Fit für die Karriere: Studentinnen aus ganz Hessen erhielten am Freitag vergangener Woche ihr Zertifikat für die Teilnahme am Mentoring-Programm ProCareer.MINT. - Fotos: Nicole Dietzel

FULDAFrauen Mut machen

ProCareer.MINT: 70 Studentinnen haben erfolgreich teilgenommen

19.06.18 - Dass Frauen auch nach vielen Jahren der Gleichstellungarbeit Unterstützung brauchen können, um ihren beruflichen Weg selbstbewusst und erfolgreich zu gehen, das führte die Abschlussveranstaltung des Mentoring-Programms Hessen am Freitag an der Hochschule Fulda einmal mehr vor Augen. „Führen Sie die begonnene Netzwerkarbeit weiter und schalten Sie sich auch in die etablierten Männernetzwerke ein“, gab Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze den rund 70 Mentees, die von allen hessischen Hochschulen nach Fulda gekommen waren, mit auf den Weg. Die Vizepräsidentin der Hochschule Fulda zeigte sich überzeugt: „Netzwerken ist ein Erfolgsrezept.“

In Sachen Kontaktaufbau ist das Mentoring-Netzwerk in der Tat ein großer Gewinn, bestätigte Lisa Dietrich. Die 25-jährige Studentin der Diätetik ist eine von zwei Mentees aus Fulda, die das Programm im vergangenen Jahr absolvierten. „Das Programm erleichtert das Networking“, sagte sie und gab zu bedenken: „Es ist ja nicht so leicht, als Berufseinsteigerin an Kontakte zu kommen.“ Sie habe sehr viel Unterstützung erfahren, beispielsweise bei Bewerbungen, und fühle sich nun gut vorbereitet auf den Start ins Berufsleben. Und auch diese Erkenntnis nehme sie mit: „Ich habe Frauen kennengelernt, die erfolgreich sind und Familie haben. Sie haben mir gezeigt, dass beides möglich ist.“

Die Freude war groß

Dr. Ulrike Kéré, Geschäftsführerin Mentoring Hessen, machte deutlich, wie wichtig es sei, dass Frauen Vorbilder hätten und jemand ihnen Feedback gebe. „In den Chefetagen kommen nach wie vor nur wenige Frauen an“, sagte sie. „Wir wollen Frauen daher ermutigen, Karriere zu machen und ihnen das nötige Rüstzeug dafür mitgeben. Markus Olbert, Senior Vice President Corporate Human Resources Fresenius SE & Co. KGaA, der den Festvortrag zum Thema „Machtpolitik in Unternehmen“ hielt, liefert ein konkretes Beispiel. Er berichtete von zwei Kandidaten, einem Mann und einer Frau, die er für einen Job in Betracht gezogen hatte. Die Frau, obwohl deutlich geeigneter, habe sich sofort unsicher gefragt, ob sie ausreichend qualifiziert sei. Der Mann hingegen habe keine Zweifel aufkommen lassen, dass er der Richtige sei. Zwar habe die Frau den Job schließlich bekommen, erzählte Olbert, aber sie habe zuvor in einem Coaching ihre Einstellung und die Strategie verändert, wie sie sich präsentiert.

Um die Studentinnen schon frühzeitig auf solche Situationen vorzubereiten, spiegeln die Mentorinnen ihnen, wo persönlicher Entwicklungsbedarf besteht. „Es ist in Ordnung, unsicher und zurückhaltender zu sein. Wichtig ist aber, dass man daran arbeitet“, gab Mentorin Zehra Sahin, Senior Manager Boehringer Ingelheim, ihrer Mentee daher mit auf den Weg.

Kontakte knüpfen

133 Studentinnen der naturwissenschaftlich-technischen Fächer (MINT) hatten insgesamt an dem Mentoring-Programm teilgenommen. Für ein Jahr wurden sie von einer Mentorin, einer berufserfahrenen Naturwissenschaftlerin oder Ingenieurin, begleitet und in ihrer Karriereentwicklung bestärkt. Sie konnten Einblick in den Berufsalltag der Mentorinnen nehmen, Kontakte knüpften und sich für die berufliche Weiterentwicklung orientieren. Bei wichtigen Entscheidungen erhielten sie zudem Unterstützung. Inzwischen gibt es zahlreiche Mentees, die sich nach erfolgreichem Einstieg in den Beruf als Mentorinnen einbringen.

Mentoring Hessen bietet vier Förderlinien, die zielgruppen- und bedarfsorientiert von der Studentin bis zur angehenden Professorin eine passgenaue Unterstützung auf dem individuellen Karriereweg bieten. Durch den Verbund der hessischen Hochschulen sei es möglich, ein Programm anzubieten, das keine Hochschule alleine auf die Beine stellen könne, betonte Dr. Ulrike Kéré. Für die Hochschule Fulda sei das Programm nach dem Erhalt des eigenständigen Promotionsrechts von großem Interesse, denn auch Doktorandinnen könnten sich hier beteiligen, unterstrich Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze. (pm) +++


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