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Lead-Sänger Claudius Dreilich suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum - Fotos: Gudrun Schmidl

PHILIPPSTHAL (W.) Über sieben Brücken musst du gehen

Karat schreibt über vierzig Jahre Musikgeschichte - umjubeltes Konzert

07.05.18 - Die Musiker auf der Bühne und die begeisterten Besucher haben am Samstag in der voll besetzten Kreuzberghalle gemeinsam geschwitzt. Rund zwei Stunden lang heizte die Kultband Karat kräftig ein und teilte mit ihren Fans über 40 Jahre Musikgeschichte. „Wir hatten das große Glück, dass wir nach vielen Tiefschlägen durchgehalten, tolle Songs und natürlich euch haben“, betonte Lead-Sänger Claudius Dreilich, der seinen verstorbenen Vater und Gründungsmitglied von Karat, Herbert Dreilich, ab 2005 ersetzte.

„Das Schlimmste ist, wenn einer geht und nicht wiederkommen kann“, erinnert sich Claudius Dreilich an den Schicksalsschlag und ergänzt: „Karat wurde oft für tot erklärt, aber wir hatten eine Chance. Auch ich vermisse meinen Papa“. Dieser berührende Moment der Stille wurde mit dem Lied „Mich zwingt keiner auf die Knie“ in Erinnerung an Herbert Dreilich zelebriert, der den Text des Liedes zu seinem Lebensmotto erklärt hatte.

Der wahrscheinlich jüngste Fan

Herbert Dreilich war nicht nur etablierter Leadsänger, sondern prägte auch den Sound von Karat. Das erste Album der Musiker trug den Titel „Karat“. Im Jahr 1979 folgte „Über sieben Brücken musst du gehen“, bis heute gehört der Titelsong zu den größten Erfolgen der Band. Das war auch in der Kreuzberghalle spürbar, als alle Besucher stimmgewaltig und textsicher gemeinsam mit Karat über sieben Brücken gehen konnten und so für einen wahren Gänsehautmoment sorgten.

Das Album „Schwanenkönig“ wurde ebenfalls vor der Maueröffnung veröffentlicht und feierte schon damals auch in der Bundesrepublik große Erfolge. Der Text, schwulstig wie poetisch zugleich, berührt zutiefst und gewinnt noch an Theatralik, wenn er von Claudius Dreilich – seinem Vater im Aussehen und stimmlich zum Verwechseln ähnlich – gesungen wird . Dreilich lebt die Songs, fasziniert mit starken Gesten, geballter Faust und seinen Bewegungen im Zeitlupentempo.Er überlässt aber auch den Bandmitgliedern Bernd Römer (Gitarre), Christian Liebig (Bassgitarre), Michael Schwandt am Schlagzeug und den Keyboardern Ulrich Swillms und Martin Becker die Bühne, wenn die herausragenden Musiker mit eindrucksvollen Soli begeistern.

Die obligatorische "Stracke" überreichte Hartmut Sell ...

„Auch wenn Fernseh- und Radiomacher ihre Programme optimieren wollen und nur noch Songs spielen, die nicht länger als 3.20 Minuten sein sollten, braucht der „Albatross“ noch immer acht Minuten, bis er landet“, bekräftigt Claudius Dreilich die Länge der kraftvollen Ballade, von der das Publikum gar nicht  genug bekommen konnte. Sie wurde genau so frenetisch beklatscht wie das aufrüttelnde Lied „Der blaue Planet“, das leider aktueller denn je ist. Im Zentrum des Songs steht die Angst vor einer nuklearen Katastrophe als Folge des immer heißer werdenden Kalten Krieges.

Ina Gremm freut sich über die ...

Karat erinnerte auch an die Anfänge ihrer Karriere im Jahr 1975, als eine Million, allesamt grau gekleidete Menschen, auf dem Berliner Alexanderplatz, von der „Kapelle Karat“ musikalisch unterhalten wurden. Karat kündigt aber auch ein neues Album an, das am 10. Oktober 2018 veröffentlicht wird. Im letzten Jahr hat es wie versprochen nicht geklappt, gibt Claudius Dreilich zu und erklärt auch warum: „Die Qualität lässt nach, wenn man zu viel macht“. Dafür gab es mit dem Song „1000 Karat“ schon mal eine musikalische Kostprobe.

Licht und Schatten heißt nicht nur ein Album von Karat, sondern begleitet die wechselvolle Karriere der Band, die nach der Wende zunächst keinen großen Anklang beim Publikum fand, aber seit über zwanzig Jahren wieder an ihre früheren Erfolge anknüpfen konnte. Sie werden „Weitergehn“, unterstützt von alten und neuen Fans, die sich von genialem, emotionsgeladenem „Ostrock“ mitreißen lassen. Der wahrscheinlich älteste Fan im Publikum war Hilde Günther. Die rüstige 90-Jährige hat als erste ihre Eintrittskarte geordert, verrät Helmut Sell, der Vorsitzende des Kulturweckers.

Hilde Günther (Mitte) lässt sich auch ...

In der ersten Reihe saß Ina Gremm, ein Fan der ersten Stunde. Bereits als 9-jähriges Mädchen lernte sie Mitte der 70er-Jahre Karat in Görlitz vor und hinter der Bühne kennen und erinnert sich besonders gern an die Begegnung mit Herbert Dreilich. Lange Jahre hat sie die Karriere der Kultband begleitet und viele weitere Konzerte besucht. In Philippsthal nahm sich Karat nach einem umjubelten Herzschlagfinale viel Zeit für ihre Fans, gab Autogramme und ließ sich gern fotografieren. Die beste Gelegenheit für Ina Gremm, mit Bernd Römer ins Gespräch zu kommen, dem verbliebenen Bandmitglied aus dieser Zeit. (Gudrun Schmidl) +++


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