CDU-MdB Michael Brand - Foto: O|N

BERLIN/FULDA Nach der Abstimmung zur Organspende

CDU-MdB Michael Brand: "Spenden-Zwang löst die Probleme nicht"

17.01.20 - Der osthessische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand setzt sich im Folgenden mit der aktuellen Abstimmung des Bundestags zur Regelung der Organspende auseinander. Er selbst hat für die Zustimmungslösung votiert, für die die Mehrheit im Bundestag gestimmt hat. Der Deutsche Bundestag hat sich nach einer besonders intensiven Debatte fraktionsübergreifend für die sogenannte Zustimmungslösung entschieden. Der Fuldaer Wahlkreisabgeordnete Michael Brand gehört zu den Mitinitiatoren dieses Gesetzes, begründet gegenüber OSTHESSEN|NEWS seine Haltung und nimmt Stellung zu den Äußerungen der Transplantationsmedizin am Klinikum Fulda, Professor Marion Haubitz:

„Wer sich seit vielen Jahren mit dieser Thematik befasst, dem kann nicht entgangen sein, dass die sogenannte Widerspruchslösung keine Lösung darstellt, und dass sie zudem in der Bevölkerung auf viel Widerstand stößt. In vielen Gesprächen habe ich wahrgenommen, dass vor allem in diesem Fall ein fehlender Widerspruch nicht einfach als Zustimmung gewertet werden darf. Ja, Schweigen kann nicht einfach als Zustimmung interpretiert werden, erst recht nicht bei einer so weitreichenden Entscheidung.

Spenden-Zwang löst die Probleme nicht, wie die Praxis in anderen Ländern zeigt. Vor allen Dingen aber gehört unser Körper nicht dem Staat. Also hat der Staat hier Zurückhaltung zu üben, etwas anderes ist es, mit intensiver und intelligenter Aufklärung um freiwillige Spenden zu werben. Ich sehe es so: Jeder sollte sich aktiv und bewusst mit dem Thema auseinandersetzen. Es nimmt stark Druck von Angehörigen in schwierigen Situationen. Für mich bleibt die Organspende ein Akt gelebter Solidarität.

Eine Spende ist immer freiwillig

Eine Spende ist immer freiwillig, sonst ist sie keine Spende mehr. Außerdem hilft selbst die größte Steigerung der Zahlen nicht, wenn in den Kliniken die Abstimmungsprozesse nicht stimmen. Denn die Probleme liegen vor allem in den Kliniken, und eben nicht in den Zahlen der Organspender. Die Mehrheit der Transplantationen scheitert nicht etwa an mangelnder Spendenbereitschaft. Ursache sind die organisatorischen Probleme in den Entnahmekliniken, mögliche Spender werden dort immer seltener erkannt und  gemeldet.

Eine groß angelegte medizinische Studie aus dem Jahr 2018, die hunderttausenden Todesfälle in Kliniken untersucht hat, kann zu dem erschreckenden Ergebnis, dass über 90 Prozent der potenziellen Spender von den Kliniken überhaupt nicht erfasst werden. Während aktuell etwa 10.000 Menschen zum Teil über Jahre auf einen Organspende warten, werden laut dieser Studie jedes Jahr mindestens 25.000 potenzielle Organspender nicht einmal an die zentrale Transplantationsstelle DSO gemeldet. Das bedeutet, dass in nur vier Jahren 100.000 potenzielle Organspender überhaupt nicht für lebensrettende Transplantationen erfasst werden.

Es ist völlig eindeutig, dass hier das Problem liegt, und nicht bei der Frage, ob zu den Millionen Bundesbürgern, die wie auch ich bereits einen Organspendeausweis haben, weitere Millionen hinzukommen müssen. Abgesehen davon, dass dies ein völliger Paradigmenwechsel und ein Eingriff in die Grundrechte und die Selbstbestimmung bedeuten würde, ist das Problem der Organspende eben nicht dadurch, sondern sehr praktisch in den Kliniken zu lösen.

Dazu hat der Bundestag im Jahr 2019 wichtige Veränderungen beschlossen und viele Millionen Euro für die Kliniken bewilligt, damit dieser Missstand endlich beendet werden kann. Diese müssen jetzt Schritt für Schritt umgesetzt werden. Die Studie der Experten geht davon aus, dass wir bei Behebung dieser Blockaden eine erhebliche Steigerung der Organspenden und vor allem der Transplantationen verzeichnen werden.

Man muss also die Probleme dort lösen, wo sie auch entstehen. Es ist zu hoffen, dass die gesetzlichen Verbesserungen im Klinikum Fulda und bundesweit sehr rasch zum Wohle der Patienten umgesetzt werden. Gerne setze ich mich mit den Verantwortlichen der Klinik zu diesem besonderen Bereich zusammen, um die Umsetzung des Gesetzes auch in der Praxis zu analysieren und mögliche weitere Verbesserungen zu überlegen."(pm)+++


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