Ausgeschlossen: Beim hessischen Schulpreis zum Thema Tierschutz sind Reh und Co ausgeschlossen. Absicht? - Fotos: Miriam Rommel

REGION Priska Hinz lobt Tierschutzpreis aus

"Tiere verdienen Achtung" - aber nur, wenn sie nicht im Wald leben?

02.11.20 - Die Hessische Landesregierung hat – unter Federführung von Kultusminister Prof. Alexander Lorz sowie Umweltministerin Priska Hinz - den Schulpreis für den Tierschutz 2021 ausgeschrieben. "Ausgezeichnet werden Lehrkräfte sowie Schüler, die sich überzeugend mit Fragestellungen zum Tierschutz sowie dem Verhältnis von Mensch und Tier beschäftigen. Schüler sollen sich mit der artgerechten Haltung sowie dem richtigen Umgang mit Tieren auseinandersetzen und das Thema künstlerisch und kreativ umsetzen", sagte Umweltministerin Priska Hinz. "Besonders Projekte, bei denen deutlich wird, dass Tiere als Lebewesen zu betrachten sind und dass Tiere Achtung verdienen, eignen sich für den Wettbewerb."

Als mögliche Themen nannte sie Tiere in der Landwirtschaft, Tierversuche und Versuchstiere, Wildtiere in Menschenhand oder Heimtiere. Arbeiten zu Naturschutz- oder dem Wildtierschutz seien ausdrücklich nicht gemeint.

Doppelmoral?

Während Umweltministerin Priska Hinz und Kultusminister Alexander Lorz das steigende Bewusstsein der Bevölkerung in Sachen Tierschutz sehr wohl wahrnehmen, "Tierschutz und artgerechte Haltung sind Themen, die immer mehr junge Menschen bewegen", wird das, was in den heimischen Wäldern geschieht (und die breite Masse nicht interessiert), großzügig ausgeklammert. Denn: Erst im Frühjahr hatte die Umweltministerin eine neue Verordnung unterzeichnet, die die Ausdehnung der Jagdzeiten für Schalenwild zum Gegenstand hat. Das Rehwild beispielsweise wird nun in Hessen zehn Monate lang bejagt – was weder wildbiologisch noch sachlich gerechtfertigt ist. Doch damit nicht genug: Auch den Bestand des Königs der deutschen Wälder – des Rothirsches- möchte Priska Hinz deutlich verkleinern – und das, obwohl die Tiere sowieso nur noch in insgesamt 20 Gebieten in Hessen geduldet werden.

"Ausschließlich wirtschaftliche Interessen"

Versteckt in den heimischen Wäldern: Rotwild gibt es hierzulande nur noch selten ...

Der Landesjagdverband Hessen, der die Interessen von rund 85 Prozent aller Jagdscheininhaber vertritt, lehnt das Vorgehen der Umweltministerin strikt ab. "Gegenüber dem heimischen Schalenwild wird vom grün geführten Umweltministerium ein Vernichtungsfeldzug vorbereitet, der seines gleichen sucht. Ausschließlich auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtet, soll eine verfehlte Forstpolitik auf dem Rücken des Wildes ausgetragen werden", so Landesjagdverband- Hessen- Geschäftsführer Alexander Michel im April.

Konkurrent Wild: Wald als Wirtschaftsfaktor

Größter Waldbesitzer in Hessen ist das Land, ihm gehören 38 Prozent der gesamten Waldfläche. 36 Prozent sind Körperschaftswald, nur rund ein Viertel entfällt auf Privatbesitzer. Der Wald stellt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Allein die Branchen der Holzwirtschaft erzielten im Jahr 2003 in Hessen eine aggregierte Bruttowertschöpfung von rund 3,3 Milliarden Euro. Der Jahresumsatz der hessischen Holzwirtschaft belief sich in 2004 auf etwa 11,3 Milliarden Euro.

Schutz des Klimas oder des Geldbeutels?

Symbolbild: Pixabay

Ältere Bäume werden aus wirtschaftlichen Gründen gefällt und verkauft. Um den nachwachsenden Rohstoff Holz einfacher zu schützen, setzt die Regierung auf eine immer konsequentere Reduktion des Schalenwildes. Denn: Reh und Hirsch könnten sonst an jungen Bäumen Verbissschäden anrichten. Schutzmaßnahmen, wie etwa eine Umzäunung der betreffenden Flächen oder das Anstreichen der Triebe mit einem Schutzmittel, kommen für die Regierung- wohl auch aus Kostengründen- offenbar nicht mehr in Betracht.

Die Schulpreis -Aussage von Priska Hinz, dass Tiere als Lebewesen zu betrachten sind und Achtung verdienen, gilt offenbar nur, wenn es sich auch finanziell lohnt. (mr) +++

 

 

 

 

 


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