19.01.18 - Wenn die Oberliga-Basketballer der FT Fulda am Samstag (18:30 Uhr) den SV Darmstadt in der heimischen Ferdinand-Braun-Halle empfangen, ist es zunächst ein Spiel wie jedes andere auch. Der Aufsteiger und Tabellenletzte hat den Vierten zu Gast. Doch hinter der Partie verbirgt sich eine historische Personalie.
Sie heißt Vincent Hablowetz, ist 1,75 Meter groß, 63 Kilo leicht und im Jahr 2003 geboren. Am Samstag wird Hablowetz sein Debüt bei den Herren geben – mit 14 (!) Jahren. Er wird als der wohl jüngste Oberliga-Spieler der Turner in die Geschichte eingehen. „Ich bin ein bisschen aufgeregt“, sagt Hablowetz als ON|Sport am Donnerstagabend beim Training vorbeischaut.
An diesem Tag trainiert das Talent, das in zwei Monaten 15 wird, gemeinsam mit der U16 der Fuldaer, die er als Kapitän anführt. Sein Trainer dort: Tim Helmke, der sich seit ein paar Monaten auch für die Herren in der Oberliga verantwortlich zeichnet. Unter Helmke durften schon Galileo Weidner, Tristan Weigl und Luc Thomé – alle Jahrgang 2001 – für die „Roadrunners“ auflaufen.

Das Talent der Turner wird wohl als jüngster Spieler in die Geschichte der FT eingehen ...

ON|Sport-Redakteur Tobias Herrling (rechts) Im Gespräch mit Hablowetz (mitte) ...

Hablowetz ist bereits der vierte Jugendspieler, der in diesem Jahr für die Roadrunners ...
Helmke soll nach dem Wunsch der Abteilungsleitung den Umbruch und die Verjüngung der Mannschaft, die im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich wieder in der Landesliga spielen wird, vorantreiben. Mit Merlin Wild ist bereits ein weiterer Jüngling für den Kader gemeldet. Doch die Personalie Hablowetz ist einzigartig.
„Das ist definitiv außergewöhnlich“, gibt Helmke zu, „ich habe noch nie gegen 14-Jährige gespielt. Aber Vincent ist am weitesten von den Jungs.“ Dank einer Sondergenehmigung inklusive ärztlichem Attest darf sein Schützling nun bei den „großen Jungs“ mitmischen. Im Alter von 14 Jahren debütierten in der jüngsten Vergangenheit nur zwei Spielerinnen bei der FT.
Nämlich Lea Klemm und zuletzt Juliane Weber bei der von Ritz Ingram trainierten Landesliga-Damen. Nun folgt ihnen Vincent Hablowetz bei den Oberliga-Herren. Doch seine Geschichte ist nicht nur wegen seines jungen Alters imposant. Denn zum Basketball fand Hablowetz, der die Fuldaer Bardoschule besucht, gerade einmal vor drei Jahren.
Eine Karriere im Zeitraffer
Über die von Ingram geleitete Basketball-AG, die nun sein Coach Helmke führt, kam er zu den Turnern und darf drei Jahre später in der Oberliga ran – eine Karriere im Zeitraffer. Vor etwa zwei Monaten eröffnete ihm Helmke seine Pläne. Wie er das im ersten Moment aufnahm? „Ich habe das akzeptiert, es kann nur positiv sein“, entgegnet der bescheiden und zurückhaltende wirkende Junge mit den kurzen, schwarzen Locken.
Dass er nun im Fokus steht, scheint ihm fast ein wenig unangenehm zu sein. Denn er will eigentlich nur Basketball spielen. „Ich will Spaß beim Spielen haben und versuchen, mir nicht zu viel Druck zu machen“, sagt der Fan der NBA-Truppe Cleveland Cavaliers zwei Tage vor seinem Debüt für die „Roadrunners“.

Mit gerade einmal 14 Jahren wird er aber der Jüngste des Quartetts sein ...
Befragt man seinen Coach Tim Helmke nach den Stärken des Point Guard fallen Adjektive wie „ehrgeizig“, „hungrig“, „zuverlässig“ oder „bodenständig“. Helmke ist überzeugt von seinem Talent, das von Ritz Ingram entdeckt und geschliffen wurde. „Er hat eine hohe Spielintelligenz und immer den Blick für den besser postierten Spieler. Vincent weiß, wo er den Ball hin spielen muss“, hat Helmke als Hablowetz‘ größte Stärke ausgemacht.
Zusätzlich zu seinen Einheiten schiebt der 14-Jährige dreimal pro Woche Extraschichten bei Ingram. Sein Ziel? „Es so hoch wie möglich schaffen“, so Hablowetz, der bei all der Leidenschaft für seinen Sport den Fokus auf die Schule nicht verliert – sein Notenschnitt liegt bei 1,5. Nun steht der Musterschüler vor seinem Oberliga-Debüt. Als jüngster Spieler in der Geschichte der FT Fulda. (Tobias Herrling) +++ 