Die Tage der Lauterbacher Eishalle sind gezählt: Das Kreisbauamt des Vogelsbergkreises hat in seinem Bescheid gegenüber dem Betreiber der Halle angedroht, dass ein Nutzungsverbot für die Eissporthalle angeordnet wird, sofern die Auflagen aus dem Bescheid bis zum ersten Schneefall jedoch spätestens bis zum 1. Dezember dieses Jahres nicht umgesetzt werden. Allerdings: die Stadtwerke Lauterbach können nach eigenen Angaben die Installation von mechanischen Messinstrumenten zur Messung der Holzfeuchte und Tragfähigkeit der Dachkonstruktion - und darum geht es im Wesentlichen - nicht in die Wege leiten. "Wir werden die Halle dann schließen", sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Dieter Heß während einer Pressekonferenz am gestrigen Dienstagabend in der Vogelsberger Kreisstadt. Dies bedeutet das "Aus" für den Eissport in Ost- und Mittelhessen - zumindest für die laufende Saison. Ob die Halle im nächsten Jahr für 1,2 MIllionen Euro saniert werden kann, ist offener denn je. Es fehlt faktisch am nötigen Geld. "Die Stadtwerke können das nicht bezahlen", erklärte Heß und auch der Stadt sind die Hände gebunden. Das Ringen um Unterstützung von Kreis, Land Hessen und dem Deutschen Eishockeybund hat bereits begonnen.
Hintergrund der dramatischen Zuspitzung in Lauterbach ist ein Bescheid vom Kreisbauamt, welches die Bauaufsicht für den Sonderbau verantwortet (osthessen-news berichtete aktuell: http://www.osthessen-news.de/beitrag.php?id=1157867 ). Die Verärgerung bei den Verantwortlichen von Stadt und Stadtwerken ist groß, da bei gemeinsamen Gesprächen mit dem Sachverständigen Professor Stefan Winter, der Bauaufsicht und dem Betreiber "andere Dinge" besprochen seien. "Wir hätten Verständnis, wenn uns im Vorfeld gesagt worden wäre, dass die vereinbarten Messeinrichtungen aus Sicht der Bauaufsicht nun doch nicht ausreichen", sagte Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller. "Die Sicherheit steht für uns an oberster Stelle", ergänzte Vollmöller. Nun aber hätten Stadtwerke und vor allem auch die Vereine viel Zeit und Geld zur Vorbereitung auf die neue Saison investiert.
Winter, ein bundesweit anerkannter Sachverständiger im Holzbau mit Lehrstuhl an der Technischen Universität in München und selbst in Lauterbach zu Hause, hat zahlreiche Eishallen nach der Neuverordnung des Gesetzgebers untersucht. "Kein Ingenieur geht ein Risiko ein", sagte Winter und erklärte, dass die bereits angelaufenen Prüfverfahren zur Messung der Feuchtigkeit ausreichen. Im sogenannten "händischen Verfahren" sollten die Schneehöhe und Feuchtigkeit im Holz der Dachkonsttruktion regelmäßig gemessen werden. Winter ging während der aktuellen Pressekonferenz detailiert auf die verschiedenen Vorgehensweisen ein. Seiner Ansicht nach würden die verlangten Techniken keine genaueren und vor allem zuverlässigeren Daten ergeben, zumal die Mess-Systeme an allen acht vorhandenen Holzbindern angebracht werden müssten. "Die in dem Bescheid verlangten mechanischen Mess-Systeme gibt es zwar, sind aber für die spezielle Nutzung in Lauterbach nicht vorgesehen", sagte Winter. "Den Grenzwert 20 Prozent kann kein Gerät so genau feststellen", erklärte Winter.
Zudem verlange die Bauaufsicht nach Schließung oder Räumung der Eishalle aufgrund einer Grenzwert-Überschreitung ein weiteres neues Gutachten, dessen Erstellung "etwa eine Woche Zeit benötigt". "Die Besucher können nie sicher sein, ob die Halle auf ist oder nicht", sagte Stadtwerke-Chef Heß. Die Folge sei, dass die Eishalle möglicherweise schon ab dem kommenden Wochenende - wegen des vorausgesagten Schneefalls - geschlossen werde.
"Das ist eine Katastrophe für uns als Verein", sagte Bertram Höhl, 1. Vorsitzender des VERC Lauterbach. Bei dem 350 Mitglieder zählenden Verein sind etwa 150 Kinder und Jugendliche beim Eishockey oder Eiskunstlauf dabei. Dazu die Seniorenmannschaft und die Eisstockschützen. "Wir wissen nicht, wie es für den Verein weitergehen kann. Verträge mit Trainern, Nachwuchstrainer und Sponsoren können nicht eingehalten werden. Wir müssen unsere Mannschaft vom Spielbetrieb abmelden. Es gibt keine Alternative in benachbarten Eishallen", sagte Höhl. Ein weiteres Problem sei, dass die "Kassel Huskies" eventuelle Schadensersatzansprüche stellen könnten. Die Nachwuchsmannschaften trügen wegen fehlender Hallenkapazitäten in Kassel ihre Bundesliga-Heimspiele in Lauterbach aus. "Im Dezember dieses Jahres hatten wir ein internationales Eiskunstlauf-Turnier geplant", ergänzt eine enttäuschte VERC-Mitarbeiterin. Ähnlich geht es auch dem Turnverein Frischborn, der ebenfalls Eissport anbietet. Einige Kinder und Vereinsvertreter demonstrierten vor der Pressekonferenz für den Erhalt "ihrer" Eishalle.
Am kommenden Freitag wird der VERC voraussichtlich sein letztes Heimspiel in der Eishockey-Regionalliga Hessen gegen Eintracht Frankfurt austragen. "Wir planen eine besondere Aktion, was kann ich aber noch nicht sagen", sagte Höhl. In einem kurzen Gespräch nach der Pressekonferenz erklärte der VERC-Vorsitzende, dass er für den Erhalt der Eishalle und damit dem Überleben des Vereins kämpfen werde. Die Hoffnung, dass die Stadt Lauterbach die Eishalle weiter betreibe, sei gering. Es müssten andere Lösungen her. Zum Beispiel der Verkauf der Halle an private Investoren.
Die Stadtwerke wollen gegen den Bescheid vom Kreisbauamt Widerspruch einlegen. Mögliche juristische Auseinandersetzungen und Prozesse etwa beim Verwaltungsgericht würden sich hinziehen und könnten die Schließung der Halle in diesem Winter nicht verhindern. Zumindest aber Regressforderungen wären möglich, sollte das Gericht den Bescheid für unzulässig erklären. Den jährlich etwa 50.000 Besucher, die im Winter in die Lauterbacher Eishalle strömen, nützt dies wenig. Eislaufen gehört im Vogelsberg zumindest auf Sicht der Vergangenheit an, sollte es nicht doch noch eine Wende geben. (Hans-Hubertus Braune) +++