Szenen vom 31.10.2020: Das Pax Europa-Mitglied Michael Stürzenberger (oben rechts) sprach am Bahnhofsvorplatz -zur Unzufriedenheit einiger Anwesenden - Screenshots: Videos

FULDA Video geht viral

Vorfall am Bahnhofsvorplatz: Ein Rechtspopulist zwischen Allahu akbar- Rufern

14.11.20 - Männer stehen auf dem Fuldaer Bahnhofsvorplatz, stacheln sich gegenseitig an, rufen laut im Chor "Allahu akbar" und strecken den rechten Arm in die Höhe, der Zeigefinger deutet gen Himmel. Videos des Vorfalls, aufgenommen am 30. Oktober, verbreiten sich aktuell rasant im Internet. Doch, was hat es damit auf sich?

Der Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger hatte am Bahnhofsvorplatz sieben Stunden Reden gegen den politischen Islam gehalten. Der gebürtige Bad Kissinger, der außerdem Mitglied in der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pax Europa ist, forderte, dass beispielsweise die Scharia generell verboten werden müsse. Er stellte die These auf, dass immer mehr muslimische Fundamentalisten in der Bundesrepublik lebten und ging auch auf die Terroranschläge in Frankreich ein. Das Köpfen von Opfern, behauptete er, habe im Islam lange Tradition, beispielsweise habe der Prophet Muhammed bis zu 900 Juden des Stammes Banu Kuraiza in Medina enthaupten lassen. In Frankreich, meint er, habe der Terror die Oberhand gewonnen, Meinungsfreiheit sowie Menschen seien in Gefahr. Unterbrochen wird der ehemalige Pressesprecher der CSU München häufig von Rufen, ein Mann schreit: "Ihr seid ja auch das Übel, was es zu vernichten gilt. Du bist nur verfickter Bodensatz" oder "die haben es dort ja so gewollt".

"Es geht mir nur um den politisch motivierten Islam"

Modern eingestellte Moslems, antwortet Stürzenberger der Menge, seien ihm herzlich willkommen. "Ich wiederhole mich nochmal. Es geht mir nur um diejenigen, die hier straffällig werden oder eine Religion nutzen, um Menschen zu unterdrücken oder gar umzubringen." Zuwider seien ihm außerdem Flüchtlinge, die das Grundgesetz nicht achteten und dem Staat dauerhaft auf der Tasche lägen. "Wir haben hier eine unterwürfige Willkommenskultur. Alles wird toleriert, Hauptsache es ist schön bunt. Unsere eigenen Grundwerte werden hingegen öffentlich mit Füßen getreten, aber wehe, jemand spricht ein solches Thema an." 1,3 Millionen Straftaten seien, laut dem Mann, der vom Verfassungsschutz Bayern überwacht wird, von Asylsuchenden seit 2015 in der Bundesrepublik begangenen worden. "Das kann es doch einfach nicht sein."

"Religion ist etwas zwischen Mensch und Gott und nichts, dass auf die Straße gehört"

Die Menge, die sich um den Mann versammelt hat, der unter anderem bereits wegen Volksverhetzung angeklagt war, wird immer unruhiger. Ein Iraker, der nach eigenen Angaben seit sieben Jahren in Fulda lebt und in der Automobilindustrie Roboter herstellt, gibt ihm allerdings Recht. "In unseren Ländern gibt es keine Demokratie, keine Rechte für Frauen, keine freien Wahlen. Hierher kommen Menschen des Geldes wegen, die unsere Religion ausnutzen, uns alle schlecht dastehen lassen." Erste Rufe, er sei "von den Juden" gekauft, werden laut. "Nein", sagt der Mann. Man müsse den Tatsachen einfach ins Auge blicken. "Religion ist etwas zwischen Mensch und Gott und nichts, dass auf die Straße gehört."

"Wir werden euch auseinander nehmen", schreit ein Mann in gebrochenem Deutsch. "Ich will in einer aufgeschlossenen und demokratischen Welt leben!" ruft der Iraker. Junge Mädchen, die Kopftücher tragen, brüllen Beleidigungen, das Wort Hurensohn fällt oft. Eine schreit: "Wenn sich eine Frau westlich kleidet, ist es richtig, wenn sie – wie von der Scharia vorgegeben -vom Mann eingesperrt und bestraft wird."

"Geh zurück nach Eritrea!"

Ein Mann meint, Stürzenberger solle "hier nicht dumm rumstehen, sondern lieber für mich arbeiten gehen." Außerdem fügt er hinzu: "Scheiß Nazi verreckte." Dem Rechtspopulisten platzt der Kragen: "Geh du zurück nach Eritrea! Ernsthaft, ich kann das nicht fassen. Der sollte bei uns als erstes das Wort `Danke` lernen, stattdessen beschimpft er mich." Mehrere Polizisten stehen zwischen Stürzenberger und der aufgebrachten Menge, vereinzelt werden Personalien wegen Beleidigungen aufgenommen.

Der "Tauhid"-Finger und "Allahu-Akbar-Rufe"

Die Polizei stellt sich vor Stürzenberger

Mehrere Menschen, vornehmlich junge Männer, bilden einen Kreis. "Allahu Akbar" skandieren sie laut, recken ihre rechten Arme in die Höhe, die Zeigefinger gen Himmel gerichtet. Es ist ein Tag voller Provokationen – von Stürzenberger, aber auch von den anwesenden Moslems, die "Gott ist groß" brüllen und das Zeichen des ausgestreckten Fingers, welches die Dschihadisten des Islamischen Staates für sich vereinnahmt haben, so öffentlich zur Schau stellen.

"Keine Straftatbestände erfüllt"

Die Polizei in Fulda antwortet auf O|N-Nachfrage: "Nach derzeitigem Sachstand verwirklichen die im Video zu sehenden Inhalte keinen Straftatbestand. Ferner sind keine strafrechtlich relevanten Ausführungen seitens des Redners polizeilich bekannt geworden." Die Einschätzung des Hessischen Verfassungsschutzes steht noch aus. (rl) +++


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