ANZEIGE Interview mit Steuerberaterin Bianca Alt

Corona-Krise: Welche Maßnahmen von Bund und Land jetzt helfen

26.03.20 - Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft und die Wirtschaft voll im Griff. Wir befinden uns in Woche 2 des Shutdowns in Deutschland. Inzwischen haben alle Unternehmen mit den Auswirkungen zu kämpfen. Nach den erzwungenen Schließungen von Einzelhändlern, Gastronomie- wie Hotelbetrieben sind inzwischen auch Fabriken geschlossen worden. Die Wirtschaft befindet sich im erzwungenen Koma. Bund und Länder haben umfangreiche Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft beschlossen.

Wann kommt diese Hilfe bei der Wirtschaft an? Und welche Handlungen sind erforderlich, wenn man Hilfe erlangen will? Die renommierte Steuerberaterin Bianca Alt von der Kanzlei alt & partner in Fulda gibt auf diese Fragen Antworten.

Frau Alt, wie wirkt sich die aktuelle Krise denn auf ihre Kanzlei aus?

Bianca Alt, Steuerberaterin und Gesellschafterin der ...Foto: Privat

Wir halten unseren Betrieb derzeit in vollem Umfang aufrecht. Wir wollen unseren Mandanten in dieser entscheidenden Zeit Unterstützung geben und für sie da sein, sie brauchen uns aktuell sicher mehr denn je. Wir haben umfangreiche Hygienemaßnahmen in Gang gesetzt und lassen einen Teil unseres Teams im Homeoffice arbeiten, der Großteil unserer Mitarbeiter sitzt ansonsten zur Zeit in Einzelzimmern. Bei uns gibt es eine rund um die Uhr Versorgung mit frischem Obst und ein tägliches Mittagessen, das sich jeder nach Wahl aussuchen kann.

Was sind die ersten Erfahrungen mit der Krise?
Wir stellen fest, dass fast alle Branchen von der Krise betroffen sind. Für die Unternehmer ist diese Zeit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychologisch eine gewaltige Herausforderung. Leere Hallen und menschenleere Büros sind nicht nur für die Betriebsinhaber ein Schreckensszenario. Daneben belastet die finanzielle Entwicklung die Unternehmer und damit verbunden die Frage, wie kann ich die Hürden überwinden, um die erforderlichen staatlichen Hilfsmaßnahmen zu bekommen.

Sie sprechen von Hürden. Was meinen Sie damit?
Bund und Land haben umfangreiche Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft in Gang gesetzt. In den Medien gewinnt man den Eindruck, dass ein betroffenes Unternehmen sich nur melden muss und schon fließen die staatlichen Fördergelder in die Firmenkasse. Dies ist in der Realität nicht der Fall, es ist in einem Rechtsstaat wie Deutschland in der erwarteten Einfachheit auch überhaupt nicht möglich. Zum Erhalt von Hilfen müssen Anträge mit Begründung gestellt und nicht wenige Bedingungen erfüllt werden. Der Teufel steckt wie immer im Detail.

Können Sie konkrete Probleme benennen?
Beim Kurzarbeitergeld tauchen viele Fragen auf. Zunächst muss Jedem klargemacht werden, dass das Unternehmen selbst bei einer Kurzarbeit von 100% mit Lohn- und Gehaltszahlungen in Vorleistung treten muss. Konkret heißt das: das Kurzarbeitergeld, 60-67 % der üblichen Netto-Löhne, und die Beiträge zur Sozialversicherung müssen zunächst ausgezahlt werden. Anschließend erfolgt auf Antrag die Erstattung von der Bundesagentur für Arbeit. Wie lange diese Vorfinanzierungszeit dauert, lässt sich aktuell nicht abschätzen. Bisher sollten maximal 15 Tage bis zur Erstattung vergehen, jetzt muss man wahrscheinlich mit deutlich längeren Laufzeiten rechnen. Diese Zeit muss das Unternehmen zunächst finanziell überbrücken.

Auch Fragen wie,
 
· können für Geschäftsführer/ Gesellschafter- Geschäftsführer von Unternehmen Kurzarbeitergelder beansprucht werden?· wie sind Krankheitszeiten vor oder während der Kurzarbeit zu behandeln und welche Auswirkungen haben diese auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer?
· wie sind Sachbezüge wie PKW – Nutzungen oder Altersvorsorgebeiträge zu würdigen und was geschieht damit?
· gibt es Gehaltsdeckelungen und Maximalbeträge, von denen die 60/67% zu berechnen sind?

