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SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel: "Wohnen ist ein Thema meines Lebens"
22.10.18 - Thorsten Schäfer-Gümbel will hessischer Ministerpräsident werden. „Es geht bei der Landtagswahl um die Zukunft Hessens. Wir müssen die Zentralisierung beenden, bessere Infrastruktur und Arbeitsplätze aufs Land bringen. Nach 19 Jahren CDU-geführter Landesregierung ist klar: „Wer das will, muss SPD wählen“, sagte er am Sonntagnachmittag im „Museum im Vorwerk“ in Ulrichstein.
Die SPD hatte eine eher unkonventionelle Veranstaltung organisiert. Unter dem Titel „Talk mit TSG - persönlich und politisch“ sprachen nicht nur der Spitzenkandidat, sondern auch seine Ehefrau Annette Gümbel über Politik und Privates. Sie verriet den etwa 100 Zuhörern zum Beispiel, dass ein Seminar zu Bismarck die beiden zusammenführte. Susanne Schaab (Schotten), in Schäfer-Gümbels Regierungsteam zuständig für den ländlichen Raum, sprach über die Herausforderungen zum Beispiel im Vogelsbergkreis. So braucht es mehr Polizistinnen und Polizisten, um die Abdeckung auch im ländlichen Raum hinzubekommen. Schäfer-Gümbel sicherte hier eine Verbesserung der Infrastruktur mit je einer Funkstreife pro Revier zu. Aber auch die Gerichte müssten personell aufgestockt werden, um schneller mehr Fälle zu bearbeiten.
Christian Schmidt (Kaulstoß) kritisierte, dass die Hilfe für die enormen Dürreschäden zu spät käme: „Ich weiß nicht wie es mit der Milchviehwirtschaft weitergehen soll." Ende Februar gehe das Futter für seine 150 Milchkühe zu Ende. Das dringend benötige zusätzliche Futter sei inzwischen so teuer geworden, dass er bereits Überlegungen anstelle, Tiere mit schwacher Leistung zu verkaufen. So war der Nachmittag hoch politisch. Schäfer-Gümbel ging etwa mit den Verkehrsproblemen in Hessen ins Gericht: "Der hessische Stau reicht mittlerweile dreimal um die Erde. Das muss sich endlich ändern.“ Er bezeichnete Wohnen als Thema seines Lebens. Die SPD habe das Thema bezahlbarer Wohnungen zur Priorität gemacht. Beengte Wohnverhältnisse in der Kindheit und Jugend hätten aber auch seinen Stil und seinen Umgang geprägt. „Ich streite mich bis heute hart in der Sache, aber nie so, dass persönliche Verletzungen bleiben.“
Beim Thema Pflege forderte er mehr Personal, damit vor allem mehr Zeit da ist für die hilfsbedürftigen Menschen. Das Modell der GemeindeschwesterPlus aus Rheinland-Pfalz wolle er übernehmen, um eine medizinische Versorgung in Absprache mit Ärzten auch in Dörfern und Gemeinden zu gewährleisten. Aus dem Publikum wurde Schäfer-Gümbel nach den Straßenausbaubeiträgen gefragt. Er versicherte, die SPD werde diese komplett streichen und auch die Kommunen insgesamt besser finanzieren.
Prominente Gäste in der Ständerhalle waren Luisa Boos die Generalsekretärin der SPD-Baden-Württemberg, Thomas Schwarze (Wiesbaden), der als Kultusminister vorgesehen ist und Gerhard Merz Gießen) der bei einer möglichen Regierungsübernahme das Ressort «Soziales und Arbeit» übernehmen soll. Für den Wahlkampf hat Hessens SPD auch prominente Unterstützung aus Berlin, aber nicht nur von hoher Politik. Der frühere Basketballprofi Henning Harnisch soll als Sportbeauftragter für die SPD punkten. Er kehrte bis zum Wahltermin am 28. Oktober in seine Heimat zurück. Denn Harnisch stammt aus Oberhessen, spielte in der Bundesliga für Gießen, wo auch SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel herkommt. Eine entscheidende Rolle bei Harnischs Verpflichtung spielte dessen Ehefrau Annette Gümbel. Sie ist Vereinsvorsitzende des TV Lich Basketball. Die Veranstaltung in Ulrichstein schloss mit einem Appell von SPD-Kandidat Swen Bastian: „Gehen Sie Sonntag unbedingt wählen." (gr) +++