Das Hobby zum Beruf zu machen, ist für viele ein Traum. Die Gersfelderin Anne von Rosen hat das geschafft. Die 37Jährige macht als Jockey in den USA überaus erfolgreich Karriere und das als eine der wenigen Frauen in diesem Beruf. In einer absoluten Männerdomäne hat die Tochter von Dr. med. Jürgen Freiherr von Rosen und seiner Frau Marianne insbesondere in den letzten Jahren eine Bilderbuchkarriere erlebt. Auf den großen Rennbahnen der Vereinigten Staaten sammelt „The German Baroness“, wie sie in der amerikanischen Presse gerne genannt wird, einen Sieg nach dem anderen.
Ihr derzeitiges Saisonergebnis toppt alles bisher Dagewesene: 25 Siege sowie 56 Platzierungen auf den ersten drei Plätzen bei 118 Starts – das heißt Anne von Rosen landet bei nahezu jedem zweiten Rennen auf dem Siegerpodest. Zur Zeit lebt Anne von Rosen in Phoenix, Arizona. Nicht in einem Haus sondern in einem Wohnwagen direkt an der Rennstrecke. Ist die Saison im Wüstenstaat zu Ende, fährt sie weiter zur nächsten Rennbahn, im Sommer in den Norden, im Winter in den Süden der USA. Seit 2001 ist Anne von Rosen Jockey in USA; Florida, Louisiana, Texas, Pennsylvania, Süd-Dakota, Minnesota und aktuell Arizona waren bisher die Stationen.
Die Legende „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ erfüllt sich bei Anne aber wohl kaum. Zehn Dollar verdient sie pro Trainingsritt, 40 Dollar pro Rennen. Dazu kommen 10% Siegprämie. Bei einem Rennen mit einem Wert von 9.000 Dollar beispielsweise erhält der Sieger 60%, also 5.400 Dollar. Der Jockey erhält davon 10 %, also 540 Dollar. Davon muss der gesamte Unterhalt, die Kranken-, die Rentenversicherung und eventuell eine Agentur bezahlt werden, die die Interessen des Jockeys bei Trainern, Besitzern und vor dem Kampfgericht vertritt. Die meisten Rennen haben einen Wert von ca. 5.000 bis 9.000 Dollar. Rennen über 20.000 Dollar sind nicht häufig.
Doch die Aussicht auf schnelles Geld war es sicher nicht, was Anne dazu getrieben hat, Jockey zu werden. Die Liebe zu den Pferden ist ihr angeboren. Bereits mit drei Jahren sammelte sie Pferdehaare, weil sie ihrer Meinung nach „so gut rochen“. Aber auch ihr Großvater hatte bereits Pferde gezüchtet; dann fiel das Gestüt den Kriegswirren zum Opfer. Nach der Schulausbildung in der Waldorfschule Loheland bei Fulda und Abitur in Forest Row/England absolvierte sie eine Pferdezuchtausbildung in Bad Homburg. Danach arbeitete Anne von Rosen als Bereiterin für Rennpferde in Epsom/England, Chantilly/Frankreich, Mailand, Rom, Newmarket/England und Warendorf, bevor sie in die USA ging.
Auch der Tagesablauf eines Jockeys zeigt wie viel Liebe man zu Beruf und Tier mitbringen muss: 5 Uhr Aufstehen, ab 6 Uhr Arbeit mit den Pferden (bes. Training), ca. 10 Pferde pro Tag. Nachmittags an fünf Tagen/Wo Rennen (bis zu sieben Rennen pro Nachmittag). Sieben Tage pro Woche, 30 Tage im Monat. Selten ein freier Tag. Spätestens ab 21 Uhr wird geschlafen, weil ein Jockey nicht müde sein darf, da der Beruf viel zu gefährlich ist. Und dennoch passieren Unfälle. Bei Anne von Rosen waren es eine Kniefraktur, Wirbeltrümmerfraktur mit Teilversteifung der Wirbelsäule, Brustbeinfraktur, Rippenfrakturen, sowie eine schwere Gehirnerschütterung mit langwierigem Verlust von Geruch und Geschmack.
Doch weder der harte Alltag noch der unsichere Verdienst und die hohe Gefahr können die Gersfelderin davon abhalten, ihr Leben auf der Rennbahn zu verbringen. Für Familienplanung ist keine Zeit. Und auch eine Rückkehr nach Europa oder gar in die Heimat nach Gersfeld ist bei diesem Beruf so gut wie ausgeschlossen.+++