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Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Tier, was im März fotografiert wurde, um die Wölfin aus dem Stölzinger Gebirge - Foto: HLNUG/Luchsprojekt Uni Göttingen

REGION Einzelne Wölfe oder Rudel?

Fehlende Scheu bei Wölfen: Mehrere Nutztierrisse- und Angriffe in der Region

07.05.20 - Saftig grüne Wiesen, dichte Wälder, Abgeschiedenheit: Viele Orte in Osthessen werden nicht nur von Touristen für einen Ausflug geschätzt, auch viele Tiere nutzen die reichhaltige Landschaft als Lebensraum. Relativ neue „Gäste“ im Landkreis Hersfeld- Rotenburg, in der Rhön sowie im Vogelsbergkreis sorgen nun jedoch bei einigen Landwirten für Sorgen:  

Endlose Weiten: In der Rhön könnte sich der Wolf heimisch fühlen ...Foto:mr

Erstmals im August des letzten Jahres wurde die Wölfin „GW1409f“ im Stölzinger Gebirge, wo die Landkreise Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner aneinandergrenzen, nachgewiesen. Weitere Existenzbelege des Raubtieres in diesem Gebiet, etwa anhand von Gen-Proben bei gerissenem Nutzvieh oder durch Fotos, konnten erbracht werden. Allein in diesem Jahr gab es über ein Dutzend Risse, für die die Wölfin verantwortlich sein dürfte.

Ob auch zwei tote und angefressene Kälber auf ihre Kappe gehen, die am Morgen des Mittwochs in der Nähe von Sontra aufgefunden wurden, soll nun eine DNA-Analyse zeigen.

Am Mittwochmorgen wurden zwei tote Kälber in der Nähe von Sontra gefunden ...

Die Wölfin „GW1409f“, die bereits häufiger in der Nähe menschlicher Behausungen ihren Hunger stillte, gilt nach den bundesweiten Monitoring-Richtlinien mittlerweile als sesshaft. Anders als in anderen Bundesländern führt ein standorttreuer Wolf in Hessen aber zu keiner verstärkten Herdenschutz-Förderung in seinem Streifgebiet. Die meisten Landwirte befolgen das Regelwerk zum Schutz ihrer Tiere, dennoch werden Kälber, Gänse oder Schafe auf den gut gesicherten Weiden gerissen.

Die Ulrichsteiner Wölfin

Ein Stück Damwild, aufgefunden am Sonntag zwischen Ulrichstein Unter-Seibertenrod und Mücke Ober-Ohmen ...

Eine weitere standorttreue Wölfin ist im Vogelsberg zu Hause. Bereits im März 2020 stufte das Landesamt für Naturschutz (HLNUG) das Tier als sesshaft ein. Das mit dem Namen „GW1166f“ versehene Tier wurde ebenfalls anhand mehrerer Proben genetisch erfasst. Besonders scheu ist die Wölfin nicht, mehrere Male wurde sie in den Dörfern gesichtet, selbst tagsüber aus nächster Nähe mit dem Handy gefilmt. „Nachts höre ich sie manchmal heulen, da läuft es einem eiskalt den Rücken runter“, erzählt ein Dorfbewohner von Unter-Seibertenrod. Nutztiere dürften nach mehreren Rissen nicht mehr auf die Weide, zu groß sei die Angst, dass am nächsten Morgen wieder eines der Schafe oder Kälber fehle.

Auch in der Rhön hatte ein Wolf bereits im Herbst 2019 Schafe auf einer Wiese in Abtsroda getötet. Jetzt, am vergangenen Wochenende, ein erneuter Verdachtsfall: Unweit der Wasserkuppe fand ein Landwirt sein zerfleischtes Kalb auf der Weide. Eine DNA- Untersuchung sei allerdings von den Zuständigen abgelehnt worden, weil der Bauer das Tier bereits auf die Heckschaufel seines Traktors genommen hatte.

Nur wenige Kilometer entfernt

Ein totes Kalb, gefunden am vergangenen Wochenende in der Nähe der Wasserkuppe ...

Eine Islandstute wurde in Moosbach-Gersfeld angegriffen Foto: Privat

Unweit des Dorfest Moosbach stehen die Islandpferde auf der Weide ...Foto: mr

Als eine Pferdehalterin am Sonntagmorgen auf die Weide kam, bemerkte sie, dass eines ihrer Tiere schwer verletzt war. Die Islandstute war von einem bisher unbekannten Raubtier angegriffen worden, im Schulterbereich fehlte ein größeres Stück Fleisch, Kratz- und Bissspuren zogen sich fast über den gesamten Körper.

Weitere Verdachtsfälle

Am vergangenen Samstag fand ein Landwirt ein totes und angefressenes Kalb, unweit der Wohnhäuser im Industriegebiet Großenlüder. Der Bauer hat eine private DNA-Analyse in Auftrag gegeben.

Am 21. April wurde ein gerissenes Reh Nahe der Gemeinde Neuhof gefunden, auch hier steht ein Wolf in Verdacht, das Tier getötet zu haben. Weitere Wildtierrisse wurden im April in Meiches (Vogelsbergkreis), Haunetal-Fischbach (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), Ulrichstein (Vogelsbergkreis) und Heringen-Widdershausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) gemeldet.

Auch wenn bisher von offizieller Stelle davon ausgegangen wird, dass jeweils einzelne Wölfe für die Risse und Angriffe in der Region verantwortlich waren, glauben einige Jäger und Wolfsbeobachter, dass sich – zumindest in ein paar Fällen, bereits Rudel gebildet haben. (mr) +++


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