In diesem Haus (Mitte) in der Alsfelder Obergasse ereignete sich am 2. Mai die schlimme Tat. - Archivfoto: O|N / Luisa Diegel

ALSFELD / GIESSEN Dritter Prozesstag am Landgericht

Nach Kopfschlägen mit Gipserbeil: "Er hat öfter gedroht, sie umzubringen"

14.11.20 - Freitagmorgen, 9 Uhr am Gießener Landgericht: Die Verhandlung im Mordfall gegen einen 36-jährigen Syrer soll weitergehen. Doch der Prozess wird bereits zwei Minuten später das erste Mal unterbrochen. Grund: Der Verteidiger soll mit dem Angeklagten klären, ob der nun doch aussagen möchte. Nach der halbstündigen Beratung übermittelt der Verteidiger: "Es gibt erst einmal keine Erklärung von meinem Mandanten." Deshalb startet der dritte Prozesstag mit Zeugenaussagen - dieses Mal von der Familie des Angeklagten.

Unter anderem sagte die Schwester der Getöteten am Freitag vor Gericht aus. Völlig aufgelöst berichtet sie, dass es bereits zu Beginn der Ehe, als der Angeklagte und das Opfer noch in Syrien lebten, Probleme zwischen den beiden gab. Deshalb wollte sich der Vater der Getöteten schon vor längerer Zeit um eine Trennung kümmern, doch wegen der drei Kinder kam die Getötete immer wieder zu ihrem Ehemann zurück. 

"Er hat sie geschlagen"

Die Schwester beschreibt den Angeklagten als geizig, immer wieder habe er seine Frau beleidigt und geschlagen. "Meine Schwester hat gesagt, dass er auch die Kinder geschlagen hat, das habe ich jedoch nie gesehen. Ich habe allerdings gesehen, dass er sie geschlagen hat", zitiert sie der Dolmetscher. "Ich schäme mich, aber das muss ich jetzt sagen: Er wollte jeden Tag siebenmal mit ihr schlafen, wenn sie nein sagte, hat er sie geschlagen und an der Kehle gepackt.  Er hat viele unschöne Dinge getan", erzählt sie. All das, weil er offensichtlich mit der Trennung nicht einverstanden gewesen war.

Außerdem habe er laut der Zeugin schon vor der Tat im Mai gedroht, ihre Schwester umzubringen. "Er sagte, wenn er nicht sie umbringt, dann bringt er mich, mein Kind oder meinen Bruder in Syrien um." Das wollte die Zeugin jedoch nicht wahrhaben, was auch der Ehemann der Schwester am Freitag vor Gericht bestätigt. "Er hat es öfter gesagt - zu mir, zu Freunden, zu Nachbarn" - doch niemand habe die Drohungen wohl ernst genommen. Und das, obwohl das spätere Opfer bereits zuvor öfter geäußert habe, dass sie Angst vor ihrem Ehemann habe. Laut dem Schwippschwager des Opfers äußerte er Sätze wie: "Wenn ich meine Frau umbringe, bekomme ich ja eh nur bis zu sieben Jahren - das ist gar nichts." Trotz solcher Äußerungen sei der Zeuge erschrocken über die Tat des Angeklagten gewesen. "Niemand würde seine Frau umbringen - es sei denn, es geht um die Ehre", sagt er der Richterin. Auf die Nachfrage, was denn Beispiele für verletzte Ehre seien, antwortet er: "Wenn zum Beispiel eine Frau ihren Mann betrügt" - dann wäre es in Syrien so, dass der Mann die Frau umbringen darf.

"Diese Tat passt nicht zu uns"

Dass das Ehepaar immer wieder Streit hatte, bestätigt auch die Familie des Angeklagten, die überwiegend in Schwabach (Bayern) wohnt. Dort soll der angeklagte Ehemann auch häufig gewesen sein - unter anderem noch am Vormittag und Mittag des Tattages. Seine zwei Neffen, seine Nichte und sein Bruder sagten aus, dass sie erschrocken und entsetzt über die Tat des Angeklagten seien. "Das passt einfach nicht zu uns, wir sind aus unserer Familie mit 50 Leuten von Syrien nach Deutschland geflohen, so etwas ist in unserer Familie noch nie passiert." 

Nach der Tat am Abend des 2. Mai habe der Angeklagte die Familie über Telefon informiert, dass er mit den drei Kindern auf dem Weg von Alsfeld nach Schwabach wäre - "er hat gesagt, dass er seine Frau geschlagen hat, aber nicht, dass er sie getötet hat", berichtet ein Neffe und der Bruder. Das hätten sie erst zwei Tage später erfahren. Doch diese Angabe deckt sich nicht mit den Aussagen bei der polizeilichen Vernehmung. "Dort haben Sie gesagt, dass der Angeklagte bereits am Telefon auf dem Weg nach Schwabach gesagt hat, dass er seine Frau getötet hat und sich in Schwabach der Polizei stellen möchte", stellt Richterin Enders-Kunze klar.

Andere Frau im Spiel

Außer über die Eheprobleme berichtet der Bruder des Angeklagten, dass dieser eine neue Frau gefunden habe, "die wollte er heiraten, ich habe sogar schon mit der Familie der Frau gesprochen." Wegen der drei gemeinsamen Kinder mit seiner Ehefrau habe er sich dann doch entschieden, bei ihr zu bleiben. Während der Bruder aussagte, dass auch der Angeklagte die Trennung wollte, berichtete die Schwester der Getöteten, dass er gegen eine Trennung war. 

Der Prozess wird am 27. November fortgesetzt. (Luisa Diegel) +++


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