Akkreditierung zum Lehrarzt im Projekt Landpartie: Dr. Burkhard Block (links) bildet Medizinstudenten der Goethe-Universität Frankfurt aus. Gisela Ravens-Taeuber (Zweite von links) überreichte die Urkunde, Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt dankte für die Bereitschaft des Hausarztteams, damit für den ländlichen Raum zu werben - Foto: Leoni Rehnert

FULDA Landkreis-Projekt läuft gut

Medizinstudenten auf Landpartie: Lernen beim Hausarzt

12.11.18 -  Das Projekt Landpartie läuft gut: Drei weitere Arztpraxen im Landkreis Fulda sind jetzt als Lehrpraxen der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt akkreditiert worden. Insgesamt sieben Hausarztpraxen im Landkreis Fulda bilden seit dem Jahr 2012 Studierende der Medizin in Blockpraktika aus. „Beide Seiten lernen voneinander“, sagt Dr. Burkhard Block aus Hünfeld, der nun die Akkreditierung bis Ende 2021 erhalten hat. Der Landkreis Fulda, der das Projekt gemeinsam mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Uni entwickelt hat, hofft darauf, dass sich durch den direkten Kontakt Jungmediziner für die Region begeistern – und sich mancher später als Landarzt hier niederlässt. 

Wie können wir Medizinstudenten für das Leben und Arbeiten auf dem Land gewinnen  und damit dem Ärztemangel entgegenwirken? Diese Frage beschäftigt viele Bürger und Kommunalpolitiker in den ländlichen Regionen. Der Landkreis Fulda startete als Antwort darauf im Jahr 2012 mit dem Projekt Landpartie 1.0, das seitdem insgesamt 135 Studierende zur Ausbildung in hiesige Arztpraxen geführt hat. Und die Erweiterung des Konzeptes ist bereits gestartet: Ab Ende des Jahres kommen die ersten Jungmediziner nicht nur zu einem Blockpraktikum in den Kreis Fulda,  sondern absolvieren auch einen Teil des Praktischen Jahres in einer Landarztpraxis.

Zum Kreis der neuen Lehrpraxen gehören Dr. Burkhard Block und seine Kollegin Dr. Tanja Brandenburg. Ihre Gemeinschaftspraxis in Hünfeld ist dieser Tage zertifiziert worden – ebenso wie Dr. Simon Dietrich aus Eichenzell-Welkers und Dr. Bernd Hönscher und Ralph Hönscher in Petersberg. Burkhard Block, der über Umwege nach Hünfeld kam und dort seit zehn Jahren eine Praxis führt, ist gerne Lehrarzt: „Für mich ist es ein Geben und ein Nehmen. Ich finde den Austausch mit Studierenden sehr angenehm. Es ist schön, jungen Menschen etwas zeigen zu können, und auch ich lerne durch diese Zusammenarbeit  etwas dazu – quasi frisches Wissen von der Uni“, sagt er.

Mittlerweile ist das Konzept durch den Landkreis Fulda und das Frankfurter Institut bereits zur Landpartie 2.0 weiterentwickelt worden. In dieser Kooperation mit den Kreisen Fulda, Bergstraße und Hochtaunus geht es um noch intensivere Einblicke der Studierenden in die hausärztliche Medizin. Die ersten 15 Studierenden sind im Frühjahr  2017 im Programm Landpartie 2.0 gestartet, das eine Ergänzung zur medizinischen Ausbildung im stationären Bereich großer Kliniken ist. Konkret heißt das: 15 Studierende hatten sich darum beworben, vom zweiten bis sechsten klinischen Semester regelmäßige Praktika in zertifizierten Hausarztpraxen der drei Landkreise  zu absolvieren. Sie erhalten damit ein Bild des breiten Spektrums der Hausarztmedizin, werden praxisnah ausgebildet und haben bereits früh intensive Patientenkontakte. Die Resonanz  der Studierenden ist gut, aktuell läuft bereits das Auswahlverfahren für die dritte Runde der Landpartie 2.0. 

Das Engagement des Landkreises, der das Landpartie-Konzept mit dem Frankfurter Institut erarbeitet und finanziert hat, ist bundesweit einmalig. Frederik Schmitt nennt es folgerichtig und wichtig: „Grundsätzlich ist die Kassenärztliche Vereinigung in der Pflicht, die ärztliche Versorgung der Versicherten sicherzustellen. Dennoch sehen wir uns ebenfalls in der Verantwortung, und der Landkreis arbeitet daran, langfristig die hausärztliche Versorgung auf dem Land zu erhalten.“  Die Landpartie sei ein wichtiger Baustein neben den Stipendien, die der Landkreis und die Krankenhäuser vergeben, sowie der Möglichkeit für Studierende der Marburger Philipps-Universität,  ihr Medizinstudium künftig in Fulda abzuschließen. „Wir lassen nichts unversucht, um den ländlichen Raum für junge Mediziner attraktiv zu machen“, sagt Frederik Schmitt. (pm)+++


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