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Die Sieger...

E. Schmidt...

16.11.08 - SPORT

3. ADAC Rallyesprint in Storndorf: 8.000 Leute - Sandro WALLENWEIN siegte

Es war ein furioses Motorsportwochenende beim 3. ADAC Rallyesprint im „Stehrodrom“ in Storndorf. Im Schwalmtaler Ortsteil, nur elf Kilometer entfernt von Alsfeld, säumten am Freitag und Samstag rund 8.000 Zuschauer die Naturtribünen rund um das Gelände des weltweit operierenden Spezialbaumaschinenherstellers und Rallye-Enthusiasten Jürgen Stehr. Schon beim atmosphärisch legendären Auftakt am Freitagabend erhielten die beiden Ex-Weltmeister Björn Waldegaard (1979) und Stig Blomqvist (1984) von den Fans höchste Stilnoten und viel Applaus für ihre Drifts. Waldegaard steuerte einen Porsche 911 RS aus dem Jahre 1973 des Bad Hersfelder Oldtimer-Sammlers Peter Ludwig, Blomqvist den Audi „Ur-„Quattro von Jürgen Stehr.

In der Kategorie der aktuellen Rallyefahrzeuge dominierten erwartungsgemäß der amtierende Deutsche Vizemeister und diesjährige Vogelsberg-Rallye-Gewinner Sandro Wallenwein (Subaru Impreza) sowie Deutschlands hoch gehandelter 19-jährige Nachwuchsstar Hermann Gaßner jr. und sein tschechischer Herausforderer Martin Semerad (beide auf Mitsubishi Lancer). Nach einem Reifenpatzer am Samstag war für Semerad das Prestigeduell gelaufen; er fuhr nur noch für die Fans und bedanke sich mit einem „Donut“ in der letzten Runde für den Applaus. Von Anfang an funkte aber Marcus Hesse (Hessisch Lichtenau) dazwischen. Fehlerfrei zirkelte er seinen Gruppe-A-Mitsubishi durch den Parcours und landete am Ende noch sieben Sekunden vor Markenkollege Gaßner auf dem zweiten Gesamtplatz hinter Sandro Wallenwein.

Doch das Interesse der vielen Fans an der Strecke galt besonders der Deutschland-Premiere des 275-PS-starken Opel Corsa Super 2000, den der Nordhesse Horst Rotter schon am Freitagabend spektakulär durch die mit Flutlicht hell erleuchtete Arena trieb. Auch im Fahrerlager war der brandneue Opel stets umlagert.

Viel Lob für „Stehrodrom“

Veranstalter Jürgen Stehr erhielt von Fahrern und Fans viel Lob für den 3. ADAC Rallyesprint. Besonders interessant waren für die aus ganz Deutschland angereisten Fans: das offene Fahrerlager, die Partymeile im Festzelt und die Durchfahrt durch die Fertigungshalle. „So etwas gibt es nur einmal auf der Welt“, war ein strahlender Rallye-Organisator Jürgen Stehr überzeugt.

Auf den witterungsbedingt rutschigen Strecken hatten die allradangetriebenen Fahrzeuge klare Handlingvorteile gegenüber den Heck- und Fronttrieblern. Dennoch mischte bei seinem Heimspiel Uwe Kiehm (Opel Kadett C Coupé) ganz vorne mit. Am Ende sicherte er sich den tollen achten Platz in der Gesamtwertung vor dem nicht weniger beachteten Nachwuchsstar Thomas Leipold im frontangetriebenen Suzuki Swift. Alle Ergebnisse gib es im Internet www.rallyesprint.eu

Stig Blomqvist: „Quattro ist ultimatives Rallye Car“

Stig Blomqvist (62) wurde 1984 auf einem Audi Quattro Rallyeweltmeister. Doch nicht nur diese Verbindung lässt ihn ins Schwärmen geraten, wenn er an den Quattro denkt: „Das ist das ultimative Rallyeauto aller Zeiten!“ Von 1979 bis 2003 holten schwedische und finnische Rennfahrer 16 von 25 WM-Titeln. Seitdem leben wir in der Ara des Franzosen Sebastian Loeb. Wo ist sie hin die skandinavische Dominanz? „Irgendwas muss ganz drastisch schief gegangen sein“, lacht der der Schwede.

