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REGION O|N-Wissen

Rechtsprechung zu Google Translate

28.06.18 - In den USA sorgte ein Rechtsfall für Aufregung, in dem es um den Einsatz von Googles Übersetzungsdienst Google Translate in Ermittlungsverfahren ging. Laut Urteilsspruch eines Richters aus Kansas ist der elektronische Service nicht ausreichend, um die eindeutige Verständigung zwischen Ermittlern und Dritten zu gewährleisten.

Die Ausgangslage des Rechtstreits

Am frühen Morgen des 21. September 2017 wurde Omar Cruz-Zamora im US-Bundesstaat Kansas aus dem Verkehr gezogen. Cruz-Zamora ist mexikanischer Staatsbürger und spricht kaum Englisch. Sein Gegenüber, ein Polizist der Kansas Highway Patrol, spricht kein Spanisch, bedient sich allerdings des Google Übersetzungsdiensts, um seine Fragen an den Fahrer des Wagens ins Spanische zu übersetzen. Da der Polizist nicht über einen Durchsuchungsbefehl verfügte, ist er vor der Durchsuchung eines Kraftfahrzeugs dazu verpflichtet, die Erlaubnis des Fahrzeughalters einzuholen. Cruz-Zamora stimmte der Durchsuchung mündlich zu. Bei der anschließenden Durchsuchung stieß der Polizist auf etwa 14 Pfund Kokain und Methamphetamine. Cruz-Zamora landete zwar vor Gericht, konnte jedoch nicht verurteilt werden, da der Richter entschied, eine mithilfe von Google Translate eingeholte Zustimmung zur Durchsuchung des Autos sei streitbar. Google Translate übersetzt nämlich wörtlich und ist nicht in der Lage, Zusammenhänge zu erkennen. Unzulänglichkeiten werden insbesondere dann offensichtlich, wenn die Übersetzung zurück in die Ausgangssprache übertragen wird.

Wo liegt das Problem?

Da der Polizeibeamte selbst kein Spanisch spricht, war er nicht in der Lage, einzuschätzen, wie gut oder schlecht die Übersetzung des Google Translate Dienstes war. In einer relativ belanglosen Unterhaltung zwischen zwei Menschen, die keine gemeinsame Sprache sprechen, mag dies kein größeres Problem darstellen. Im vorliegenden Fall machen sprachliche Ungenauigkeiten jedoch einen signifikanten Unterschied aus. Wäre dem Angeklagten eindeutig bewusst gewesen, dass er das Recht hat, die Durchsuchung seines Wagens zu verweigern, hätte er von diesem Recht wahrscheinlich Gebrauch gemacht und wäre nicht mit Drogen erwischt worden. Aus einer Aufzeichnung des Gesprächs ging hervor, dass der Angeklagte mehrfach sagte, er verstehe nicht, was sein Gegenüber sagte. Im Idealfall hätte der Ermittler einen Übersetzer hinzurufen müssen, der zwischen ihm und dem späteren Angeklagten vermittelt hätte. Eine mündliche Zustimmung, die mithilfe eines elektronischen Übersetzungsdienstes eingeholt wird, hat vor Gericht keine Gültigkeit.

Bedeutung für zukünftige Rechtsprechungen

Der Fall aus Kansas kann in Zukunft eine wichtige Rolle in weiteren Gerichtsverfahren spielen, in denen sich die Ausgangslage ähnlich gestaltet. Wenn durch verschiedene Sprachkenntnisse der beteiligen Personen die Geschehnisse nicht verständlich für einen Angeklagten sind, kann sich dieser in der Verteidigung darauf berufen und ein andernfalls eindeutiger Rechtsfall gerät ins Wanken.

Der vorliegende Fall veranschaulicht, dass das Vertrauen, das elektronischen Übersetzungsdiensten entgegengebracht wird, oft zu Unrecht besteht. Zum Selbstschutz sollten Verbraucher in Situationen, die eine juristische Tragweite aufzeigen, auf professionelle und vor allem menschliche Übersetzer setzen. Selbst wenn ein Vertragsdokument in englischer Sprache vorliegt und der Verbraucher über solide Englischkenntnisse verfügt, ist eine professionelle Übersetzung ratsam. Eine englische Übersetzung durch Muttersprachler stellt sicher, dass auch juristische Feinheiten präzise übertragen werden. In der direkten, mündlichen Kommunikation mit anderssprachigen Polizeibeamten ist ein Dolmetscher unerlässlich, selbst dann, wenn man glaubt, zu erahnen, was der Beamte sagt oder fragt. +++


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