Die TVG-Kapelle unter der Leitung von Gerald Bock begeisterte mit ihrer musikalischen Überraschung - Fotos: Gudrun Schmidl

SCHENKLENGSFELD Traditioneller Dorfabend begeistert

66 Jahre Trachten- und Volkstanzgruppe - auf die Schnapszahl einen "Korn"

05.11.18 - Chorsätze, Mundartgedicht, Tanzfolge, Musikstücke und die Geschwaetzer oam Melchbock standen auf dem abwechslungsreichen Programm des traditionellen Dorfabends der Trachten- und Volkstanzgruppe (TVG) Schenklengsfeld am Samstag und Sonntag im jeweils voll besetzten Bürgerhaus.

Die große TVG-Kapelle

Klaus Weimar leitet den TVG-Chor

Mit „Hallo Freunde“ begrüßte die große TVG-Kapelle unter der Leitung von Gerald Bock die Besucher, die ihre Musikalität und ihre Freude am Musizieren im Laufe des Abends noch mehrfach unter Beweis stellte. Zum gut gewählten Repertoire gehörten auch die flotten Stücke  „Beschwingt geht´s los“ und die „Fuchsgrabenpolka“. 

Immer wenn ich traurig bin, trinke ...

Gerald Bock, der Musik und Text der „musikalischen Überraschung“ des Abends komponiert und geschrieben hat, faszinierte außerdem mit seinen „tanzenden Fingern“ in unglaublichem Tempo auf seinem Akkordeon. Spätestens da wusste jeder im Publikum, was ihn und alle musizierenden Männer und Frauen auf der Bühne zu Höchstleistungen antreibt: Musik ist ihr Leben!

Bevor die Schenklengsfelder ihre Tanzfolge mit vier Tänzen, darunter der „Allgäuer Sechser“ unter der Leitung von Werner Henkel zum Besten gaben, wurde gesungen. „Es dunkelt schon in der Heide“, „Lass doch der Jugend ihren Lauf" und nach der Melodie von „Freude schöner Götterfunken“ wurde die Weise mit dem Text eines „unbekannten Verfassers“ von dem TVG-Chor zu Gehör gebracht.

Ein übrig gebliebener SPD-Ballon

Peter Henkel, Ulrike Stang-Bein und Werner ...

Auch in diesem Jahr trafen sich Ulrike Stang-Bein, Peter Henkel und Werner Henkel am Melchbock vor der unverwechselbaren „Foto-Kulisse“ der Linde, um sich über das Dorfgeschehen und Gott und die Welt auszutauschen. Aufreger gab es genug. Zum Beispiel die neuen Sparlampen in der Gemeinde, von denen viel zu viele aufgestellt wurden, damit ordentlich gespart wird. Die blenden so sehr, dass Peter Henkel nur noch mit Sonnenbrille unterwegs ist. Grund zur Sorge macht auch das marode Bürgermeisteramt. Der Bürgermeister und die Bediensteten dürfen sich nicht zu stark bewegen, sonst stürzt das Gebäude zusammen. „Aber das machen die ja eh´ nicht“, mutmaßen die drei am Melchbock und kamen schon zum nächsten Thema. Die neu eröffnete Sparkassenfiliale arbeitet von nun an „papierlos“. „Wie kommen die nur auf dem Klo zurecht?“, fragt sich Peter Henkel.

Regina Claus-Pankow moderierte den Abend charmant ...

Nicht nur die Geschehnisse in der Heimatgemeinde wurden beleuchtet, die Schenklengsfelder schauen auch gern über den Tellerrand. Werner Henkel zum Beispiel hat sich in diesem Jahr den Lollsfestzug angeschaut und ist enttäuscht, denn statt Freude auf den Hessentag zu schüren, stand Spektakel im Vordergrund. Gewummer und Gedröhne tönte von zahlreichen Festwagen, dass es nicht mehr auszuhalten war. Dazwischen Musikkapellen, die nicht gehört wurden. Und dann kam der Festzug auch noch mehrfach und bis zur einer halben Stunde zum Stillstand. Werner Henkel empfiehlt zum Hessentag einen „stehenden Festzug“, an dem die Besucher vorbei laufen.  Auch Feuermeister Klaus Otto muss einen Seitenhieb verkraften. Ihm wird von den Schenklengsfeldern dringend der Besuch eines Kurses „wie verfasse ich einen ordentlichen Reim“ empfohlen. 

Zum Abschluss dieses gelungenen Abends hatten die Sänger, Tänzer und die Kapelle mit der „Bergmannsfolge“, die bereits vor acht Jahren aufgeführt wurde, noch einen ganz besonderen Höhepunkt im Programm. Anlass der Wiederaufnahme ist das Jubiläum „125 Jahre Kalibergbau“, das in diesem Jahr in der gesamten Region gefeiert wird. Unter der Gesamtleitung von Werner Henkel hieß es „Glück auf“ mit Bergmannsliedern aus dem 18. und 19. Jahrhundert wie „Schon wieder tönt vom Schachte her“, „Frisch auf, der Steiger kommt“ oder „Ich fahr in tiefe Schachten ein“. Die Männer begeisterten in Original Bergmannstracht mit dem „Knappentanz“. Alle im Saal erhoben sich, um gemeinsam das Steigerlied zu singen, was das Publikum, aber auch die Protagonisten auf der Bühne sichtlich berührte.

Alle erheben sich beim Singen des Steigerliedes

„Immer wenn ich traurig bin, trinke ich ´nen Korn“, seinerzeit von dem berühmten Komödianten Heinz Ehrhardt geschrieben, gab Werner Henkel als gesungenes Mundartgedicht auf „platt“ zum Besten. Der Abend, der von viel Fröhlichkeit getragen wurde, bot noch mehrmals die Gelegenheit, mit einem Schnäpschen anzustoßen. Vor genau
66 Jahren wurde der TVG Schenklengsfeld von der Lehrerin Brigitte Ruppel gegründet. Bei dem tragischen ICE-Unfall in Eschede vor zwanzig Jahren kam sie ums Leben. Diesem traurigen Anlass angemessen würdigten die Mitglieder die Verstorbene mit einem Lied aus ihrer ostpreußischen Heimat.

Bürgermeister Carl-Christoph Möller versteht Spaß - ...

Alle Mitwirkenden verabschiedeten sich mit dem Chorsatz „S´ ist Feierabend“, das viele im Publikum gern mitsangen. Die große TVG-Kapelle zeigte zum krönenden Abschluss noch einmal die Bandbreite ihres Könnens und stimmte damit auf das anschließende gemütliche Beisammensein ein, zu dem die begeistert klatschenden Besucher herzlich eingeladen wurden. (Gudrun Schmidl) +++


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