Ein ganz besonderer Porsche für Champion Waldegaard

Peter Ludwig ist der Kopf des hoch renommierten Kaffeekannen-Unternehmens Rotpunkt. Er ist auch ein „Autonarr“ und hat ein Schätzchen aus seiner Sammlung mitgebracht. Einen 1973er-Porsche 911 E hat er vom Wichert Restaurationsatelier neu aufbauen lassen. Tuner Roland Wichert: „Ein Porsche ist immer eine Herausforderung, die damalige Technik wieder auferstehen zu lassen.“ Ein bisschen moderner als vor 35 Jahren sind Teile der Kraftübertragung und des Getriebes: Das Vorbild hatte nämlich kein Differential und ganze vier Vorwärtsgänge…

Ludwig wurde durch Manfred Möll (Laubach) auf den ADAC rallyesprint.eu aufmerksam gemacht und sah sich die Veranstaltung im Vorjahr an. „Das war top und nun sind wir dabei.“ Ludwig schmunzelnd: „Und nun fährt auch noch Rallye-Weltmeister Björn Waldegaard mein Auto!“

Im Festzelt ausgestellt war ein BMW M 1 – überraschend italienisch mutet die Flunder aus Bayern an. Tatsächlich wurde das legendäre Lieblingsauto der Formel-1-Elite Ende der späten 1970er-Jahre in Italien gebaut. Wichert hat den Wagen auf der belgischen Formel-1-Strecke von Spa-Francorchamps getestet und war überwältigt: „Das war ein Riesenspaß, aber auch ein Riesenstück Arbeit. Ich hatte hinterher trotz der Handschuhe blutige Hände…“

„Stehrodrom“ noch attraktiver geworden

Jürgen Stehr hat jetzt entschieden: Seine Rennstrecke heißt jetzt „Stehrodrom“, zumal er in diesem Jahr die optimale Streckenführung gefunden habe. Der Kurs wuchs und hat nun eine Gesamtlänge von 4,4 Kilometern und dabei gut 600 Meter Schotteranteil. Im kommenden Jahr wird der ADAC rallyesprint.eu aber nicht mehr im November als Saisonfinale laufen. Er wird vermutlich in den Juni vorverlegt. Stehr dazu: „Ich möchte das Rennen zu einem großen Event wie die 24-Stunden auf dem Nürburgring ausbauen. Camping ist bei uns hier im Vogelsberg aber im November nicht mehr so gut möglich…“

Die Hallendurchfahrt ist ja schon kurios genug, nun wurden gleich zwei weitere Attraktionen eingebaut. Eine Fußgängerbrücke durch die Halle ermöglicht die Fans die Fahrbahn zu überqueren und sozusagen ihren Idolen „aufs Dach zu steigen“. Und lustig geht es auch zu, denn Jürgen Stehr hat eine dieser digitalen Anzeigentafeln anbringen lassen: Sie fahren … km/h…

„Aufschrieb besser nicht wegschmeißen“

Natürlich ist eine „Stehr Special Stage“ auch wieder als Wertungsprüfung für die ADAC Hessen Rallye Vogelsberg vorgesehen. Im kommenden Jahr findet der dritte von sieben Läufen zur Deutschen Rallye Meisterschaft am 24./25. April statt. Weil das viele Rennfahrer wissen, nutzen die Aktiven den ADAC rallyesprint.eu auch als Vorbereitung für die DRM. Stehr genießt nämlich den Ruf bei seiner Veranstaltung immer mal etwas auszuprobieren, was dann in der großen Rallye verwendet wird. Aber doch nicht die Durchfahrt durch die Halle, oder? „Wieso, die könnte ich sogar für einen Weltmeisterschaftslauf nehmen!“

Darum gilt immer noch sein Ratschlag an die Fahrer: „Sie sollten sich nicht in Sicherheit wiegen, dass der Aufschrieb was wert ist – ihn aber auch nicht gleich wegschmeißen…“

