Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda - Fotos: Marius Auth

FULDA Digitale Podiumsdiskussion

Wirtschaften in der Krise: "Corona wirkt wie ein Brandbeschleuniger"

23.06.20 - Bis vor Kurzem herrschte in der Region Fulda quasi Vollbeschäftigung, Ende Mai 2020 hatten dagegen 40 Prozent der IHK-Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Wie bewerten regionale Unternehmen die Coronakrise, wann kehrt endlich wieder Normalität ein? Um diese Fragen zu beantworten, hatten die Wirtschaftsjunioren Fulda Experten aus Wirtschaft, Politik und Medizin am Montagabend zur digitalen Podiumsdiskussion geladen.

Insgesamt 36 Teilnehmer wollten sich die ...

Moderatorin Sabine Räth

Neben Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda, und Prof. Dr. Peter Kern, Direktor der Medizinischen Klinik IV des Klinikums Fulda (Immunologie, Internistische Intensivmedizin), standen Michael Brand (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages, und Wirtschaftsjunioren-Kreissprecher Dr. Tarek Bary Rede und Antwort. Sabine Räth von den Wirtschaftsjunioren übernahm die Moderation. Zur zeitgemäßen Zoom-Videokonferenz versammelten sich insgesamt 36 Teilnehmer, um ihr neuestes Corona-Update zu bekommen, die Not macht erfinderisch: "Wir können momentan keine Präsenzveranstaltungen der Wirtschaftsjunioren Fulda abhalten, das belastet natürlich stark. Der persönliche Austausch ist sehr wichtig, deswegen haben wir neue digitale Formate entwickelt, vom Stammtisch bis zum Kochevent", erklärt Bary. Motivierende Veranstaltungen machen Sinn, hört man Michael Konow die aktuellen Zahlen erläutern: "Die Industrie- und Handelskammer hat Ende Mai eine Blitzumfrage gemacht: 85 Prozent der befragten Unternehmer befürchten eine signifikante negative Auswirkung auf ihren Gesamtumsatz durch Corona, 54 Prozent erhoffen sich eine Rückkehr zur Normalität bis Ende 2020. Einen Eigenkapitalrückgang verzeichnen fast 50 Prozent der befragten Unternehmer. Im Kreis Fulda ist die Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent im Vorjahr auf 3,6 Prozent gestiegen. 40 Prozent unserer heimischen IHK-Betriebe, das sind 2289, hatten Ende Mai 2020 Kurzarbeit anmelden müssen. Das entspricht 37 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Stellen, knapp über 35.000 Menschen."

Prof. Dr. Peter Kern, Direktor der ...

Michael Brand (CDU), Mitglied des Deutschen ...

Dr. Tarek Bary, Kreissprecher der Wirtschafsjunioren ...


Der wirtschaftliche und vor allem gesundheitliche Schaden hätte allerdings wesentlich höher ausfallen können, wenn die Präventionsmaßnahmen der Politik halbherziger ausgefallen wären, gibt Prof. Dr. Peter Kern vom Klinikum Fulda zu bedenken: "Anfang März hatten wir es noch mit einer relativ unbekannten Epidemie zu tun. Eine Mortalität von fünf Prozent und steigende Infektionszahlen auch in Deutschland haben das Notprogramm dann zur einzig richtigen Entscheidung gemacht. Die große Überraschung: Wir konnten die Welle abbremsen durch all die Präventionsmaßnahmen. Wenn nicht, hätten wir, siehe Norditalien und Frankreich, der Exponentialdynamik nicht viel entgegensetzen können. Die Einsicht und Disziplin der Bürger hat den Erfolg gebracht - und wird ihn auch weiter bringen." Für wie viele "Wumms"-Konjunkturpakete noch Luft sei, wollte Räth vom Bundestagsabgeordneten Brand wissen. "Wir werden uns auf jede Schwierigkeit einstellen, weil wir müssen. Schnelles und beherztes Handel war wichtig und richtig - als Antwort in der Krise und auch Investition in die Zukunft. Gleichzeitig haben wir auch eine Verantwortung gegenüber Geldwertstabilität und Generationengerechtigkeit, auch darauf achten wir."
Als Schnittstelle zur Bundespolitik habe sich der Fuldaer in den letzten Monaten plötzlich sozusagen auch in der Beraterrolle wiedergefunden: "Ich hatte Unternehmer wie Beschäftigte aus der Region weinend am Telefon, da wird Krisenberatung natürlich zum Teil der Arbeit. Wo gibt es welches Programm, was ist gerade in der Planung, wie kann man schnell vermitteln?", erklärt Brand.

1.500 Beratungsgespräche hätten die fünf bis sieben Mitarbeiter der IHK Fulda in Sachen Corona-Soforthilfe geführt, beim Land Hessen seien 135.000 Anträge eingegangen, mehr als 900 Millionen Euro wurden bereits bewilligt, erklärt Konow, der gleich am ersten Tag seiner neuen Tätigkeit "im Krisenmodus" gestartet sei. Vom Soloselbstständigen bis zum soliden Mittelständler hätte die Krise alle erwischt, wie eine Naturkatastrophe. "Die Summe der großen Verlierer ist größer als die der Gewinner: Im Onlinehandel und in Teilen der Industrie konnte profitiert werden. Aber die Kulturwirtschaft, die Gastronomie, auch unsere heimischen Zulieferbetriebe der Automobil- und Luftfahrtindustrie, die ohnehin schon vom Strukturwandel betroffen sind, da gibt es die großen Verluste." Wie ein Brandbeschleuniger verstärke Corona die Trends und zeige die Probleme schonungslos auf: "Selbst Menschen, die vorher nicht internetaffin waren, haben jetzt das Onlineshopping besser kennengelernt." (mau) +++


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