Die Eröffnung der ehemaligen Schäferei aus Hausen (Bad Kissingen) im Freilandmuseum in Fladungen stieß auf großes Interesse bei der Bevölkerung - Fotos: Merion Eckert

FLADUNGEN 10. Fränkische Wochen gestartet

Schäferei-Ausstellung im Freilandmuseum eröffnet - ein fast vergessener Beruf

11.09.18 - Im Rahmen der Eröffnung der 10. Fränkischen Woche im Freilandmuseum in Fladungen/Rhön wurde auch die Schäferei aus Hausen (Stadtteil Bad Kissingen) offiziell eröffnet. Viele Politiker und Ehrengäste waren gekommen, unter ihnen Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Oberelsbachs Bürgermeisterin und Kreisrätin des Landkreises Rhön-Grabfeld Birgit Erb, die in Vertretung für Landrat Thomas Habermann kam und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Bad Kissingen Anton Schick, die das Motto der Fränkischen Woche „Heimat“ näher beleuchteten.

Für die Stadt Bad Kissingen und speziell den Stadtteil Hausen sei es eine Ehre im Freilandmuseum Fladungen mit der Schäferei vertreten zu sein, betonte Schick in seiner Ansprache. Die Schafhaltung sei für die Rhön typisch und habe auch heute noch große Bedeutung. Bad Kissingen leiste nun mit dem Gebäude, Stall und Scheune seinen Beitrag im Freilandmuseum, um die historische Entwicklung und Bedeutung der Nachwelt zu erhalten.

Im Haus und im ehemaligen Stall ...

Die „Schäferei“ im Freilandmuseum ist ein Ensemble bestehend aus einem Wohnstallhaus mit Wirtschaftsteil und einer direkt angrenzenden Schafscheune. Das Wohnhaus wurde im Jahr 1672 erbaut. Hier lebten die Schäfer, deren Namen von 1852 an bekannt sind. Schon 2003 wurde das gesamte Ensemble von seinem ursprünglichen Standort in Hausen ins Museum übertragen. Nach 15-jähriger Bau- und Ausbauzeit präsentiert es sich dort nun so, wie es in den späten 1960er Jahren zuletzt genutzt wurde.

Die angrenzende Scheune  wurde erst um das Jahr 1850 herum errichtet, jedoch steckt in der Rückwand noch die spätmittelalterliche Klostermauer des ehemaligen Prämonstratenserinnen-Ordens Hausen. Die Schäferei gehörte ursprünglich zum mittelalterlichen Klostergut des Prämonstratenserinnen-Ordens Hausen, die seit 1161 ansässig waren. Ausführlich wird die Geschichte auf Schautafeln dargestellt. So erfährt der Besucher, dass die Herde maximal 250 Schafe und Lämmer umfassen durfte. Der Schäfer durfte 30 eigene Schafe halten, sein Jahreslohn bestand aus dem Wohnrecht, Geld- und Naturalleistungen, darunter Getreide für die Selbstversorgung.

Die gute Stube der Schäferei wurde ...

Informationen gibt es auch zur Bauweise des Hauses, das ursprünglich als Fachwerkbau mit Wänden aus Lehm errichtet wurde. Rund 60 Farbschichten konnten im Inneren nachgewiesen werden. Bei der letzten Renovierung in den 1950er Jahren wurde die Stube tapeziert. Eine Vielzahl an Exponaten verdeutlichen die Arbeit und Aufgaben, die ein Schäfer zu bewältigen hatte.  Gezeigt werden Werkzeuge zum markieren der Schafe, medizinische Instrumente und Universalwerkzeuge, die der Schäfer mit sich führte.

Allgemeine Informationen zum Schäfer und speziell dem Thema Gemeindeschäferei, die es bereits schon seit dem 13. Jahrhundert gab, ergänzen die Ausstellung.  Im Gegensatz zum Wanderschäfer war der Gemeindeschäfer an die Gemeinde gebunden und wurde von ihr entlohnt. Vom Frühjahr bis Spätherbst führte er die Schafe der Gemeindemitglieder auf die Weiden und Stoppelfelder der Dorfflur. Zu erfahren ist, dass Bayern auch heute das schafreichste Bundesland ist, allerdings nur noch mit 230 Betrieben, die von Schafhaltung leben können.

Um die Schäferei und den Schäfer ranken sich auch viele Mythen. Als Künstler, Philosoph, Heilkundiger wurde er oft angesehen, aber auch negative Aspekte werden ihm zugesprochen. So galt der Schäfer als Abdecker und des Öfteren auch als schlitzohriger Betrüger und fauler Zeitgenosse, der seine Arbeit im Sitzen oder gar Liegen verrichtet, während die Schafe zum Wiederkäuen ebenfalls ruhten.

Letztlich umfasst die Ausstellung auch die Darstellung des „Guten Hirten“, das seit der Antike ein zentrales Motiv in der christlichen Kunst ist. Der Begriff findet sich in mehreren Bibelstellen und Psalmen wieder. Entsprechende Christusdarstellungen sind in die Ausstellung integriert sowie der Hinweis auf den Schutzpatron der Hirten und Schäfer, den Heiligen Wendelin. Seit dem 18. Jahrhundert war der Schäfer Inbegriff des bescheiden lebenden, aber freien und glücklichen Menschen. An adeligen Höfen wurden romantisierende Schäferspiele mit entsprechenden Kostümen aufgeführt. „Hirteninstrumente“ wie Dudelsack, Flöte und Schalmei kamen vorübergehend in Mode. Nicht fehlen darf in diesem Zusammenhang das Schäferstündchen, das in einer Porzellansammlung dargestellt wird (me)  +++


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