03.06.18 - Er selbst beschreibt sich als der Mann, der zwischen Ihnen und Ihrer Frau sitzt, als eine Art Partycrasher. Wolff-Christoph Fuss ist einer der beliebtesten Fußball-Kommentatoren Deutschlands. „Ich bin schonunglos ehrlich, frei aus der Leber heraus“, so beschreibt Fuss sich selbst. In Rahmen der Lauterbacher Buchwochen war der Kommentator zu Gast in der Vogelsberger Kreisstadt und teilte mit rund 220 Fußball-Fanatikern Momente aus seiner fast 20-jähirgen Karriere.
„Diese verrückten 90 Minute – DAS FUSS-BALL-BUCH“, so lautet der Titel des in 2014 erschienen Buches von Deutschlands Kult-Kommentator Wolff-Christoph Fuss, der sich mit Sprüchen wie „Hasta la vista, Bayern Finalista“ oder „Das kennt man von Mourinho! Der Mann hat den schwarzen Gürtel in Selbstdarstellung“ einen Namen machte.

Vor der offiziellen Vorlesung nahm er sich Zeit für die Gewinner des Meet&Greets ...

Natürlich nahm er sich auch noch Zeit für ein Gruppenfoto mit den 12 Gewinnern ...
Vielen ist er als Stimme während des Fußballspiels bekannt, die sich jeden Samstag, pünktlich um 15:30 Uhr, aus Ihrem Fernseher meldet. „Ich bin der der Gast in Deinem Wohnzimmer, mal eingeladen und mal nicht“, scherzt Fuss, der bei vielen für seine flotten Sprüche bekannt ist. Seine Mundart geht ins Ohr und bleibt direkt im Kopf. Fuss‘ Inspiration? „Man kann in meinen Kommentationen hören, wie meine Woche war. Ich sauge die Wörter in meinem Alltag auf“, erklärte der 41-Jährige.

Wolff-Christoph Fuss mit ON|Sport-Volontärin Franziska Vogt

Lachen war an diesem Abend vorprammiert

Julian Klein (l.), Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der ovag, führte charmant ...
Beim Grillen in der jüngsten Vergangenheit stieß er auf ein neues Wort: Bratverlust. Was heißt neu, neu in der Fußballsprache. „Ich habe ein Grillbuch durchgeblättert. Dann ist mir dieses wahnsinnig aussagekräftige Wort ‚Bratverlust‘ ins Auge gefallen – was ein tolles Wort.“ Die Zuschauer – begeistert. Aber wie kommt man darauf ‚Bratverlust‘ auf den Fußball zu übertragen? „Man muss ein sehr kranker Mann sein“, so Fuss, herrlich ehrlich über sich selbst.
Und genau das gefällt den Zuhörern. Er erzählte von Bildschirmpannen, seinem ersten Fußballspiel, welches er mit dicken Mandeln so groß wie Golfbällen und einer Stange Antibiotikum intus kommentierte, osteuropäischen Städten, die Konsonanten-Wüsten gleichen sowie seinem persönlichen Treffen mit Ex-Bayern Coach Louis van Gaal.
Große Persönlichkeiten
Doch van Gaal und die Medien sind bekannterweise keine Turteltauben, sondern eher wie Feuer und Wasser. Aber wie hat van Gaal sich am Ende breitschlagen lassen? Wolff-Christoph Fuss erklärt es: „Der Pressesprecher des FC Bayern hat ihn mit einem Kniff dazu gebracht. Er verklickerte ihm, dass Journalisten doch sowieso keine Ahnung haben und es jemand ihnen erklären müsse.“ Gesagt getan. Der „Tulpen General“ van Gaal und Wolff-Christoph Fuss setzten sich an einen Tisch, „gut, dann saßen wir da. Auf einmal waren Drei- und Vierecke auf dem Spielfeld und ich dachte, er erzählt mir von einer anderen Sportart. Was habe ich nur die letzten zehn Jahre gemacht?“, fragte sich Fuss danach. Rückblickend ist der ehemalige Bayern-Trainer für den 41-jährigen vor allem eins, „ein Professor, der für mich eine neue Welt eröffnet hat.“

In Fuss' Buch "Die verrückten 90 Minuten" dreht sich alles um die Geschichten rund ...

Die Aula in der Sparkasse in Lauterbach war prall gefüllt

Hier ging jedem ein Lachen über die Lippen
Eine neue Welt oder eher gesagt die Welt öffnete sich für Fuss durch seinen Beruf als „Spielbeobachter“. „Das Reisen ist das Schönste“, schwärmt Wolff-Christoph Fuss. Mit Reisen sind auch Flüge verbunden und die beste Zeit über den Wolken hatte er mit dem Kaiser höchstpersönlich. „Mit Franz Beckenbauer hatte ich die schönsten Flüge“, schwärmt Fuss. Und wie es sich bei „Kaisers“ gehört, natürlich mit Privatjet.
Zu seinem Vortrag am Freitagabend ging es von Fuss‘ Wahlheimat München ebenfalls per Flieger nach Frankfurt. Der Vortrag in Lauterbach war für Wolff-Christoph Fuss eine Art „Heimspiel“. Denn das Licht der Welt erblickte er im rund 100 Kilometer entfernten Ehringshausen (Lahn-Dill-Kreis).

Schuld war Wolff Fuss...

...der mit Gestik ...

...und Mimik...

...die Zuschauer durch den Abend führte
Seinen erfrischenden Vortrag über den in seinem Tee leutenden Felix Magath („Er schwenkt den Teebeutel in seiner Tasse hin und her wie kein anderer"), oder seinem Loriot-Streich in St. Petersburg, wo er im Bademantel versehentlich ein Edel-Restaurant „crashte“, begeisterte die Zuschauer. Dass Wolff-Christoph Fuss einer der beliebtesten Kommentatoren Deutschlands ist, machte dieser Abend erneut klar. Mit einer Geschichte von einem Sonntagabend in Bremen, den er mit Schlagerstar Semino Rossi und seiner Crew verbrachte, und seinem Kultspruch „bleiben sie sportlich“ verabschiedete sich der 41-Jährige nach einer zweieinhalbstündigen Comedy-Show, Fußball-Lehrstunde und jeder Menge Spaß. Spätestens bei der Weltmeisterschaft in Russland, die in zwei Wochen beginnt, wird Wolff-Christoph Fuss wieder Gast in Ihrem Wohnzimmer sein - ob Sie nun wollen oder nicht. (Franziska Vogt) +++ 