Dr. Christa Larsen beim Regionalforum im Gemeindezentrum Neuhof - Fotos: Marius Auth

NEUHOF Experten im Gemeindezentrum

Regionalforum: Im Jahr 2024 fehlen mehr als 10.000 Arbeitskräfte im Landkreis

26.11.19 - Der Fachkräftemangel beschäftigt weiterhin die Region: Im Jahr 2024 werden die geburtenstarken Jahrgänge im Ruhestand sein - selbst wenn alle Schulabgänger der Region jetzt eine duale Ausbildung starten würden, könnten nicht alle offenen Ausbildungsstellen besetzt werden. Am Montag referierten im Neuhofer Gemeindezentrum Experten, was Unternehmen tun können, um gegenzusteuern.

Auf 2.750 Ausbildungsstellen kommen im Landkreis Fulda nur 1.500 Bewerber, da werden selbst die Geburtenzahlen für die Zukunftsplanung herangezogen: "2012 wurden im Landkreis nur 1.700 Kinder geboren, jetzt sind es glücklicherweise wieder 2.100. Bis aber die Kinder von 2012 auf dem Ausbildungsmarkt angekommen sind, dauert es noch bis 2028 oder 2030. Bis dahin gehen die Zahlen bei uns nach unten. Deswegen muss beim Thema Arbeitskräfte aktiv in Quellregionen mit Potenzial rekrutiert werden", erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt. Automatisierung und Rationalisierung im Zuge der Digitalisierung würden das Problem der Fachkräfteentwicklung nur minimal positiv beeinflussen, warnte auch Dr. Christian Gebhardt, Präsident der IHK Fulda.

Im Gemeindezentrum Neuhof

Von links: Stefan Schunck, Dr. Christian ...

Anke Schlosser, Roland Frormann

Von links: Karim Khakzar, Christoph Burkard

Christoph Burkard, Geschäftsführer Region Fulda Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, ...

Von links: Petra Koch, Alexandra Vogler


"Wenn unten nix nachkommt und oben was wegfällt, dann fehlt was", formulierte Gebhardt scherzhaft, was Dr. Christa Larsen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur für die zu erwartende Arbeitsmarktentwicklung des Landkreises Fulda bis zum Jahr 2024 statistisch aufbereitet hatte. 10.420 Arbeitskräfte fehlen 2024 im Landkreis Fulda, zum ersten Mal überhaupt werde dieser Bedarf aber nicht durchs Wirtschaftswachstum hervorgerufen - nur 1.960 Personen würde dieser Faktor ausmachen. "Der Haupttreiber ist wirklich der demografische Wandel, der altersbedingte Ersatzbedarf wurde aber bis vor wenigen Jahren auch in der Forschung falsch eingeschätzt. Jetzt weiß man, dass neben der Ausbildung als klassischer Strategie auch unterstützende Maßnahmen bis hin zur Wirtschaftsförderung nötig sind, um gegensteuern zu können. In der Region scheiden zwischen 2015 und 2022 doppelt so viele Menschen aus dem Arbeitsleben aus wie zuvor - das sind unangenehme Zahlen, ein genauer Blick in die einzelnen Berufsgruppen ist nötig, um spezifische Maßnahmen ergreifen zu können", erklärte Larsen.

Dr. Christian Gebhardt

Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt

Dr. Christa Larsen erläuterte die Entwicklung ...


Während im Sanitärbereich (Lücke von 390 Arbeitskräften bis 2024) und in der Logistik (außer Fahrzeugführung, Lücke von 550 Arbeitskräften bis 2024) guter Rat teuer ist, könne in Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufen die Integration ausländischer Arbeitskräfte einfacher fallen, weil gute Sprachkenntnisse nicht vonnöten seien. Die Lücke bei Reinigungsberufen (640 Arbeitskräfte) wird noch übertroffen von der bei Büro- und Sekretariatsberufen: 900 Personen werden auf dem Arbeitsmarkt des Landkreises Fulda 2024 in diesem Bereich fehlen, so Larsen. "Allerdings werden dort auch die Auswirkungen der Digitalisierung am ehesten spürbar, weswegen sich die Prognose bis dahin verbessern wird. Im Bereich Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe sowie Theologie werden allerdings 620 Arbeitskräfte fehlen. Im Pflegebereich hat sich die Anwerbung aus dem Ausland bewährt. Unternehmen sollten versuchen, über eine positive Unternehmenskultur und Orientierungsangebote Studienzweifler für sich zu gewinnen. Die Akademisierung hat dazu beigetragen, das Ausbildungspotenzial in Deutschland so auszudünnen - die Abbrecherquote ist allerdings in manchen Studiengängen sehr hoch, viele Leute sind in der betrieblichen Ausbildung besser aufgehoben."

Benjamin Brähler, tegut... gute Lebensmittel GmbH ...

Michael Engels, DESOI GmbH

Denise Otto, WBZ Fulda


Um zu erläutern, wie Fachkräfte am besten angeworben und gehalten werden können, referierten im Anschluss Personalverantwortliche regionaler Unternehmen. "Die Generation Z kommt, die erste Generation, die rein digital aufgewachsen ist. Das muss berücksichtigt werden: Heute sollten Videochats fürs Vorstellungsgespräch angeboten werden, eine moderne Fehlerkultur muss schon während der Ausbildung innovatives Lernen berücksichtigen. Für den Wissenstransfer sind aber gerade ältere Mitarbeiter sehr wertvoll", erklärte Benjamin Brähler von Tegut. Die Wichtigkeit, angesichts der großen Auswahl für den Nachwuchs eine Arbeitgebermarke zu werden, eine attraktive Firmenidentität zu entwickeln, betonte Michael Engels von der Kalbacher Firma Desoi: "90 Prozent unserer Beschäftigten sind eigene Azubis. Inzwischen richten wir den Fokus sogar auf die Mitarbeiterkinder. Die Johannes-Kepler-Schule in Neuhof ist für uns ein großer Vorteil - dort Präsenz zu zeigen, bringt unsere Marke auch bei jungen Menschen für später ins Gespräch." Denise Otto, Leiterin des Weiterbildungszentrums der Fuldaer R+S Group, die inzwischen fünf Standorte im Ausland zur Rekrutierung nutzt, warnte, dass Rekrutierung alleine nicht ausreiche: Gerade bei ausländischen Fachkräften müssten mehr Ressourcen in die Personalentwicklung gesteckt werden, nicht nur wegen der Sprachdefizite: "Die Auszeichnung zum 'Mitarbeiter des Monats' wirkt wie eine gute Motivationsmaßnahme. Einen osteuropäischen Facharbeiter würde das aber vielleicht beschämen - für ihn zählt die Gruppe, die gemeinsame Leistung. Kultursensibilität im Unternehmen ist heute wichtiger denn je." (mau) +++


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