Statt zu flüchten, verstecken sich Rehkitze tief geduckt im Gras - Fotos: Helmut Luft

REGION In diesem Jahr extrem früh

Rehkitze sind jetzt gefährdet - zwei Drohnen aus Spenden finanziert

19.04.19 - Ein weithin unbekanntes Drama spielt sich jedes Frühjahr von neuem ab: über 100.000 Rehkitze, die normalerweise zwischen Mai und Juni geboren werden, fallen beim Mähen einem verhängnisvollen Instinkt zum Opfer. Die Jungtiere haben noch keinen Fluchtinstinkt, sondern verstecken sich im Gras und warten dort still und bewegungslos auf die Rückkehr ihrer Mutter. Das hat die Natur zwar gut eingerichtet, wenn es um Schutz vor tierischen Jägern geht, gegen die Mähmaschinen der Landwirte ist diese Strategie aber leider völlig unwirksam. Deshalb kommt es zwangsläufig immer wieder zu verstümmelten oder toten Tieren. Menschen, die in der Natur zuhause sind, ist das Thema Kitzrettung seit langem vertraut, und viele helfen inzwischen aktiv dabei, die Bambi-Babies zu retten.

Während die Kitze normalerweise zwischen Mai und Juni auf die Welt kommen, hat ein Landwirt in Schlechtenwegen zwei der niedlichen Tierkinder bereits Anfang April entdeckt. Er meint, die Natur habe in diesem Jahr beim Wildnachwuchs wohl einen Turbogang eingelegt und möchte seine Kollegen deshalb warnen, beim Mähen ihrer Wiesen ganz besonders aufmerksam zu sein, um die Kitze nicht zu gefährden: "Die Kitze auf den Bilder sind bereits am 1. April in Frischborn gesetzt worden - und das ist kein April-Scherz. Da dieser Zeitpunkt außergewöhnlich früh ist, ist es ratsam, Landwirte darüber zu informieren. Da in den nächsten Tagen der erste Gründlandschnitt ansteht und die wenigsten Betriebe mit Rehkitzen rechnen."

Flatterbänder helfen, die Tiere zu verscheuchen Fotos: Barbara Bausch

Helfer suchen eine Wiese nach Liegeflächen ...

Hans-Ulrich Weidner, Vorsitzender der Jägervereinigung Lauterbach e. V. engagiert sich mit vielen Helfern seit Jahren für das Projekt Kitzrettung. Um die Tiere aus den Wiesen zu vertreiben, werden Flatterbänder aufgestellt, die Wiesen mit Hunden abgesucht und für kurzfristig für Lärm gesorgt. So konnten letztes Jahr auf insgesamt 1.500 Hektar Nutzfläche im Landkreis Vogelsberg und Fulda von Mai bis Juni 297 Rehkitze vor dem sicheren Tod durch Mähmaschinen gerettet werden, vor allem durch den Einsatz Drohnen-gesteuerter Wärmebildkameras.

Sparkassen-Crowdfunding: 5.565 Euro für „Kitzrettung-Hilfe“ gesammelt
 

Die Initiative „Kitzrettung-Hilfe“ hat mit seinem ...Foto: Sparkasse Oberhessen

Die Initiative „Kitzrettung-Hilfe“ hat nun ein wichtiges Ziel erreicht: Mit einem Spendenaufruf über das regionale Crowdfunding-Portal der Sparkasse Oberhessen – www.gut-fuer-oberhessen.de – wurden 5.565 Euro für zwei Drohnen mitsamt Wärmebildkamera gesammelt. Mit den Geräten werden die Jungtiere zuverlässig vor der Heuernte gefunden und in Sicherheit gebracht. Die Tierschützer sind von der großen Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung überwältigt.

Hilfe aus der Luft

Wärmebildkameras sehen, was das menschliche Auge nicht sieht. Solche Kameras sind das derzeit zuverlässigste Hilfsmittel, um schnell, zu jeder Zeit und mit wenig personellem Aufwand in der Wiese liegende Tiere aufzuspüren und in Sicherheit zu bringen. Auch Landrat Manfred Görig hat für die Initiative gespendet und lobt die fliegenden Helfer: „Eine sehr unterstützenswerte Sache. Dank modernster Technik kann auf einem einfachen Weg Leben gerettet werden.“ Etwa 4.000 Euro kostet ein solcher Multikopter inklusive einer Wärmebildkamera. 1.000 Euro Spende hatte die Sparkasse Oberhessen dem Team bereits versprochen – fehlten noch 3.000 Euro.

Tierretter überwältigt: Dank an Presse, Radio und allen Spendern!

Für diese Summe hatten die Kitzretter auf der Sparkassen-Spendenplattform „gut-fuer-oberhessen.de“ die Bevölkerung um Hilfe gebeten. Auch die regionale Presse und das Radio berichteten über die Sammelaktion. 116 Menschen haben daraufhin für das Projekt gespendet – manche mit 1, 2 oder 10 Euro, andere mit mehreren hundert Euro. Insgesamt 5.565 Euro sind zusammengekommen. „Die Zeitungen, die regionalen Presseportale und der Hessische Rundfunk haben dafür gesorgt, dass viele von unserem Aufruf erfuhren. Daraufhin haben uns die Menschen geholfen - vielen Dank dafür! Wir sind überwältigt. Wegen der großen Resonanz können wir nun zwei Drohen kaufen“, zeigt sich Barbara Bausch vom Tier- und Naturschutz Unterer Vogelsberg e. V. gerührt. Den Restbetrag von 1.500 Euro wollen die beiden Vereine selbst aufbringen.

Spendenplattform kostenlos für gemeinnützige Projekte

Auf der Plattform „Gut-fuer-oberhessen.de“ können eingetragene Vereine und gemeinnützige Organisationen um Spenden für ihre Projekte werben. Wer eine Idee unterstützen möchte, kann direkt und bequem online spenden. Das Geld wird auf einem Treuhandkonto gesammelt und an den Projektträger überwiesen, wenn das Spendenziel erreicht wurde. Andernfalls erhalten die Spender ihr Geld zurück. Im September 2017 hatte die Sparkasse Oberhessen die Seite ins Leben gerufen. Seither wurden bereits 15 Projekte erfolgreich finanziert, insgesamt gingen auf der Plattform über 35.500 Euro Spenden ein.+++(pm/Carla Ihle-Becker) +++


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