Ingolf Lück wollte aus der ersten Reihe nicht fotografiert werden. Dieses Foto gelang von der Tribüne aus. - Fotos (3): Hans Holstein

BEBRA Mit 60 ist man "viertel vor Tod"

Let´s Dance-Gewinner Ingolf Lück fürchtet Blitzlichtgewitter in Ellis Saal

21.01.20 - Bebra war für Ingolf Lück bisher der Name des Liliputaners in dem Roman „Blechtrommel“ von Günter Grass. Dass es auch eine Stadt namens Bebra gibt, wusste er bis dato nicht, erklärte der Comedian dem erwartungsfrohen Publikum im voll besetzten Ellis Saal im Bebraer Stadtteil Weiterode. Im Gepäck hatte er sein neues Comedy-Soloprogramm „Sehr erfreut!“, in dem er sich den großen wie auch den nicht ganz so drängenden Fragen dieser Zeit widmet und ordentlich austeilt.   

Inzwischen hat Lück den Muskelkater vom Let´s Dance-Finale im Jahr 2018 überstanden, kann wieder laufen und schwärmt von seiner attraktiven Tanzpartnerin Ekaterina Leonova, die ihm die schwierige Choreografie eingebläut hat und die Tanzschritte so gebaut hat, dass sie zwischendurch ihren Tänzer wiederbeleben konnte. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das gewinne“, gesteht er, denn während der laufenden Show wurde er 60 Jahre alt und damit sind zwei Drittel seines Lebens statistisch vorbei. In seiner Heimatstadt Köln ist das „viertel vor Tod“, jammert Lück. Mit seinem Titel hat er sogar Fernsehgeschichte geschrieben. Ingolf Lück ist der bisher älteste Gewinner des „letzten seriösen Tanz-Contest“ weltweit.

Bei schlichtem Bühnenbild mit Tisch und Stuhl stand der salopp gekleidete Protagonist im Mittelpunkt. Mit einem gehörigen Schuss Selbstironie erläutert er seine Probleme mit dem Älterwerden, betont immer wieder: „Ich bin schrecklich empfindlich. Ich bekomme schon einen Sonnenbrand, wenn ich nur kurz vor die Türe gehe“. Er ist offensichtlich auch sehr lichtempfindlich, denn den anwesenden Pressefotografen in der ersten Reihe verbot er ausdrücklich das Fotografieren. Hatte er Angst, vom ausgeschalteten Blitz erschlagen zu werden?

Die Schlagzahl des Programms war hoch, zu hoch. Seine Übertreibungen, Zuspitzungen und manchmal auch Grenzüberschreitungen waren durch die ausschweifende Gestik, Mimik und die begleitenden Schreie anstrengend. Seine Themenvielfalt beachtlich. Auf den lustigen Nazi-Landwirt Ludger aus Brandenburg, der bei „Bauer sucht Frau“, die Liebe finden will, bis hin zur Auswanderer-Doku-Soap „Goodbye Deutschland“ mit einem Schlenker zum „Dschungelcamp“, das „Big-Brother für Naturfreunde“ war alles dabei, was die Fernsehwelt zu bieten hat.

Der rote Faden des Programms ist Ingolf Lück selbst, der das Publikum gern an seinen Jugenderinnerungen teilhaben lässt. Tintenpatronenaussaugen im ersten Schuljahr, die Todesangst, als er einen Kaugummi verschluckt hat, der vermeintlich den Hintern verklebt und die Schmach, als er als einziger durch die theoretische Fahrradprüfung gefallen ist, sind liebenswerte Anekdoten. Als Erwachsener war er weiter auffällig, denn mit 50 Jahren reiste er mit seiner Frau nach Amsterdam, um erstmals zu kiffen. Seine Tochter hat es auch nicht leicht mit ihm. Ihren ersten Freund Veith kann er überhaupt nicht ausstehen. Der ständigen Selbstoptimierung entzieht sich Lück, er will nicht im Einklang mit sich selbst sein und auch nicht, dass sein Darm charmanter wird. Er fordert Rolltreppen mit Falltüren und einen Sitzplatz in der Straßenbahn. Auch seine politischen Statements kamen nicht zu kurz.

Ingolf Lück lieferte ein Gag-Feuerwerk, das aber nicht richtig zündete. Verhaltener Applaus und wenige Lacher belohnten die Pointen. Wer seinen Humor bis dahin nicht verstanden hat, freute sich vielleicht über Witze unter der Gürtellinie. So berichtete Lück ausführlich über das Selfie seines Kumpels, das dieser auf dem Klo sitzend geschickt hat und seinen eigenen Furz, den er einfängt, um daran zu riechen. Ein Schweißtropfen, der von der Nase des Dönermanns um die Ecke in sein Fladenbrot fällt – für Ingolf Lück eine mehr als eklige Angelegenheit. Für das Publikum durch die schauspielerisch gekonnte Darstellung auch.

Foto: Chris Gonz

„Ich konnte nichts, als Kind habe ich Sand gemacht. Immer zwei Steine zusammengekloppt“. Dann kam er zum Fernsehen. Sein Vater kommentierte das so: „Jetzt machst du dein fehlendes Talent zum Beruf“. Der jetzt 61-jährige Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur, Moderator und Comedian schaut auf eine lange Fernseh- und Bühnenkarriere zurück. Erste Erfolge feierte er in den 1980er Jahren als TV-Moderator der Musikvideosendung „Formel Eins“. Der endgültige Durchbruch gelang ihm später mit der „Wochenshow“. Er weiß also, wie man sein Publikum packt. Oder nicht? Langer, freundlicher Applaus für ein durchaus unterhaltsames Programm, das aber offensichtlich nicht den Nerv des Publikums traf. Vielleicht hätte Ingolf Lück tanzen sollen? Eine nicht eingeforderte Zugabe gab es dennoch: „Ich war ein dickes Kind und hatte eine winzig kleine Nase. Der Weisheit folgend: An der Nase des Mannes erkennt man seinen Johannes" fragte ich mich: „Welche OP tut weniger weh? „ Der Witz war wirklich gut. (Gudrun Schmidl) +++


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