Wie sieht es bei den sogenannten Soforthilfen aus?

Die Kanzlei alt & partner in ...

Die Bundeshilfen wurden bereits am Sonntag nach der Koalitionsrunde bekannt gegeben. Die endgültige formale Beschlussfassung erfolgte gestern im Bundestag und muss am Freitag noch im Bundesrat bestätigt werden. Das Land Hessen hat bereits diese Woche ein eigenes Programm beschlossen, Bayern und Thüringen bereits Ende letzter Woche bzw Anfang dieser Woche. Allerdings wird das Landesprogramm dazu dienen, die Bundeshilfen aufzustocken und zu erweitern beispielsweise auf Betriebe bis 50 Mitarbeiter. Wir gehen aktuell davon aus, dass beide Programme nicht parallel nebeneinander beantragt werden können.
Die Antragstellung kann nur im jeweiligen Bundesland erfolgen, in Hessen wird das Regierungspräsidium Kassel die Anträge, die online gestellt werden können, bearbeiten.
 
Aber, aus den bisher bekannt gewordenen Regularien, beispielsweise aus Bayern, gibt es doch merkliche Einschränkungen bzw. Bedingungen. Soforthilfen sind als letzte Notmaßnahme ausgeprägt. Zunächst müssen alle anderen Möglichkeiten der Finanzierung eingesetzt werden. Liquiditätskredite, Steuerstundungen und auch der Einsatz von Eigenmitteln.
Zudem besteht nur Anspruch auf Soforthilfen, wenn die finanziellen Schwierigkeiten ausschließlich durch die Corona Krise verursacht sind. Der Antragsteller muss sogar per eidesstattlicher Versicherung bestätigen, dass er vorher keine wirtschaftlichen und finanziellen Probleme hatte.

Gibt es erste Erkenntnisse bei der Gewährung von Liquiditätshilfen?
Ja, die gibt es. Die Bundesregierung hat die Bürgschaftsquote für Liquiditätskredite von 80 auf 90 % erhöht. Auch das Land Hessen hat Mittel aufgestockt für das von der Wii Bank verwaltete Bürgschaftsprogramm. Hessen bietet außerdem finanzielle Soforthilfen für kleine und mittlere Unternehmen an. Allen Programmen haftet jedoch ein großes Problem an, dass aktuell noch nicht beseitigt wurde. Die Liquiditätshilfen müssen bei der Hausbank beantragt werden und die Hausbank. Sie muss im Falle der KfW Bürgschaft 10 % Risiko übernehmen und im Falle der neuen Expressdarlehen der Wi-Bank eine Co - Finanzierung in Höhe von 20 % einsetzen. Das zwingt die Banken zur Bonitätsprüfung und das wiederum führt bei nicht wenigen Unternehmen zur Ablehnung der Anträge, weil die Rückzahlung der Darlehen, aus Sicht der Bank, gesichert sein muss. Nach unserer bisherigen Erfahrung stellt dies ein gravierendes Problem bei der Sicherstellung der Liquidität für kleine und mittlere Unternehmen dar.

Welche Hinweise können Sie im Hinblick auf Steuerzahlungen bzw. Sozialversicherungsbeiträge geben?
Hier sind die folgenden Sachverhalte voneinander zu unterscheiden und zu beurteilen und zwar können
 
· bereits geleistete Vorauszahlungen für das Kalenderjahr 2020 für die Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer-Sondervorauszahlungen zurückgefordert werden und
· künftig fällige Vorauszahlungen für 2020 ggf. auf 0 € herabgesetzt werden und
· künftig fällige Steuernachzahlungen für Vorjahre gestundet werden und
· fällige Sozialversicherungsbeiträge gestundet werden, sofern es für das Unternehmen eine erhebliche Härte darstellen würde, diese Beiträge leisten zu müssen

Was können Sie den Unternehmen empfehlen?
Die Unternehmen müssen sich Klarheit über ihre wahrscheinliche Entwicklung der nächsten 9 Monate verschaffen. Die sollte über Planungsrechnungen erfolgen. Mit den Ergebnissen müssen dann Gespräche mit der Hausbank geführt werden. Ziel muss es sein, die Zahlungsfähigkeit in der Krise sicherzustellen.  Das hat oberste Priorität.+++


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