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Warum kommt nicht der Rettungsdienst, sondern die Feuerwehr? In Bad Brückenau verfügt die Feuerwehr nun über eine Reanimationsgruppe, die auch ausrücken wenn Menschenleben in Gefahr ist. Drei AED-Geräten (Automatischer Externer Defibrillator) sind bei der Feuerwehr stationiert. Das Bild zeigt den Leiter der Reanimationsgruppe Florian Dorn (links) und Kommandant Michael Krug. - Foto: Marion Eckert

BAD BRÜCKENAU Wenn Feuerwehr statt Rettungsdienst kommt

Reanimationsgruppe: „Wir rücken aus, wenn es darum geht Leben zu retten“

15.01.20 - Im Ernstfall kommt es auf jede Minute an. Das gilt umso mehr, wenn ein Menschenleben in Gefahr ist. Um schnell und wirkungsvoll Hilfe leisten zu können, gibt es in der Feuerwehr Bad Brückenau nun eine Reanimationsgruppe. Sie wird alarmiert, wenn eine Person ohne Bewusstsein ist und der Rettungsdienst nicht schnell genug vor Ort sein kann.

Im Unterschied zu den First Responder (qualifizierter Ersthelfer), wie sie die Wehren in Motten, Schondra, Geroda und Zeitlofs haben, die bei allen Unfällen die Erstversorgung von Patienten übernehmen bis der Rettungsdienst da ist, werde die Reanimationsgruppe nur angefragt, wenn Personen bewusstlos ist, wenn keine Atmung gegeben ist und eine Herz-Lungen-Wiederbelebung notwendig wird. Leiter der Reanimationsgruppe ist Florian Dorn. Er ist neben seiner Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Brückenau Berufsfeuerwehrmann in Frankfurt und Notfallsanitäter.

Gemeinsam mit Kommandant Michael Krug sprach er in einem Pressegespräch über die Aufgaben der Reanimationsgruppe, die Vorteile für die Bevölkerung aber auch die Belastung für die Feuerwehrfrauen und -männern. Bad Brückenau verfüge zwar über eine Rettungswache, doch durch die unmittelbare Nähe zur Autobahn könne es durchaus vorkommen, dass der Rettungswagen im Einsatz ist, während auch in der Stadt auch Hilfe benötigt werde. Bis der nächste Rettungswagen aus Langenleiten, Oberthulba, Sterbfritz oder Fulda eintreffe, vergehen wertvolle Minuten, die über ein Weiterleben entscheiden können. So ist die Feuerwehr Bad Brückenau nun nicht mehr nur mit einem Rettungsrucksack für eine wirkungsvolle Erst-Versorgung ausgerüstet sondern auch mit drei AED-Geräten (Automatischer Externer Defibrillator).

„Wir rücken aus, wenn es darum geht Leben zu retten“, fasste Dorn zusammen. Die Bedienung des Defibrillators könne auch von medizinischen Laien professionell vorgenommen werden. Es messe die Parameter am Patienten und könne unterscheiden ob ein Herzkammerflimmern oder Herzstillstand vorliege und welche Maßnahmen, ob Elektroschock oder Herzdruckmassage angebracht sei. Die Feuerwehr Bad Brückenau hat ein großes Aufgabengebiet. 180 Einsätze waren es in 2019, 212 in 2018. Dennoch haben sich 18 Personen bereit erklärt in der Reanimationsgruppe beizutreten und haben sich ausbilden lassen um eine AED-Gerät fachkundig bedienen zu können.

Seit 1. Januar ist die Gruppe offiziell im Dienst. Positiver Nebeneffekt für die Feuerwehr konnten durch die Reanimationsgruppe drei Personen, die bislang schon im Rettungsdienst tätig waren, hinzugewonnen werden. „Es ist ein großes Plus für die Sicherheit der Bürger in Bad Brückenau“, ist der Kommandant überzeugt. Und auch Dorn geht davon aus, dass Brückenaus Bürger von der neuen Gruppe profitieren werden. „Der Rettungswagen ist doch sehr oft unterwegs. Es ist gut eine weitere Absicherung zu  haben.“ Der Alarm für die Reanimationsgruppe wird über die Integrierte Leitstelle  Schweinfurt ausgelöst und geht über den Funkmeldeempfänger (Piepser) in Bad Brückenau ein.

Ein internes System der Feuerwehr über Handy ermöglicht eine schnelle Kommunikation untereinander, so dass möglichst kein Feuerwehrler alleine ausrücken müsse. Die Reanimationsgruppe sei zudem personell so aufgestellt, dass sie auch tagsüber ausrücken können. Einsätze bei denen es um Leben und Tod geht können psychisch sehr belastend sein, vor allem wenn trotz aller Bemühungen ein Patient nicht mehr zu retten ist. Für den Kommandant ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Einsätze im Kameradschaftskreis nach besprochen werden und nötigenfalls auch weitergehende Hilfe in Anspruch genommen wird. „Das fällt unter die Sorgfaltspflicht für die Dienstleistenden. Es ist wichtig über die Einsätze zu sprechen, voneinander zu lernen und sich über Erfahrungen auszutauschen.“

Die Mitglieder der Reanimationsgruppe werden zudem fünf bis sechs zusätzliche Schulungen im Jahr absolvieren, um Neuerungen zeitnah zu erfahren und im Umgang mit dem AED-Gerät auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die Reanimationsgruppe sei nicht als Konkurrenz zur Rettungsdienst zu sehen, machten beide Verantwortlichen deutlich. Im Gegenteil, sie können eine Ergänzung sein. „Feuerwehr und Rettungsdienst rücken immer mehr zusammen“, sind Dorn und Krug überzeugt. (me) +++


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