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Die Frauen trotzten dem Schneewetter. - Fotos: Dieter Graulich

ULRICHSTEIN Dekanatsfrauentag

150 Teilnehmer: Eine Kräuterwanderung der ganz besonderes Art

Das Dekanat „Büdinger Land“ mit 79 Kirchengemeinden und rund 61.000 Mitgliedern, ist eines der größten Dekanate in der Landeskirche Hessen-Nassau. Es erstreckt sich von Bobenhausen II., Ulrichstein und Feldkrücken im Norden über Volkartshain und Burgbracht im Osten, Langenbergheim und Eckhartshausen im Süden bis hin nach Echzell und Gettenau im Westen.

06.05.19 - Eine Kräuterwanderung der besonderen Art erlebten am Wochenende 150 Teilnehmerinnen des Dekanatsfrauentages des Dekanats Büdinger Land mit dem Motto: „Frauen auf historischem Weg, zu uraltem Gestein, alten Geschichten und jungen Wildkräutern!“ im Ulrichsteiner Stadtteil Feldkrücken. Bedingt durch starken Schneefall am Samstagmorgen und der damit verbundenen geschlossenen Schneedecke am Mittag hieß es für die Veranstalter Umplanen und so entschloss man sich kurzerhand die Kräuterwanderung in den Saal des Dorfgemeinschaftshauses zu verlegen. Die Kräuter hatte der Referent Ingo Appel vorsorglich schon am Vortag gesammelt und so vermittelte er mittels Beamer und den Original Kräutern den Teilnehmerinnen die Bedeutung und Wirkung der heimischen Wildkräuter. Er bedauerte, dass das Wissen darüber in der letzten Zeit leider verloren gegangen sei.

„Sie haben wertvolle Inhaltsstoffe und schmecken auch noch gut“, so Ingo Appel. Er empfahl sie im heimischen Garten anzupflanzen, denn dann könne man sie frisch als Würzmittel und später getrocknet für Tee verwenden. So sei die Brennnessel die „Königin der Heilkräuter“, sie helfe bei Harn-, Nieren- und Gelenkleiden“. Gänseblümchenblüten schmeckten gut als Belag auf Butterbrot und die frisch zerstoßenen Blätter und Blüten eigneten sich zur Wundbehandlung sowie bei Quetschungen und Verstauchungen. Der leicht säuerliche Sauerampfer stärke das Immunsystem, enthalte reichlich Vitamin C sowie Eisen und sei blutreinigend. Alle Teilnehmerinnen erhielten während dem Vortrag ein sehr schmackhaftes Kräuterplätzchen. Am Ende der Veranstaltung gab es für alle noch ein „Mitgebsel“ mit einer Körnermischung die Wildkräutersamen enthielt. Die Leinensäckchen waren von Frau Ladner (Götzen) gefertigt worden.

Gesundheitstipps von Ingo Appel

Auch ein weiterer Teil der Veranstaltung wurde in das DGH verlegt, die Informationen über die Schleuningsteine. Eine Felsformation die 1921 von dem ehemaligen Bürgermeister Wilhelm Schleuning dem Vogelsberger Höhenclub (VHC) geschenkt wurde. Bei den Einheimischen heißt die Felsformation aber auch immer noch, beim Stoa (Stein), vierm Stoa oder hinnerm Stoa.

Mit archäologischen Sensationen kann die Gegend nicht aufwarten, aber mit kleineren Gegenständen die durch menschliche Bearbeitung ihre Form erhielten. In Form von Scherben und anderem wiesen sie auf keltische Besiedlungen hin, zumal  im benachbarten  Weiler Langwasser noch Überreste eines kleineren keltischen Opidums/Befestigung in Form von Wallanlagen zu erkennen sind. Dies und noch andere Funde wie ein keltischer Brunnen bei den Sigmundshäuser Höfen wurden von Karl  Brodhäcker dokumentiert. Frau Seim ging auch noch auf die klimatischen Verhältnisse von Feldkrücken ein und meinte humorvoll dass man froh war, wenn man bei Verwandten oder Bekannten wenigstens die Zwetschgen für die Zwetschgenhoink, auch Ladwerg genannt, bekommen konnte: „Es fehlte halt durchweg die Zeit, die Zwetschgen in Feldkrücken zu wenden, damit sie von allen Seiten Sonne bekamen“. Inzwischen habe sich das Klima verändert und man hoffe in unser aller Interesse, dass der Vogelsberg in Zukunft wieder genug Niederschläge bekommt, damit sich der Grundwasserspiegel erholen könne. Reichlich Kaffee und Kuchen, darunter auch Kuchen mit Stiefmütterchenblättern und Petersilienkuchen, Kräuteraufstriche und Brennnesselbrot, gab es im Anschluss an die beiden hochinteressanten Vorträge.

Da sich das Wetter inzwischen gebessert hatte, wanderte ein Großteil der Frauen noch zu den Schleuningsteinen. Für die Nichtwanderer gab es eine Kirchenführung. Die Kirche war auch abschließend Treffpunkt aller Frauen. Hier gab es ein Anspiel zur Sage von Feldkrücken. Diese erzählt, dass die ehemalige Gemeinde Feldkrücken zwischen Ermenrod, Ruppertenrod und Elpenrod (früherer Kreis Alsfeld) gelegen habe. Dort sollen noch deutliche Spuren einer ehemaligen Siedlung zu sehen sein. Die Gemeinde wurde einst von einer schrecklichen Pest heimgesucht, viele erlagen der schlimmen Krankheit. Da kam ein Vogel geflogen und sang: "Trinkt Binnbanell und Baldrian, dann sterbt ihr net, kommt bald davon."

Die Einwohner folgten dem Rat des Vogels und die Pest wich bald. Es wollte jedoch niemand mehr an der unheilvollen Stätte weilen. Deshalb zogen sie weg und gründeten zwischen Ulrichstein und Schotten das heutige Feldkrücken. Drei Familien blieben in der alten Heimat zurück. Anhand der Urkunden lässt sich nachweisen, dass zwischen den drei Dörfern Ruppertenrod, Hainbach und Elpenrod ein Dorf Feldkrücken gelegen hat, das noch Mitte des 14. Jahrhunderts bestand, jedoch schon 1466 Wüstung war. Nach dem Anspiel der Sage hielt Christa Hofmann eine Andacht bei der sie von Marion Appel, der „Keernfrau“ (Hebamme aus dem Anspiel) diverse Wildkräuter gereicht bekam. Diese wurden von Christa Hofmann mit verschiedenen Charakteren  (Menschengruppen) in der Gemeinde verglichen. Zur musikalischen Umrahmung wurden vom Weltgebetstags-Team zwei Lieder zusätzlich gesungen.

Der Dekanatsfrauentag war von der Vorsitzenden Beate Harbich-Schönert eröffnet worden. Sie dankte vorab dem Organisationsteam um Marion und Ingo Appel für die Mühe und Arbeit bei der Vorbereitung. Pfarrerin Silvia Heuermann sprach danach den Reisesegen aus und mit dem gemeinsam gesungenen Lied: „Wir öffnen unser Herz“ hatte die Veranstaltung begonnen. (gr) +++


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