Dass Singen wirklich beglückt, war leicht zu sehen im Café Wunderbar - Fotos: Rolf Fischer

FULDA "Singen macht glücklich!"

"Atemlos über den Wolken" - Tag der psychischen Gesundheit im Café Wunderbar

10.10.19 - "Manchmal bin ich schon am Morgen müd und dann such ich Trost in einem Lied". Diese Textzeile können wohl die meisten von uns unterschreiben. Voller Inbrunst singen an diesem Vormittag auch die rund hundert Gäste im Café Wunderbar in der Fuldaer Heinrichstraße diese Strophe mit. Den Text können alle, denn es gibt ihn per Beamer an die Wand geworfen. "Über sieben Brücken" geht es "Atemlos" weiter ganz nach oben: auch "Über den Wolken" wird laut und sicher intoniert. Immer wieder geht die Tür auf, neue Gäste stoßen dazu und werden freundlich begrüßt. Man rückt noch ein bisschen mehr zusammen.

Zum heutigen Internationalen Tag der seelischen Gesundheit hat die Diakonie, die das Café Wunderbar betreibt, zur inklusiven Mitmachaktion „Singen macht glücklich“ eingeladen. Das trifft offenbar einen Nerv, denn mit so vielen aktiven Sängern haben die Veranstalter nicht gerechnet. Hildburg Hopf begrüßt die Gäste und erklärt, was mittlerweile wissenschaftlich erwiesen ist: schon eine halbe Stunde Singen macht nachweilich gesünder, stärkt das Immunsystem, bringt Herz und Kreislauf auf Trab, der ganze Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt. Fast noch wichtiger ist die Wirkung auf die Seele: "Versuchen Sie mal, mit hocherhobenem Haupt und gefülltem Brustkorb Angst zu haben", zitiert sie den Neurobiologen Prof. Gerald Hüther. Und genau diese angstlösende Wirkung des Singens kann man auch beim vielstimmigen Chor der Sängerinnen und Sängern im Café Wunderbar beobachten. Die Stimmung steigt mit jedem Lied, Mitarbeiterin Sabine Seitz entfaltet am Mikro ein wahres Showtalent und steckt auch die zunächst Schüchternen mit ihrer guten Laune an.

Psychische Krisen können jeden treffen

Diakonie-Mitarbeiterin Sabine Seitz brachte alle zum ...

Es ist fast eine Binsenweisheit: eine psychische Erkrankung kann jede und jeden treffen. Nach einer Untersuchung des renommierten Robert-Koch-Instituts erleidet jeder dritte Deutsche mindestens einmal im Leben eine psychische Erkrankung – und bei zehn Prozent der Betroffenen bleibt sie chronisch. Seelischen Krankheiten sind die vierthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, rund zehn Prozent der Fehltage bei Berufstätigen gehen auf Erkrankungen der Psyche zurück. In der Konsequenz kapseln sich viele seelisch Kranke ab und nicht wenige werden von irritierten Mitmenschen gemieden oder gar stigmatisiert. Ob und wie schnell er oder sie dann wieder gesund wird, hängt nicht nur von professioneller Hilfe ab, sondern auch vom sozialen Umfeld. Gehen die Angehörigen und Bekannten verständnisvoll mit der erkrankten Person um oder reagieren sie mit Ablehnung? Das Diakoniezentrum Fulda setzt sich seit Jahren erfolgreich dafür ein, Menschen mit seelischer Erkrankung aus ihrer Selbstisolation zu holen, ihnen Förderangebote und Kontakte zu vermitteln und ihnen den Alltag zu erleichtern.

Weltweit soll am Tag der seelischen Gesundheit ein Zeichen gegen Vorurteile und Stigmatisierung psychischer Erkrankung gesetzt werden. Ziel der Initiativen ist es, über psychische Krankheiten aufzuklären, Hilfs- und Therapieangebote aufzuzeigen und die Diskussion und das Verständnis für diese Erkrankungen anzuregen. Menschen in einer seelischen Krise und psychisch Kranke sollen gesellschaftliche Akzeptanz erfahren und sich trauen, ihre Probleme offen zu benennen, um kompetente Hilfe zu bekommen. In vier Tagesstätten für psychisch erkrankte Menschen mit rund hundert Klienten sowie einem Betreuten Wohnen gehen die Experten der Diakonie auf die Bedürfnisse seelisch erkrankter Menschen ein, bietet den Betroffenen Unterstützung bei der Tagesstrukturierung und Freizeitgestaltung.

Im Café Wunderbar klappt das Singen mit jedem neuen Lied besser, die Atmosphäre ist gelöst, manch zuerst verschlossenes Gesicht strahlt zufrieden. Die Tür geht auf und der vollbeladene Paketbote bahnt sich einen Weg durch die Menge zur Theke. Beim Rausgehen schwingt er die Hüften und singt mit: "... aber einmal auch der helle Schein". (Carla Ihle-Becker)+++


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