Henning und Mauritz Küchler aus Braidbach freuen sich, dass sie von der Kreishandwerkschaft mit einem Fahrzeug unterstützt werden, um zur Berufsschule und Ausbildungsbetrieb zu gelangen. - Fotos: Marion Eckert

BISCHOFSHEIM/ RHÖN Mehr Flexibilität

Fahrzeug an Auszubildende übergeben

09.09.19 - Ein unzureichender öffentlicher Personennahverkehr im ländlichen Raum macht es minderjährigen Auszubildenden schwer den Ausbildungsbetrieb und die Schule zu erreichen. Dieses Thema wurde beim diesjährigen Handwerkertreffen auf dem Kreuzberg im März ausführlich diskutiert.

Damals wurde festgestellt, dass der öffentliche Personennahverkehr häufig entweder überhaupt nicht oder zu gänzlich unpassenden Zeiten zur Verfügung stehe, sodass die jungen Leute eine schier endlose Odyssee auf mit zig mal umsteigen auf sich nehmen müssten, um beispielsweise aus der Rhön in die Berufsschule nach Bad Kissingen zu kommen. Das seien auch keine Strecken, die zu Fuß zurück gelegt werden können, wie gerne einmal die „gute alte Zeit“ heraufbeschworen werde, als junge Leute noch zu Fuß zur Arbeit gingen.

Eine Lösung wäre der vorgezogene Führerschein, mit Sondergenehmigung um zur Schule und zum Ausbildungsbetrieb zu fahren. Viele Jahre sei dies eine gute Lösung gewesen, die vielen jungen Leuten entgegen kam, doch durch übereifriges Reglementieren so stark eingeschränkt wurde, dass sie heute keine Alternative mehr darstelle.

Übergabe des Renault Twizy an die ...

Beim Handwerkertreffen wurde die Idee geboren, dass Auszubildende mit einem vierrädrigen Leichtkraftrad, für das nur ein Moped-Führerschein nötig sei, zu Schule und Arbeit fahren könnten. Die Handwerksbetriebe beziehungsweise die Handwerkskammer könne solche Fahrzeuge über Sponsoring zur Verfügung stellen. Diese Idee wurde von der Handwerkskammer Rhön-Grabfeld aufgegriffen. Kreishandwerksmeister Bruno Werner und sein Stellvertreter Klaus Engelmann haben gemeinsam mit dem Geschäftsführer Heinz Tüchert einen Renault Twizy angeschafft, der genau den Anforderungen entspricht, die sie sich vorgestellt haben. Das vierrädige Leichtkraftrad ist ein Zweisitzer und mit einem Elektroantrieb versehen. Übergeben wurde das Fahrzeug an den 17-jährigen Henning Küchler und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Mauritz, die beide eine Ausbildung zum Schreiner beginnen und nun gemeinsam in die Berufsschule nach Bad Kissingen sowie in ihren Ausbildungsbetrieb fahren können. Denn von ihrem Heimatort Braidbach aus wäre es nur mit großen Aufwand möglich täglich mit dem Bus nach Bad Kissingen zu fahren.

Um 5.20 Uhr müssten sie los und dreimal umsteigen, um um 8 Uhr in der Schule zu sein. Zwei Stunden und 40 Minuten wären sie morgens und abends unterwegs. Mit dem  Renault Twizy werden sie deutlich schneller unterwegs sein, auch wenn sie nur 45 Stundenkilometer fahren dürfen.

Die Kreishandwerkerschaft hat das Fahrzeug angeschafft und stellt es den Auszubildenden zur Verfügung bis Henning Küchler im nächsten Jahr seinen Pkw-Führerschein haben wird.  Dann könne ein anderer Auszubildender dieses Fahrzeug bekommen, erklärte Bruno Werner. Die Kreishandwerkerschaft Rhön-Grabfeld möchte mit dieser Aktion zeigen, dass es möglich sei junge Auszubildende zu unterstützen, was aber auch im eigenen Interesse sei, um Fachkräfte auszubilden und damit die Zukunftsfähigkeit des eigenen Betriebes zu sichern. Daher war auch der Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken  Walter Heußlein  eigenes nach Unterweißenbrunn gekommen, um der Kreishandwerkerschaft Rhön-Grabfeld zu ihrem innovativen Engagement zu gratulieren. Den jungen Auszubildenden wurden viele gute Wünsche mit auf den Weg gegeben, für ihre Ausbildung, aber auch für unfall- und pannenfreie Fahrten. (me) +++


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