Friedrich Goldstein (Schlitz) ist sowohl bei der ADAC Hessen Rallye Vogelsberg als auch beim ADAC rallyesprint.eu Rennleiter. Die DRM wurde von sechs auf sieben Läufe aufgestockt, aber insgesamt drei neue Bewerber stritten sich nicht nur um die Extraveranstaltung, sondern forderten auch die bislang ausgetragenen Rallyeläufe heraus. Goldstein lächelt: „Die Vogelsberg stand nie zur Disposition. Wir hatten neben dem Saisonfinale in der Lausitz die meisten Zuschauer, das Votum der Fahrer-Vertreter und Topbewertungen durch den offiziellen Observer.“

Veranstalter

„Begleitetes Fahren“ mit 17

Hermann Gaßner jr. wurde als 19-Jähriger in diesem Jahr Vierter der DRM. Klar, dass er schon als Teenager Rallyepilot werden wollte, denn Vater Hermann ist der amtierende DRM-Champion. Die Anfänge am Steuer eines Rallye-Rennwagens erlebte er mit 17, allerdings nur in einem „Vorauswagen“ – denn Gaßner jr. hatte ja nur einen Führerschein auf Probe und durfte nur „begleitet“ fahren! Des Vaters Co-Pilot Siggi Schrankl war damals beim „betreuten Fahren“ dabei, wie Gaßner flaxte.

Gaßner gewann im September die nationale Talentsichtung auf dem Stehr-Gelände, aber unterlag in der internationalen Ausscheidung dem Tschechen Martin Semerad aus einem Dörfchen bei Prag. Der wird nun mit Unterstützung von Pirelli und des Automobil-Weltverbandes FIA bei Läufen der Weltmeisterschaft antreten können. Noch mehr Aufregung steht dem Tschechen bevor: Er macht nämlich nächstes Jahr auch noch das Abitur! Und das obwohl er „manchmal nur zwei Tage in der Schule sein kann.“ Macht die „Penne“ deshalb Schwierigkeiten? „Nein, die sind stolz auf mich!“

Der Opel, der ein Vauxhall ist

Dicht umlagert war die Deutschland-Premiere des Opel Corsa OPC S2000 der bekannten britischen Tuningschmiede MDS (Motor Sports Development). Der Corsa sorgte aber auch auf der Strecke für großes Aufsehen. Der S2000 entspricht dem künftigen Technikkonzept für die Rallyeweltmeisterschaft. Neben dem Wagen fanden wir im Fahrerlager Volker Strycek, erster Champion der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft Mitte der 1980er und mittlerweile Chef der Motorsportabteilung von Opel machte klar, dass seine Anwesenheit nicht bedeute, dass es sich um einen Werkseinsatz handele. „Wir gucken uns ihn nur an, es ist ein wunderschönes Auto geworden.“ Auch MSD-Vertreter Paul Barnard stellte klar: „Der Opel ist eigentlich ein Vauxhall“, aber habe nichts mit dem Werk oder dem britischen Opel-Schwesterunternehmen Vauxhall zu tun. „Wir haben langjährige Erfahrung mit Vauxhall und waren beispielsweise BTCC-Champions (Britische Tourenwagenmeisterschaft) und deshalb ein Auto aufgebaut und wollen es verkaufen.“ Für die dafür nötigen 285.000 Euro dürfte man wohl ein absolut konkurrenzfähiges Fahrzeug erworben haben.

1. und 2. Bundesliga im Rallyesport?

