Rodgau Monotones-Drummer Jürgen Böttcher in seinem Musikzimmer - Fotos: Moritz Pappert, Archiv

RODGAU Sein Leben nach der Schock-Diagnose

Rodgau Monotones-Drummer Jürgen Böttcher: "Tinnitus wurde immer schlimmer"

12.10.20 - Es ist wohl die schlimmste Diagnose, die man als leidenschaftlicher Musiker bekommen kann: Tinnitus! Jürgen "Mob" Böttcher, Schlagzeuger der Kult-Band Rodgau Monotones, musste genau deshalb vor wenigen Monaten seine Karriere beenden - ein schwerer Schritt nach über 43 Jahren in der Band. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS spricht er über die Diagnose, seine Zukunft als Musiker-Rentner und warum die Tour mit "Pur" eine Fehlentscheidung war.

Die Diagnose kam für Jürgen Böttcher nicht überraschend. Schon seit 15 Jahren hat er mit Tinnitus zu kämpfen, doch irgendwann ging es nicht mehr. "Das hatte was von Traurigkeit, aber gleichzeitig war es auch eine Befreiung. Ich habe schon seit ein paar Jahren die Angst, dass der Tinnitus schlimmer wird. Die Band wollte ja spielen und nach 43 Jahren hört man nicht einfach so auf", erklärt der 65-Jährige. In den letzten Jahren hat er mit speziellen Kopfhörern versucht, das Störgeräusch zu unterdrücken. Doch irgendwann ging auch das nicht mehr. "Das Pfeifen wurde immer schlimmer und immer lauter."

Bei einem Konzert in Bad Hersfeld

Foto: Fabian Klein

"Rock macht am meisten Spaß, wenn er ordentlich laut ist"

"Die Monotones waren schon immer eine der lautesten Bands deutschlandweit. Anfangs waren wir einfach begeistert, dass wir plötzlich diese großen Anlagen hatten und Rock macht am meisten Spaß, wenn er ordentlich laut ist, weil dich das dann auch körperlich mitnimmt. Da spielst du wie im Rausch", sagt Mob.

Bei den Rodgau Monotones hat "Mob" in den 43 Jahren viel erlebt. Gerade in den Anfangszeiten standen die Hessen mit großen Künstlern vor zehntausenden Zuschauern auf der Bühne. Unter anderem bei dem Konzert in Wackersdorf vor 100.000 Zuschauern, oder mit Tina Turner vor 40.000 Leuten. "Oft waren aber die Gigs in kleinen Clubs, wo man den direkten Kontakt zu den Fans hat, am schönsten. Das waren die lustigsten und eindrucksvollsten Konzerte. In den Anfangszeiten war alles erlaubt, da haben wir sogar mal Federball auf der Bühne gespielt", erzählt der Drummer.

"Bei einem neuen Album würde ich wieder am Schlagzeug sitzen"

Das Spielen mit der Band habe dem Musiker immer großen Spaß gemacht. Lediglich eine Tour mit "Pur" war für die Band kein Spaß. "Wir waren da völlig fehl am Platz. Das Pur-Publikum konnte mit uns nichts anfangen. Eine nette Einladung der Band, aber ein völliges Missverständnis", blickt Böttcher zurück. Anfang der 2000er Jahre startete er noch eine zweite Karriere als Online-Marketing Manager. Auch hier ist er seit August in Rente. Seine freie Zeit wollte er eigentlich mit seiner Frau und dem Wohnmobil in Portugal verbringen. Daraus wurde jedoch durch Corona erstmal nichts.

Foto: Fabian Klein

Doch auch, wenn er die Drumsticks beiseitelegen musste, nimmt die Musik noch immer einen großen Teil seines Lebens ein. Seit wenigen Jahren spielt "Mob" auch wieder Gitarre, tüftelt an neuen Songs und nimmt zuhause Lieder auf. Sein Nachfolger bei den Monotones wird Martin "Dog" Kessler. Ob Jürgen Böttcher sich aber Live-Konzerte der Monotones anhört, weiß er noch nicht. "Ich glaube nicht, dass ich mir das von unten ansehen kann. Ich glaube, das tut zu weh. Ich habe aber noch viel Kontakt zur Band, wir treffen uns noch und wenn wir ein neues Album machen, würde ich auch wieder am Schlagzeug sitzen", verspricht "Mob".

Wer mehr wissen will, liest am besten das Buch über die Band "Wollt Ihr Musik oder was?!" (Moritz Pappert) +++


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