Seit einigen Tagen herrschen eisige Temperaturen, viele Seen und Flüsse sind von einer Eisschicht überzogen. Und darauf liegt Schnee. Eine trügerische Idylle, die viele Menschen dazu verleitet, die Eisflächen der Seen zu betreten. Aber genau hier lauert eine große Gefahr! Die DLRG, Bezirk Osthessen-Fulda sowie der Kreisverband Hersfeld-Rotenburg, warnen derzeit in einer gemeinsamen Presseinformation eindringlich vor den Gefahren, die von den Eisflächen ausgehen. „Auch wenn hier in der Region die extreme Kälte die Seen gefrieren lässt, auf denen dann Schnee eine trügerische Sicherheit gibt: Die Eisflächen sollten nicht betreten werden, wenn sie nicht von den Behörden ausdrücklich freigegeben wurden“, erklärt Michael Hohmann, Bezirksleiter in Osthessen-Fulda. Und Andreas Tamme, Technischer Leiter Einsatz aus Bebra ergänzt: „Es ist nicht erkennbar, wie dick die Eisfläche durchgehen ist. Während an einigen Stellen eine Eisstärke von 10 bis 15 Zentimetern vorherrscht, kann gleich daneben durch ungünstige oder warme Strömungen die Eisdicke nicht ausreichen, um eine oder mehrere Personen zu tragen“. Auch aufsteigende Gase oder Luftblasen können die Eisoberfläche deutlich weniger tragbar machen, so dass es zum Einbrechen in das Gewässer kommen kann.
Was dann geschieht, kann dramatisch enden: Eine Person bricht ins Eis ein und wird augenblicklich von eiskaltem Wasser umschlossen. Und die Temperaturen des Wassers liegen dann auch nur knapp über dem Gefrierpunkt. Neben dem Schock über den Einbruch folgen dann Schmerzen auf der Körperoberfläche wie tausend Nadelstiche durch das Wasser. Gleichzeitig saugen sich die Kleider voll Wasser - und wegen der kalten Witterung werden besonders viele Kleidungsstücke getragen. Zusätzlich kann es zu einer vorübergehenden Lähmung der Atemmuskulatur kommen.
Wenn es zum Einbruch in das Eis gekommen ist, muss die Eigensicherung der Helfer an erster Stelle stehen: Das Gewicht der Helfer muss dann auf eine größere Fläche, zum Beispiel mit Leitern oder ähnlichem verteilt werden. Die Helfer sollten sich zudem anseilen, um gegebenenfalls von den an Land stehenden Helfern zurückgezogen werden zu können. „Das müssen auch unsere erfahrenen Wasserretter immer wieder üben, so wie wir das am letzten Sonntag wieder getan haben“, erklärt Andreas Tamme. „Man kann dem Verunglückten auch schwimmfähige Gegenstände zuwerfen, nach Möglichkeit an einer Leine, mit deren Hilfe dann versucht werden kann, die Person herauszuziehen. Aber das gestaltet sich schwierig, weil das Festhalten durch das Eiswasser sehr schwierig wird“, ergänzt Hohmann.
Für denjenigen, der in das Eis eingebrochen ist, gilt es, nach Möglichkeit schnell und zügig, aber nicht panisch zu handeln: Über die Eiskante kann man versuchen, auf möglichst flachem Winkel das Wasser zu verlassen. „Laut rufen ist auf jeden Fall wichtig, aber wildes Winken mit den Armen kann zum Untertauchen führen, und wenn man dann unter die Eisfläche gerät, wird eine Rettung äußerst schwierig“, erklärt Michael Hohmann.
Eisrettung ist für Laien eine sehr schwierige und komplexe Sache, die zudem extrem gefährlich ist. Daher müssen Passanten auf jeden Fall den Notruf über 112 absetzen, um schnellstmöglich Hilfe zu holen. Das gilt auch, wenn die betroffene Person das Wasser nach kürzester Zeit bereits wieder verlassen konnte. Denn durch die nasse Kleidung und die eisigen Temperaturen kann es schnell zu Unterkühlungen oder Erfrierungen kommen.
Eine gute Alternative für alle, die auf den Spaß auf dem Eis nicht verzichten wollen, sind die speziell hergerichteten Eisflächen, wie sie beispielsweise in Fulda derzeit eingerichtet werden (siehe gestrigen EXTRA-Bericht unter http://www.osthessennews.de/beitrag_C.php?id=1160087 ). Unter der Eisfläche sind maximale Wassertiefen, die Erwachsenen höchstens bis zum Knie reichen, ein Untertauchen unter die Eisfläche ist somit nicht möglich. Und somit empfiehlt Michael Hohmann in enger Absprache mit dem Fuldaer Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel die Nutzung dieser Eisflächen. „Denn eine Bewachung der Eisflächen, wie wir das bei den Badeseen im Sommer sicherstellen, kann im Winter nicht sichergestellt werden“, so Hohmann. „Und da es aus unserer Kenntnis in Osthessen keine freigegebenen Eisflächen gibt, sind die Eislaufflächen mehr als eine Empfehlung“.
Bei weiteren Rückfragen stehen Michael Hohmann oder Andreas Tamme gern zur Verfügung. Kontakt kann über die homepages www.bez-osthessen-fulda.dlrg.de oder www.kv-hersfeld-rotenburg.dlrg.de aufgenommen werden. +++