Prof. Norbert Lammert stellte sich den interessierten Fragen der Kinder - Fotos: Erich Gutberlet

FULDA Das wichtigste Kinderrecht? Eltern!

Prof. Norbert Lammert stellt sich in der Kinder-Akademie kniffligen Kinderfragen

03.10.18 - Einen prominenten Besucher und klugen Verfechter der Demokratie hatte sich die Kinder-Akademie Fulda zu ihren aktuellen Workshops in den Herbstferien am Dienstagvormittag eingeladen. Kein geringerer als Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., stellte sich - gewohnt eloquent und versiert - den zahlreichen Fragen der Kinder. "Welches ist für Sie das wichtigste Kinderrecht?", lautete so eine Frage, die durchaus schwer zu beantworten ist. Nahrung? Bildung? Leben? Norbert Lammert schüttelte seine Antwort nicht aus dem "Routine-Ärmel", sondern nahm sich die Zeit zum Nachdenken. "Eltern", lautete schließlich seine Antwort. Er begründete seine Wahl mit dem Unterschied zu den Rechten von Erwachsenen, für die das Recht auf Eltern nicht mehr relevant ist.

Die Leiterin der KAF, Dr. Yvonne ...

Macht es Spaß Politiker zu sein? ...

Wie er sich die Zukunft wünsche und vorstelle, war eine ähnlich komplexe Frage. "Wenn es überall auf der Welt solche Verhältnisse wie bei uns gebe, hätten die Kinder in Afrika und Asien viel bessere Perspektiven als heute", gab Lammert seinen jungen Interviewern zu bedenken und schob noch nach, es sei wünschenswert, dass es bei uns etwas mehr und in diesen Ländern etwas weniger Kinder geben sollte.

Tassilo und Helen Bonzel mit dem ...

Bei keiner Frage wich der 69-jährige Politprofi auf "kindgerechte" und damit platte Antworten aus. So übte er zum Beispiel fundamentale Kritik an der weit verbreiteten Haltung, für alles und jedes den Staat verantwortlich zu machen. "Umso höhere Erwartungen wir in den Staat haben, umso mehr Vitalität - also Kraft - geht verloren. Wir sollten wieder stärker auf unsere eigene Verantwortung setzen", empfahl er. Demokratie im deutschen Bundestag sei "ungewöhnlich wichtig", befand Lammert und berichtete auch freimütig über seine Schulnoten, die "dank der nahtlosen Zusammenarbeit mit meinem mathematisch begabten besten Freund gut waren", von seinen sechs Geschwistern oder seinen ursprünglichen Berufswünschen Fußballspieler und Musiker. Spannend gestaltete er seinen Exkurs über das demokratische Prinzip der Mehrheitsentscheidung. Die sei nämlich nicht alles, erklärte er den Kindern an einem kleinen Beispiel: "Wenn die Mehrheit sagen würde, Donald Trump sei der beste aller US-Präsidenten, würde ich sagen, da bin ich entschieden anderer Meinung, er ist der bisher dümmste", denn das Recht auf freie Meinungsäußerung dürfe nicht durch Mehrheitsmeinungen beschnitten werden. "Das ist wie das Recht, zu heiraten, wen man will. Da können keine Mehrheiten dran rumfummeln, auch Minderheitsrechte gilt es zu schützen!"

Die Kinder hatten ihre Fragen in dem Demokratie-Workshop der Kinder-Akademie Fulda vorbereitet und zeigten keine falsche Schüchternheit vor Lammert. "Wie viele Wählerstimmen haben Sie erhalten?", lautete eine weitere Kinderfrage. "Immer zu wenig", konterte der Ex-Bundestagspräsident schlagfertig, um auszuführen, dass er zehnmal in seinem Wahlkreis Bochum das Direktmandat verfehlt habe, weil das Ruhrgebiet eine traditionelle SPD-Hochburg sei. "Dieses Schicksal teile ich übrigens mit Helmut Kohl, der in Ludwigshafen mit einer Ausnahme 1990 nach der Wende auch den kürzeren gezogen hat." Die Erklärung, warum er dank Zweitstimme dann trotzdem als Abgeordneter in den Bundestag einziehen konnte, lieferte er gleich mit.

Die Schlussfrage bezog sich auf die Glocke, die er als Bundestagspräsident ("das ist so eine Art Klassensprecher für die Abgeordneten") auf dem Pult stehen hatte. Nur ein einziges Mal habe er die benutzt, antwortete Lammert, der sich immer kraft seiner Eloquenz durchzusetzen wusste - eigentlich nur, um auszuprobieren, ob sie funktioniere. (Carla Ihle-Becker)+++


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