „Gutes Essen und gute Getränke gibt es vielerorts, aber Orte an denen ich Mensch sein darf sind rar.“ Dabei ist Lenssen davon überzeugt, dass viele Menschen sich nach genau solchen vertrauten Orten sehen, die sie aufsuchen können und wo sie sie selbst sein können – vielleicht sogar mehr als zu Hause. (me) +++


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