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- Archivfoto: Hans-Hubertus Braune
17.11.08 - LAUTERBACH
Eishalle endgültig vor Schließung? - Streit um Messungen mit Bauaufsicht
Steht die Eishalle in Lauterbach endgültig vor der Schließung? "Das Kreisbauamt hat Auflagen erstellt, die nicht erfüllt werden können. Bis zum 1. Dezember dieses Jahres müssen die Vorgaben umgesetzt sein. Es gibt keine aufschiebende Wirkung", sagt Dieter Heß, Geschäftsführer der Stadtwerke Lauterbach. Der Betreiber der Eishalle kämpft um den Erhalt der Eishalle. Bereits im September dieses Jahres erschütterten schlechte Nachrichten die Eislauffreunde der Region. Das marode Dach muss im nächsten Jahr saniert werden. Die Kosten von etwa einer Million Euro können die Stadtwerke nicht aufbringen. Der anerkannte Gutachter Professor Stefan Winter vom Lauterbacher Ingenieurbüro "bauart" hatte die Halle untersucht. Winter war zudem einer der Hauptgutachter, die nach dem Unglück in Bad Reichenhall von den Behörden zur Ursachenerforschung beauftragt wurden. Dort war im Januar 2006 das Dach einer Eishalle unter der Schneelast eingestürzt und hatte 15 Todesopfer gefordert.
Ein ähnliches Unglück soll sich in Lauterbach nicht wiederholen. "Die Sicherheit steht an oberster Stelle. Ist die Sicherheit nicht gewährleistet, schließe ich die Halle ab", machte Heß deutlich. Allerdings hat er kein Verständnis für die Auflagen des Amtes. Es geht um die Anbringung eines Feuchtigkeitsmelders unter dem Hallendach. Dieses Gerät gebe es auf dem Markt jedoch nicht und könne folglich nicht installiert werden. "Wir haben uns darüber mit Professor Winter unterhalten", sagte Heß gegenüber "osthessen-news". Die Unterlagen seien nun einem Rechtsanwalt übergeben worden.
"Das Kreisbauamt steht in der Verantwortung und ist als Bauaufsicht für die Sicherheit der Bürger zuständig", sagte dagegen Erich Ruhl, Pressesprecher des Landratamtes. "Wir wollen dem Betreiber keine Steine in den Weg legen und hoffen, dass die Saison am ersten Dezember starten kann", unterstrich Ruhl. Die Behörde hatte ein zweites Gutachten bei einem Sachverständigen aus Karlsruhe in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten habe die gleichen Erkenntnisse gebracht wie das Gutachten von Winter. Allerdings seien die Ableitungen unterschiedlich.
"Wir fordern ein digitales Messsystem, welches kontinuierlich die Feuchte im Holz misst. Solche Geräte sind am Markt erhältlich", sagte Ruhl. Wichtig ist dabei die ständige Messung, die aufgezeichnet wird. Neuere Messungen hätten ergeben, dass die Holzfeuchte an der Lauterbacher Dachkonstruktion sich den Grenzwerten genährt haben. "Dadurch ist die Tragfähigkeit reduziert", erklärte Ruhl. Der Bauaufsicht reiche es nicht aus, dass nur die Schneehöhe gemessen werde. "Stellen Sie sich vor, nachts schneit es 15 Zentimeter, am Morgen setzt Tauwetter ein und bei der Messung ergibt sich eine Schneehöhe von nur zwei Zentimetern. Diese Last kann die Tragfähigkeit bereits negativ verändert haben", gab Ruhl ein praxisnahes Beispiel. Die aktuellen Auflagen sehen eine Schließung der Halle bei einer Schneelast von maximal 25 Kilogramm pro Quadratmeter Hallendachfläche vor.
Die Schließung der Halle wäre ein Schlag für den Lauterbacher Tourismus und gegen die Vereine VERC Lauterbach und TV Frischborn, die Eishockey und Eislauf besonders für den Nachwuchs anbieten. Die Vereinsvertreter werden am morgigen Dienstagnachmittag über die Lage informiert. Neben dem Geschäftsführer der Stadtwerke werden auch der Lauterbacher Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller und Professor Stefan Winter dabei sein. "Wir wollen keine Konfrontation mit dem Betreiber und wissen, dass die Stadtwerke ihre Verantwortung ernst nehmen. Wir suchen nach einer Lösung, damit die Halle geöffnet bleibt", unterstrich Ruhl abschließend. Das Kreisbauamt ist bei dem Gespräch nicht eingeladen. (Hans-Hubertus Braune) +++