Virtuelle Besucher in der Schule - Fotos: privat

SCHLITZ Virtuelle Besucher mit Vorbildcharakter

Wertebotschafterinnen von GermanDream in der IGS Schlitzerland

30.03.21 - Respekt - Chancengleichheit - Toleranz - Freiheit: Diese Werte und noch viele mehr beschäftigen die Schüler und Schülerinnen der Klasse 10.2 kurz vor ihrem Schulabschluss an der Integrierten Gesamtschule Schlitzerland (IGS Schlitzerland). Unter der Organisation der Religionslehrerin Katrin Geißler hatte die Klasse virtuellen Besuch von den Wertebotschafterinnen Anni Cao und Tülin Tekkal bekommen, die per Videokonferenz in den Klassenraum zugeschaltet wurden.

Beide engagieren sich bei der in Berlin ansässigen Bildungsinitiative GermanDream, die sich ehrenamtlich dafür einsetzt, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland ernst genommen und gehört werden. In sogenannten ‚Wertedialogen‘ sollen sie ein Vorbild dafür bekommen, dass wir in einem Land leben, in dem die Verwirklichung der eigenen Träume und Ziele sowie das Erreichen des eigenen Potentials gelingen kann. Mit der Unterstützung eines Moderators und einer Moderatorin gingen die Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen den Werten auf den Grund, die in ihrem Leben Relevanz haben, ihren Alltag prägen und die sie beschäftigen. Mithilfe der Lebensgeschichten der Botschafterinnen bekamen sie so eine wertvolle Außenperspektive für ihre Zukunft.

Die beiden Wertebotschafterinnen sind jeweils in zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen. Ihre nicht immer unproblematische Vergangenheit und der Umgang mit Vorurteilen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts und ihrer Religion, denen sie im Verlauf ihres Lebens ausgesetzt waren, teilten sie mit den Schülern und Schülerinnen und luden sie auf Augenhöhe in einem geschützten Raum zum Gespräch ein. Dieses Angebot nutzten die Jugendlichen dankbar konnten sich so miteinander und mit der jeweiligen Wertebotschafterin austauschen.

Anni Cao, Unternehmensberaterin und angehende Mediatorin mit vietnamesischen Wurzeln, sah sich in der Schule selbst einem erhöhten Druck ausgesetzt sich wegen ihrer Herkunft stärker beweisen zu müssen als andere Jugendliche. Ihre Geschichte stieß auf großes Interesse in der Klasse 10.2 und so kam beispielsweise Lisa zu dem Schluss, dass man alle Menschen respektieren und niemanden in eine Schublade stecken sollte." Die Wertebotschafterin gab zu bedenken, dass es fast unmöglich sei, nicht in Schubladen zu denken und schärfte durch ihre Ausführungen das Bewusstsein der Jugendlichen, ihre Sichtweise auf die Welt und ihre Mitmenschen zu hinterfragen. Ihre eigenen Werte, sich selbst und auch andere mit allen Stärken und Schwächen zu akzeptieren, Respekt und Annahme für sich selbst und für andere Meinungen zu wahren und eine Verbundenheit mit der Gesellschaft und der Natur zu spüren, haben die Jugendlichen inspiriert, ihre eigenen Meinungen und Ideen zum Dialog beizutragen.

Emily gab zum Thema Schubladendenken zu bedenken: "Man bringt ja immer seine Vorerfahrungen und Vorurteile mit – das kann man gar nicht ausschalten." "Man möchte aber trotzdem so akzeptiert werden, wie man ist. Es tut den Menschen weh, wenn das nicht so ist", fand hingegen Hannah. Alle waren sich einig, dass der Weg zu Toleranz und Gleichheit in den letzten Jahren schon ein gutes Stück vorangegangen sei und in einer ständigen Entwicklung bleibe – und doch gebe es immer noch zu viele intolerante Menschen, die andere ausschließlich nach dem Geschlecht, der Hautfarbe, Sexualität, Herkunft oder Religion beurteilen und nicht die Person als Ganzes wahrnehmen.

Ungleichheit in der Gesellschaft


Die Ungleichheit in der Gesellschaft ist in den Augen der Jugendlichen nach wie vor sehr greifbar und wird durch die Coronapandemie gerade noch verschärft. "Wir haben es ja noch gut – wir dürfen wenigstens in die Schule gehen und sollten dafür dankbar sein. Andere Kinder waren schon ewig nicht mehr hier", fand Signe und erntete dafür Kopfnicken von allen Seiten. "Wir werden auch nie wieder so viel Zeit für uns haben wie jetzt", trug Hannah bei und Lisa ergänzte: "Da hat man auch mal Zeit, sich über seine Zukunft Gedanken zu machen."

Die zweite Wertebotschafterin Tülin Tekkal ist die Schwester der Menschenrechtsaktivistin und Gründerin von GermanDream Düzen Tekkal, hat türkische Wurzeln und ist mit zehn Geschwistern aufgewachsen. Sie sprach mit den Schülerinnen und Schülern auch über Rassismus und Diskriminierung in ihrem Alltag. Tülin freute sich sehr über die reifen und reflektierten Aussagen der Jugendlichen zum Thema und gab zu, dass sie selbst in diesem Alter noch ganz andere Themen interessiert hatten. Eine persönliche Begegnung mit den Jugendlichen wäre aus ihrer Sicht schöner gewesen – und doch war diese virtuelle Form des Dialogs eine großartige Möglichkeit, die Wertedialoge auch über weite Entfernungen zu ermöglichen.

Jugendliche sichtlich bewegt von den Dialogen


Auch die Jugendlichen zeigten sich sichtlich bewegt von den Dialogen. Till merkte als Rückmeldung an: "Ich fand das Gespräch sehr hilfreich und das hat mir in gewisser Weise die Augen geöffnet." Auch Berfin äußerte sich sehr positiv: "Es hat mich ermutigt und ich fand es außerdem wirklich lehrreich."

"Das hat mich berührt und motiviert", betonte Yaren und Monique schloss sich dem an: "Man wechselt mal seine Sichtweise und kann vieles aus einer anderen Perspektive sehen."

Abschließend las der Moderator Minos Blanz den ersten Artikel aus dem Grundgesetz vor und bestärkte die Klasse, Ungleichheit und Ungerechtigkeit anzusprechen, sich für sich selbst und andere einzusetzen und damit ein friedliches Miteinander zu stärken. "Lasst die Sonne in euer Herz" - mit diesem Gruß von Minos und den vielfältigen Impulsen aus den Wertedialogen starteten alle Schülerinnen und Schüler bereichert und zum Nachdenken angeregt in ihren Nachmittag.

Nach den positiven Rückmeldungen der Klasse freut sich Organisatorin Katrin Geißler bereits auf eine Fortführung des Projekts, damit auch im nächsten Schuljahr Schülerinnen und Schüler der IGS von den Wertedialogen der Initiative GermanDream profitieren können. (pm) +++


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