Die Junior Ranger aus Hilders setzten mit ihrem Betreuer Harald Vonderau und Ranger Joachim Walter (rechts) rund 600 Edelkrebse in den Brandbach. - Fotos: Carolin Müller

GERSFELD (RHÖN) Mehr als 6.000 Tiere umgesetzt

Junior Ranger helfen mit: Edelkrebse ziehen ins Rhöner Fließgewässer

02.11.19 - So ein Umzug geschieht nicht alle Tage: Insgesamt 6.122 Edelkrebse aus den Wohrateichen bei Haina (Kloster) im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg sind von Ranger Joachim Walter und ehrenamtlichen Helfern in Rhöner Fließgewässer umgesetzt worden. Auch die Junior Ranger aus Hilders haben mit angepackt: Dank ihnen haben rund 600 Edelkrebse ein neues Zuhause im Brandbach gefunden.

Die Junior Ranger aus Hilders setzten ...

Die beiden Wohrateiche im gleichnamigen Naturschutzgebiet sollen saniert werden. Für die zahlreichen Lebewesen in den Stauteichen, beispielsweise Fische, Muscheln, Krebse, musste daher eine Umsetzungsmöglichkeit gefunden werden. „Das mit der Umsetzung beauftragte Büro hat sich an uns gewendet. Zusammen haben wir eine Lösung für die Edelkrebse aus den Teichen erarbeitet“, sagt Joachim Walter, Ranger im UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Mit Edelkrebsen kennt er sich aus: Zwischen 2004 und 2011 liefen im hessischen Teil des Biosphärenreservats umfangreiche Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederansiedelung der bedrohten Art. Der Deutsche Edelkrebs, auch Europäischer Flusskrebs genannt, war einst in fast allen Bächen, Flüssen und Seen Europas verbreitet – auch in der Rhön. Gewässerverunreinigungen und -ausbau, vor allem aber amerikanische Krebsarten, die für heimische Arten tödliche Krankheiten übertragen, brachten den Edelkrebs an den Rand des Aussterbens. Mithilfe des Arbeitskreises Rhöner Fließgewässer wurden daher von 2005 bis 2011 in zwölf Gewässern in der hessischen Rhön jedes Jahr rund 5.000 Jungkrebse ausgesetzt. Mit Erfolg: „Der Bestand hat sich stabilisiert. Wir hoffen, dass das künftig auch ohne weiteren Besatz so bleibt“, sagt Joachim Walter. Der aktuelle Besatz mit den Krebsen aus den Wohrateichen sei eine Ausnahme. 

Lagebesprechung vor dem Einsatz: Ranger ...

Der Edelkrebs ist dank des Projekts ...

Zunächst wurden die Edelkrebse in den beiden Stauteichen von der Bürogemeinschaft für fisch- und gewässerökologische Studien (BfS) Marburg mithilfe von Reusen abgefangen. „Die Hälterungen sind groß und mit Wohnröhren ausgestattet, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen können“, erklärt Dirk Hübner von der BfS. Da es sich um die Räumung eines Naturschutzgebiets handelte, mussten die Tiere nach der Bundesartenschutzrichtlinie entfernt werden, die unter anderem eine strenge Hygiene vorschreibt. Am Ende waren es genau 6.122 Edelkrebse, die aus den Stauteichen abgefangen und in die Rhön gebracht wurden. Fünf Tage lang waren Joachim Walter und Ehrenamtliche aus dem Arbeitskreis dann unterwegs und verteilten die Tiere in fast allen Gewässern, die bereits vor einigen Jahren im Rahmen des Edelkrebs-Projekts besetzt worden waren. Die Junior-Ranger-Gruppe aus Hilders und ihr Betreuer Harald Vonderau halfen in Brand am Fuße der Wasserkuppe mit. Dort setzten sie mit Joachim Walter rund 600 Krebse in den Brandbach. Der Einsatz sei auch eine Chance gewesen, die Kinder für den Artenschutz zu sensibilisieren, erklärt Walter: „Vielen ist nicht bewusst, welche fatale Folgen es haben kann, wenn Tiere aus dem Aquarium im Wohnzimmer einfach in der Natur ausgesetzt werden.“ Mit den ausgesetzten Haustieren würden Krankheiten in die Rhöner Gewässer gelangen. Der Ranger appelliert an Besitzer von Fischen, Krebsen oder anderen Wassertieren, diese auf keinen Fall auszusetzen, sondern an Tierhandlungen zurückzugeben.

Hintergrund

Nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutz- und des Hessischen Fischereigesetzes ist das Aussetzen gebietsfremder Krebse in der freien Natur verboten und kann mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren geahndet werden. „Nicht heimische Krebsarten, aber auch exotische Reptilien, Goldfische und Aquarienpflanzen, die in freie Gewässer ausgesetzt werden, stellen eine zunehmende Gefährdung für das ökologische Gleichgewicht dar“, schreibt das Regierungspräsidium Gießen. Heimische Arten dürfen nur mit Berechtigung ausgesetzt werden. (pm) +++


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