Die 60 plus Mitglieder hörten sich den neuesten Waldzustandsbericht an - Fotos: Dieter Graulich

VOGELSBERGKREIS Neuester Waldzustandsbericht

"Die Fichte wird in den Wäldern des Vogelsberges nicht zu halten sein"

22.11.19 - Die Mitglieder der SPD Arbeitsgemeinschaft (AG) 60 plus hatten zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Situation des Waldes im Vogelsberg“ in das Gasthaus „Burg-Post“ in Schloss Eisenbach eingeladen. Und es hatte sich gelohnt, denn sie erhielten als Erste den Inhalt einer Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zur Kenntnis, die erst wenige Minuten zuvor freigegeben worden war.

Hans-Jürgen Rupp, Leiter des Hessischen Forstamtes ...

Jürgen Adam, vom Vorstandsteam der AG 60 plus, begrüßte dazu Hans-Jürgen Rupp, Leiter des Hessischen Forstamtes Romrod, der auch gleichzeitig Vorsitzender des SDW Kreisverbandes ist, der deren Inhalt erläutert. So habe SDW-Landesvorsitzender Bernhard Klug in Eppstein bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes kommentiert: „Was in unseren heimischen Wäldern abläuft ist eine absolute Katastrophe. Wir haben mit schlechten Zahlen gerechnet, doch dass die Kronenverlichtung den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung ausweist, ist extrem dramatisch und fordert die gesamte Gesellschaft zum Handeln heraus.“

Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1983 begleitet die SDW die Waldzustandserhebung. Doch noch seien die Werte so gravierend schlecht gewesen wie in diesem Jahr. Die starken Schäden bei Fichte und auch bei der heimischen, „hessischen“ Baumart Buche seien extrem gestiegen. Geradezu explodiert ist die Absterberate aller Bäume, die sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verachtfacht hat. Für die SDW liegen die Ursachen der Entwicklung fast vollständig beim gravierend davon schreitenden Klimawandel. Stürme wie Friederike im Januar 2018 hätten großflächig Nadelholzbestände geworfen und Wälder angerissen. Die extrem trockenen Sommer 2018 und 2019 hätten dann nicht nur für eine schlechte Wasserversorgung der Bäume gesorgt sondern auch die massenhafte Vermehrung der Borkenkäfer außergewöhnlich begünstigt. Derzeit vermehrten sich die Borkenkäfer dreimal im Jahr. Dies sei mit ein Grund dafür, dass sich die Fichte im Forstamt Romrod auf Dauer nicht mehr halten könne. Die Ursache im Handeln der jetzigen Forstleute zu sehen, halte die SDW für falsch, da bereits seit mehr als 30 Jahren in ganz Hessen mit umfangreichen Waldumbauprogrammen begonnen worden war.

Forstamtsleiter Rupp bekräftigte diese Aussage und wies darauf hin, dass im Vogelsberg bereits Mischwald mit mehreren Klimabeständigen Baumsorten angepflanzt werde. Rupp begrüßte auch die Forderung nach einem „Sofortprogramm zur Rettung der Hessischen Wälder“. Dieses Programm müsse insbesondere Maßnahmen wie, Umfangreiche Personalaufstockung bei HessenForst und allen öffentlichen Forstverwaltungen und nicht nur ein Stopp des Personalabbaus. Zur Entlastung durch die Übernahme von reinen Verwaltungsaufgaben, müsse eine Vorübergehende Umsetzung von Beamten und Angestellten der öffentlichen Verwaltungen zur Unterstützung des Landesbetriebes HessenForst erfolgen. Als Beispiel nannte er, dass sich seit 1990 die Flächen der Förstereien verdreifacht hätten, die Anzahl der Förster jedoch halbiert worden sei.

Wichtig sei zudem eine Aufarbeitung der mit Borkenkäfer befallenen Waldbestände durch Forstunternehmer und die Auflegung eines Sofortprogramms für die Wiederaufforstung aller kahl gefallenen Waldflächen. Begrüßenswert sei auch die Reaktivierung von Pflanzgärten bei den Revierförstereien zur Bereitstellung von ausreichendem Pflanzgut und die Begründung artenreicher Wälder. Hierbei sollte die Nutzung von Naturverjüngung und Verpflanzung von Naturverjüngung auf Katastrophenflächen Vorrang haben.

Dringend erforderlich sei auch ein sofortiger Stopp aller Eingriffe in den Wald und ein umfangreiches Moratorium für Waldrodungen. Für den Wald sollte auch ein umfangreiches Regenrückhalteprogramm erstellt werden und die Prüfung aller bestehenden Wassergewinnungsanlagen im Wald und in Waldnähe sowie eine Verbrauchsnahe Wassergewinnung außerhalb von Wäldern erfolgen. An Problemstandorten sei die Anhebung des Grundwasserspiegels unabdingbar.

Diese ganze Problematik treffe inhaltlich voll auf den Vogelsberg zu, denn der sei in den letzten 35 Jahren in den Wäldern von allen Katastrophen heimgesucht worden. Die gut besuchte Veranstaltung endete mit einer regen Diskussion. (gr) +++


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