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Von links: Leiter des Biosphärenzentrums Michael Dohrmann und Organisator Dieter Pelka - Foto: Marion Eckert

OBERELSBACH Kunsthandwerk Drechseln

Neue Ausstellung im Biosphärenzentrum "Haus der Langen Rhön"

09.01.19 - Drechseln ist ein uraltes Handwerk, es wurde schon von den Wikingern betrieben und gilt heute als ein Kunsthandwerk, das beinahe in Vergessenheit geraten ist. Nicht so in der Rhön. Der Rhöner Drechsler-Stammtisch „DDT Drei-Länder-Drechslertreff“, dem Drechsler aus Bayern, Hessen und Thüringen angehören, zeigen in der Sonderausstellung „Durchgedreht“ im Biosphärenzentrum „Haus der Langen Rhön“ welche Bandbreite dieses Handwerk ausmacht. Doch nicht nur fertige Werkstücke werden ausgestellt, auch eine moderne Drechselbank ist zu sehen, sowie Fotos von Drechselwerkzeugen vergangener Epochen.

Die Austellung passe hervorragend in das Biosphärenzentrum „Haus der Langen Rhön“ , betonte dessen Leiter Michael Dohrmann, denn gerade erst im Dezember habe die UNESCO das Drechslerhandwerk zum Immateriellen Kulturerbe in Deutschland erklärt. Damit sei das Drechslerhandwerk auf einer Stufe mit der  Brotbackkunst oder dem Flechthandwerk. Beim Drechseln werden rotierende Werkstücke aus natürlichen Materialien wie Holz mithilfe von Schneidwerkzeugen zu handwerklichen und künstlerischen Objekten veredelt.

Auch Michael Geier, der  Leiter der Bayerischen Biosphärenreservats-Verwaltung ist von der Austellung ganz begeistert, passe doch das Drechsler-Handwerk hervorragend in die Rhön und das Biosphärenreservat. Begeistert zeigte er sich von der ausgestellten Vielfalt und den unterschiedlichen Hölzern. Gerade das Rhöner Laubholz biete eine Fülle an Gestaltungsmöglichkeiten, die unterschiedlichen Zustände des Holzes bezüglich Alter oder auch Pilzbefall lassen faszinierende Kunstgegenstände entstehen. „Absolut faszinierend. Sie sind aber nicht nur etwas für die Augen“, machte Geier deutlich, das die gedrechselten, geschliffenen und lackierten Hölzer auch den Händen schmeicheln. „Es dürfen sich ruhig auch Käufer finden“, warb er für den Kauf der ausgestellten Kunstgegenstände.

Organisiert wurde die Ausstellung von Dieter Pelka aus Bad Neustadt, neben ihm stellen noch weitere Künstler aus: Andreas Scholl aus Bad Neustadt, Günter Göpfert aus Ostheim vor der Rhön, Manfred Kalb aus Kützberg, Herwig Eckart aus Gössenheim, Otmar Kleinhenz aus Langendorf, Robert Spötta aus Leutershausen, Martina Behr aus Wülfershausen, Siegfried Baum aus Ostheim vor der Rhön. So unterschiedlich wie die Künstler, so unterschiedlich sind die gezeigten Werkstücke. Die Palette reicht von  Schalen, Tellern und Vasen über Kerzenständer und Dosen bis hin zu Gewürzmühlen, Teigrollen, Brieföffnern oder Flaschenstöpseln.

Besonders verwies Pelka auf die Kunst des „Passigdrehens“, die Günter Göpfert aus Ostheim meisterhaft beherrscht. Bei dieser Variante, werde das Holz nicht nur außen bearbeitet sondern ausgehöhlt. Durch die Längs- und Querbearbeitung entstehen auch eckige Formen, geschwungene Ornamenten und Hohlformen. Dieter Pelka bedankte sich für die Möglichkeit der Ausstellung im Biosphärenzentrum „Haus der Langen Rhön“, denn der Drei-Länder-Drechslertreff habe es sich zur Aufgabe gemacht, das Drechsler-Handwerk in der Öffentlichkeit im Bewusstsein zu halten. Rund 30 Teilnehmer umfasse der zwanglose Treff, der neben dem Austausch auch häufig praktische Hilfe und Vorführungen in der Werkstatt von Andreas Scholl biete.

Ebenso faszinierend wie dieses Kunsthandwerk sei auch die Geschichte. Seit dem dritten Jahrhundert sei Drechseln in Deutschland nachgewiesen. Doch erst im Mittelalter wurde das Schwungrad erfunden, das eine ständige einseitige Rotation ermöglichte. Später kamen Wasserkraftanlagen mit Transmissionsriemen auf den Markt, doch heute verwenden Drechsler Elektromotoren mit elektronischer Drehzahlregelung. Die Weiterentwicklung des Drechselns seien die heutigen Metalldrehmaschinen in der Industrie.

Wer selbst zuschauen möchte, wie aus einem Stück Holz, das in die Drechselbank eingespannt wird, ein Kunstgegenstand entsteht, der hat dazu am Sonntag, 17. Februar im Rahmen der Rhöner Maskenfastnacht Gelegenheit. Die Sonderausstellung ist bis 18. Februar täglich von 10 bis 16 Uhr (Dienstag geschlossen) zu besichtigen. (me) +++


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