Weniger die Tatsache, dass die Lauterbacher Eishalle aus Sicherheitsgründen geschlossen werden musste (osthessen-news berichtete aktuell: ), regt viele Besucher und die beiden Vereine VERC Lauterbach und TV Frischborn sowie die Kassel Huskies auf. Vielmehr der Zeitpunkt und die Art und Weise sorgen für Diskussionen und Unmut. Wie berichtet hatte der Betreiber nach einem Gutachten von Professor Stefan Winter (Lauterbach und Technische Universität München) die zunächst abgestimmten Auflagen zur Kontrolle der Holzfeuchte und Tragfähigkeit des Hallendaches umgesetzt und die Halle Anfang Oktober geöffnet. Ende Oktober erhielten die Stadtwerke einen Bescheid des Kreisbauamtes, welche die Bauaufsicht und damit die Verantwortung trägt. Dort hatte man die Auflagen verschärft und die Stadtwerken sehen sich nicht in der Lage,d iese umzusetzen. Zunächst hieß es, die Halle müsse spätestens Ende november oder beim ersten Schneefall zuvor geschlossen werden. Gestern dann die überraschend Räumung und anschließende Schliessung am Nachmittag. Neue Untersuchungen hätten ein Überschreiten der Grenzwerte ergeben. Die Diskussionen um Sanierung und Stabilität der Dachkonstruktion halten jedoch bereits seit mehreren Jahren an.
"Die Lage ist frustrierend", sagte heute Betram Höhl, erster Vorsitzender des VERC. Viele Gespräche habe er führen müssen. Und die Arbeit im Kampf um die Zukunft des Vereins hat erst begonnen. "Wir müssen am Wochenende in Ruhe sondieren und überlegen, ob und wie es weiter geht", erklärt Höhl, der bereits zum zweiten Mal eine Hallenschließung als vorstandsmitglied des VERC hinnehmen muß. Besonders der Nachwuchs leide und es dauere Jahre bis diese Lücke wieder geschlossen werden könne, sagte Höhl bereits vor einigen Tagen. Andere Vereine wie zum Beispiel die Bad Kissinger Wölfe haben bereits Hilfe angeboten.
Ob der Spielbetrieb im Jugendbereich aufrecht erhalten werden kann, sei unwahrscheinlich. Die Akteure der Seniorenmannschaft hätten laut Höhl bereits signalisiert, dass sie die Saison gerne zu Ende spielen wollen. Der VERC könnte nur die Auswärtsspiele bestreiten. Offen sei, ob die Sponsoren mitziehen. Werbemaßnahme bei den Heimspielen sind nunmehr nicht mehr möglich. Eine neue Eisfläche muss sich auch der Nachwuchs der Kassel Huskies suchen. Die Jugendmannschaften hatten mangels Hallenkapazitäten in Nordhessen ihre Heimspiele im cirka 100 Kilometer entfernten Lauterbach ausgetragen. Auch in Kassel war die Hallenschließung ebenso wie in der bundesweiten Eissportszene Gesprächsthema.
Genauso frustiert sind der Nachwuchs und die Eissportanhänger aus den verschiedenen Abteilungen des TV Frischborn und VERC. Eiskunstlauf, Eisstockschießen oder Curling sind beliebte Sportarten in der Vogelsberger Kreisstadt und auch der Schulsport nutzte die Eishalle.
Cirka 50.000 Besucher der Eishalle sorgten nicht nur für Einnahmen der Stadtwerke als Betreiber sondern auch der Gastronomie in Lauterbach. Vorallem Familien und junge Menschen besuchten Lauterbach wegen der Eishalle. Eine wichtige touristische Einrichtung fehlt zumindest in der laufenden Wintersaison.
Doch wie geht es weiter mit dem Eissport in Lauterbach? "Wie man hört hat die Stadt finazielle Probleme. Fraglich ist zudem ob überhaupt der politische Wille besteht, die Halle zu sanieren", hat Höhl Bedenken, dass die Halle im nächsten Jahr für 1,2 Millionen Euro saniert werden kann. Eine, in der Öffentlichkeit diskutierte Variante ist die "einfache" Abriss des "Problem"-Daches. Früher war die Eisbahn bereits ohne Dach. "Die Menschen gehen bei schlechten Wetter wie Regen zum Eislaufen in die Halle. Früher waren wegen des Wetters die Besucherzahlen stark schwankend", argumentierte Stadtwerke-Geschäftsführer Dieter Heß. Zudem würde der Abbau etwa zwei Monate dauern und cirka 100.000 Euro kosten, erklärte der Sachverständige Professor Stefan Winter. Fraglich sei, ob das Kühlsystem der Eisfläche für den "freien" Betrieb geeignet sei.
Doch Höhl will nicht aufgeben und kämpfen. Ob eine Privatisierung in Frage komme, sei ebenfalls offen jedoch eine Variante. "Ich habe niemanden parat. Aber wenn von den Stadtwerken ein deutlichen Zeichen käme und die Halle für einen symbolischen Wert verkauft werden könne, bieten sich vielleicht Chancen", sagte Höhl. Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller hatte am Dienstagabend während einer Pressekonferenz erklärt, dass die Stadtverordnetenversammlung über eine Finanzierung des Sanierungskosten entscheiden müsse. "Leztlich entscheidet die Kommunalaufsicht", sagte der Rathauschef und hofft, dass Gelder von Kreis- und Landesebene fließen.
Das Kreisbauamt hat am morgigen Freitagvormittag zu einer Pressekonferenz eingeladen und will Hintergründe zu den Entscheidungen zum Betrieb der Eishalle erklären. Die Zukunft der Eishalle und damit dem Eissport für viele junge Menschen in der Region bleibt weiter ungewiss. (Hans-Hubertus Braune) +++