Seit dem vergangenen Jahr leitet Dr. Erhard Oehm, der Vorsitzende des ADAC Hessen-Thüringen, die Geschicke der ADAC Stiftung Sport. In der ihm ganz eigenen Art hat der ehemalige Rallyefahrer (WM-Erfahrung bei der Rallye Monte Carlo) die Stiftung modernisiert. Ein neues Konzept wurde beschlossen, neun Rennfahrer wurden nach Sichtungen ausgewählt und 2009 im Motorrad-Straßensport und –Motocross, im Kartsport und in die ADAC Formel Masters ins Rennen geschickt. Im Rallyesport ist es Mark Wallenwein, der „langfristig gefördert wird“. „Uns stehen auch größere Summen als in der Vergangenheit zur Verfügung“. Das Geld wird beispielsweise über einen Anteil am Eintrittsgeld erwirtschaftet. So tragen denn auch die Fans beim 3. ADAC rallyesprint.eu mit einem Euro pro Ticket dazu bei, dass Sebastian Vettel, Timo Glock und Adrian Sutil zukünftig in der Formel 1 Gesellschaft bekommen. Das deutsche Trio wurde ebenfalls von der ADAC Stiftung Sport entdeckt und gefördert!

Zu einer effektiveren Förderung muss aber für Oehm auch eine Reform der Meisterschaften gehören. Im Kartsport gibt es eine Unzahl an Kategorien und Prädikaten, in der Rallyeszene neben der DRM zwei weitere. „Die DRM muss die 1. Bundesliga bleiben.“ Sie soll von derzeit sieben Läufen auf „mindestens acht Läufe“ aufgestockt, die Unmenge an Gruppen und Klassen übersichtlicher werden. Darunter gibt es dann eine „2. Bundesliga“, deren beiden Besten in die Topliga aufsteigen, während deren beiden Schlusslichter ins Unterhaus absteigen.

Ist der deutsche Automarkt zwar in der Krise, so sind es nicht die Fahrer und Fahrerinnen. Der ADAC vermeldet stetig wachsende Mitgliederzahlen (derzeit 16,4 Millionen Menschen) dank attraktiver Angebote, die weit über die klassische Pannenhilfe hinaus gehen. Und Oehm ist auf noch einen Aspekt besonders stolz: In „seinem“ ADAC Hessen-Thüringen gibt es kein „Ost-/West-Gefälle“, die Mitglieder entsprechen dem jeweiligen Bevölkerungsanteil.

Der Schiedsrichter

Manfred Läufer aus Staufenberg bei Gießen ist der Obmann der technischen Kommissare. Was macht man da? „Ich bin sozusagen der Schiedsrichter. Ich kontrolliere, ob das Fahrzeug den Regeln der Klasse, in der es gemeldet ist, entspricht.“ Das gilt aber auch für alle sicherheitsrelevanten Aspekte am Auto wie den „Käfig“. Und darüber hinaus: „Ich kontrolliere auch die Helme und die Kleidung.“ Selbstverständlich ist wie in der Formel 1 auch beim ADAC rallyesprint.eu feuerfeste Unterwäsche Pflicht!

Fritz Walther und der Rallyesport

Fritz Walther war bekanntlich einer der Zauberer beim „Wunder von Bern“, als 1954 die deutsche Fußballnationalmannschaft Weltmeister wurde. Was wenige wissen, Walther brachte später den Dorfverein SV Alsenborn aus der Nähe von Kaiserslautern mit Unterstützung eines örtlichen Unternehmers beinahe in die Bundesliga. Mittlerweile ist der Fußballruhm verblasst, aber die halbe Verwandtschaft von Jürgen Grohs aus Alsenborn arbeitet in jenem Unternehmen. Grohs (nicht mit der Essener Motorsportlegende Harald Grohs verwandt) startet beim 3. ADAC rallyesprint.eu in einem Opel Ascona B, der in den Farben von Erwin Webers berühmten Ascona gehalten ist. Grohs und Beifahrer Thomas Gutheil (Fürstenfeldbrück) sind stolz in Storndorf im Fahrerfeld akzeptiert worden zu sein. „Unter uns Aktiven ist der Stehr-Sprint eine Institution. Und jetzt fahre ich im selben Feld wie Blomqvist, Waldegaard, Grundel, Strömberg!“ (Manfred Möll) +++


Klemund..

Rotter...


Weltmeister Waldegaard...

Zelt-Ausstellung


Hesse

Ludwig Waldegaard


Semerad mit Plattfuß

das Stehr-Trio

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