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Georg Dechentreiter setzt beim Mehrgenerationenwohnen auf soziale Aspekte. - Fotos: Gudrun Schmidl

BEBRA Einzigartiges Projekt im Landkreis

Mehrgenerationenwohnen im Gemüsegarten des Trottschen Ritterguts geplant

06.02.20 - Die Grundidee des Mehrgenerationenwohnens ist genial und liegt voll im Trend. Die Georg-Dechentreiter gemeinnützige Wohlfahrts-Stiftung will im Bebraer Ortsteil Imshausen 4,5 Millionen Euro in diese alternative Wohnform investieren. Geplant sind zunächst drei Mehrgenerationen-Häuser im ehemaligen Gemüsegarten des Trottschen Ritterguts. Am Dienstag wurde dieses Projekt im Bebraer Rathaus den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtentwicklung von Georg Dechentreiter aus dem Stiftungsvorstand und dem Architekturbüro Marc Ebersberger aus Fulda vorgestellt.

Die Georg-Dechentreiter-Wohlfahrts-Stiftung will im Bebraer Ortsteil ...

Das zukunftsweisende Projekt, idyllisch gelegen zwischen Solzer Straße und Küsterweg mit Blick auf die Trottenkirche, ist einzigartig im Landkreis-Rotenburg. Gut die Hälfte des Grundstücks ist derzeit allerdings noch als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. Weil der ehemalige Gemüsegarten auf drei Seiten von Wohnhäusern umgeben ist, sei ein städtebaulicher Lückenschluss möglich. Dazu müsste der Flächennutzungsplan aber geändert und ein Bebauungsplan für das gesamte Grundstück aufgestellt werden. Damit haben das Regierungspräsidium in Kassel, die Naturschutzbehörden und das Bebraer Parlament ein Mitspracherecht.

Das Fachwerkensemble im Hintergrund soll ebenfalls ...

Auf 2.900 Quadratmetern sollen zunächst drei zweigeschossige Mehrgenerationenwohnhäuser mit Keller entstehen. Geplant sind abgeschlossene, bedarfsgerechte Wohneinheiten unterschiedlicher Größe. Jeweils zwei Wohnungen pro Gebäude mit einer Größe von 70 bis 105 Quadratmetern werden im barrierefreien Erdgeschoss von älteren, im ersten Stock von jüngeren Menschen bewohnt. Das Zusammenleben der Generationen hat im Idealfall einen Nutzen für alle. Kinder leben mit der Großelterngeneration zusammen, rüstige Rentnerinnen und Rentner unterstützen junge Familien und können sich auf haushaltsnahe Hilfe verlassen, wenn sie diese selbst einmal benötigen.

Gemeinschaftsareale wie der angedachte Innenhof mit grüner Mitte bieten die Möglichkeit zum zwanglosen Zusammensein, zum gemeinsamen Essen oder zum gedanklichen Austausch. „Alt und Jung werden bewusst gemischt und sollen voneinander profitieren“, bringt es Georg Dechentreiter auf den Punkt. Durch Unterstützung seitens der Stiftung kann günstiger Wohnraum für Menschen in sozialer Not angeboten werden, in dem in einer ausgewogenen Mischung betroffene Leute integriert werden.  Dechentreiter denkt zum Beispiel an Alleinerziehende, die vielfach auf sich gestellt sind genau wie viele Senioren, die die Isolation fürchten. Um Missverständnissen vorzubeugen: beim Mehrgenerationenwohnen handelt sich weder um eine Pflegeeinrichtung noch um ein Altenheim, aber einen Platz, „an dem man in Würde alt werden kann“.  

Nach Bekanntwerden des geplanten Bauvorhabens wurden kritische Stimmen laut, die sich über den Standort „in der Pampa“ wunderten. Es fehlen tatsächlich Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten, das Internet ist ausbaufähig. „Wir wollen bewusst gegen den Strom schwimmen“, betont Georg Dechentreiter, der auf die einmalige Natur und Ruhe setzt für alle künftigen neuen Einwohner, die das schätzen und das 126-Seelen-Dorf beleben werden. Der Altersdurchschnitt im Dorf ist hoch. 25 Prozent der Bevölkerung ist 75 Jahre und älter, berichtet der Investor. Der Imshäuser Ortsbeirat begrüßt in einer verlesenen Stellungnahme während der Gremiensitzung das Bauvorhaben in dem Wissen, dass das Dorf junge Leute braucht. „Objektiv gibt es nichts, was gegen das Projekt spricht, betonte Jens Meister vom Bebraer Bauamt im Rahmen der Bürgerversammlung Ende des vergangenen Jahres, bei der sich der Großteil der Dorfgemeinschaft offen für das Projekt zeigte, einige direkte Nachbarn ihrem Unmut über das Bauvorhaben allerdings freien Lauf ließen.

Das geplante Bauvorhaben in Hanglage, energetisch auf dem neuesten Stand, nach Südosten ausgerichtet und eingeschossigen Carports wurde visuell und anhand eines Modells den Anwesenden vorgestellt. Das Ensemble soll sich mit Ziegelmauerwerk optisch anpassen und außerdem sind Flachdächer vorgesehen, damit die Gebäude nicht unnötig hoch werden und den Kirchturm überragen. Das kam bei einigen Ausschussmitgliedern nicht so gut an. Sie bevorzugen die im Ort üblichen Satteldächer. Noch ist alles möglich. Der Ausschuss gibt für die Bauleitplanung der Stadt Bebra – Aufstellungsbeschluss und Beteiligung der Öffentlichkeit zu dem Bebauungsplan Nr. 120 Mehrgenerationen-Wohnen Imshausen, Germarkung Imshausen Flur 1 Flurstück 21,33,34/2 und 36 sowie die Flächennutzungsplanfortschreibung Nr. 6 der Stadt Bebra grünes Licht. Das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am Donnerstag, 13. Februar 2020.

Wenn das Genehmigungsverfahren erfolgreich abgeschlossen ist, könnten die ersten drei Mehrgenerationen-Wohnungen innerhalb von zwei Jahren stehen. Eine Erweiterung um zwei Gebäude ist in Aussicht gestellt, denn schon jetzt sind sechs Wohnungen vergeben und weiterhin ist die Nachfrage groß. "Sobald ich weiß, dass ich bauen darf, nehme ich mir das Recht und die Freiheit auf Nachbarn zuzugehen und alle Fragen rund um das Bauvorhaben zu klären", betont Dechentreiter, dem der Garten gehört und der sich persönlich in die Wohngemeinschaft einbringen möchte, gerade weil es kein Rendite-Objekt ist, sondern der soziale Aspekt im Vordergrund steht.
(Gudrun Schmidl) +++


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