Seit 19:46 Uhr am gestrigen Freitagabend hat der SC Borussia Fulda wieder eine Führungsmannschaft, an deren Spitze der 63-jährige Heinz Straeter steht. Ebenso wie seine beiden Stellvertreter Walter Goth, der aus beruflichen Gründen nicht anwesend war, und Jürgen Ressel sowie der Vorsitzende des fünfköpfigen Aufsichtsrates Dr. Bernd Alles wurde der neue Mann an der Spitze des Traditionsvereins einstimmig gewählt. Etwa 80 Mitglieder freuten sich bei der außerordentlichen Versammlung im Kolpinghaus über die "Aufbruchstimmung."
Der 1945 in Dortmund geborene Straeter hat jahrzehntelange Erfahrung als Trainer, unter anderem auch von 1986 bis 1988 bei Borussia Fulda. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und ist seit Ende des Jahres 2007 im Ruhestand. "Bei Borussia ist immer etwas los. Die Gespräche mit Peter Enders waren kraftvoll und entschlossen. Ich nehme die Herausforderung gerne an. Wir werden die finanzielle Situation zunächst prüfen und neu ordnen. Eine Balance von wirtschaftlichen Möglichkeiten und sportlichem Erfolg ist unser Ziel", sagte Straeter unter dem Applaus der Mitglieder. Die Intensivierung der Jugendarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und des Vereinslebens seien weitere Inhalte des Aufbruchs. Straeter war gemeinsam mit Walter Goth, der aus beruflichen Gründe nicht anwesend war, jedoch seine Bereitschaft im Vorfeld signalisiert hatte, sowie Jürgen Ressel als Team angetreten und entsprechend gewählt worden.
"Mein Herz schlägt für Borussia. Wir sind ein Sportverein und wollen den sportlichen Erfolg. Dies geht nur mit Demut. Die Regionalliga mit einem Etat von sechs, sieben Millionen Euro ist in unserer Region derzeit nicht möglich", erklärte Peter Enders, der in den vergangenen Wochen die Weichen für die Zukunft Borussias in zahlreichen Gesprächen gestellt hatte. Er erteilte damit den Forderungen der Fans aus der Kurve, möglichst "höherklassig" zu spielen, eine Absage und unterstrich die Bodenständigkeit als Ziel des weiteren Handelns. "Borussia ist eine Hassliebe. Wenn alle, die über Borussia reden, auch in das Stadion gehen würden, wäre unser Stadion zu klein", unterstrich Enders, der künftig im Aufsichtsrat mitarbeiten wird, die Bedeutung der Borussen in Stadt und Land. "Wir haben gute Jungs. Wir brauchen unseren Nachwuchs, aber auch die Jungs aus Frankfurt", sagte der Chef des Autohauses Krah + Enders.
Die Unterstützung des Präsidiums und wichtige Netzwerkkontakte seien Aufgaben des Aufsichtsrates, sagte Dr. Bernd Alles, 59-jähriger Mediziner aus Großenlüder. In einer Sitzung wird er die vier weiteren Mitglieder des Gremiums satzungsgemäss benennen. Neben Enders sind wie berichtet Egon Schindel, Thomas Dreifürst, Berthold Henkel und Hans-Dieter Alt im Gespräch.
Zum Vorstand gehören künftig zudem Schriftführer Jörg Dietz, Kassierer Harald Poschmann und Jugendleiter Roland Hohmann. Zu den beiden Kassenprüfern wurden Jörg Puhl und Clemens Dute gewählt. Die komplette Hessenliga-Mannschaft mit Trainer Jörg Meinhardt war am Abend dabei. "Wir müssen alles daran setzen, nicht weiter nach unten zu fallen. Nach den Turbulenzen der letzten Wochen kehrt nun wieder Ruhe ein und das hilft besonders den Aktiven", erklärte Straeter in Richtung der Fußballer. Erfreut von den Ergebnissen der Neuwahl zeigte sich auch der Borussen-Coach. "Ich kenne Heinz Straeter schon lange, auch Walter Goth und Jürgen Ressel. Ich denke, es sind die richtigen Leute, damit es wieder aufwärts geht und die Freude am Fußball wiederkehrt", meinte Meinhardt gegenüber osthessen-news. Morgen spielen die Borussen im Stadion gegen den Aufsteiger Stadtallendorf und wollen auch auf dem Platz zeigen, dass die Querelen nun ein Ende haben.
Doch bevor die neue Führungsmannschaft gewählt wurde, gab der bisherige kommissarische Vorsitzende Bernd Vey Einblicke in die augenblickliche Situation. "Alle Forderungen können kurzfristig beglichen werden.", sagte Vey und gab ebenso wie Bernd Kram bekannt, dass sie ihre Ämter niederlegen. Vey wird weiterhin im Umfeld mitarbeiten und Aufgaben im Catering und V.I.P-Zone übernehmen. Nach Antrag des Kassenprüfers, der eine ordentliche Kassenführung bescheinigte, wurde der bisherige Vorstand mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung mit großer Mehrheit entlastet. Eine der ersten Aufgaben des neuen Aufsichtsrates war die Ehrung für das langjährige Mitglied Werner Goliasch, der die Ehrenmitgliedschaft verliehen bekam.
Es waren nicht die "großen Töne", die im Kolpinghaus von den Machern geschwungen wurden. Mit den sich bietenden finanziellen Möglichkeiten sollen die sportlichen Ziele umgesetzt werden. Klar wurde auch: Platz für Luftschlösser gibt es nicht. Vielmehr soll durch die Besinnung auf die "Grundwerte" wie Vereinsleben, Nachwuchsarbeit und Bodenständigkeit das zuletzt arg bröckelnde Aushängeschild des Fußballs in Osthessen gefestigt werden. Ein großes Plakat vor der Bühne mit Borussen-Emblem zeigt den gewünschten Weg in drei Worten: "Zurück zum Verein". Und die treuen Anhänger, die nach eigenen Worten "alles mitmachen", gaben den Mannen um Heinz Straeter zudem einen Tipp: "Die Zukunft liegt im Stadion. Vergesst die Fans nicht." (Hans-Hubertus Braune) +++