Christina Lander ist Autorin bei OSTHESSEN|NEWS für die Serie "Nachgedacht". - Foto: O|N-Archiv / Hendrik Urbin

REGION Von Christina Lander

Nachgedacht im Juni: All you can?

06.06.21 - Die ersten Lockerungen zeigen Wirkung und ein paar von uns haben die neue Freiheit schon wieder spüren können: ein kühles Getränk bei herrlichem Wetter mit Freunden, spontan shoppen gehen und sich einfach nicht mehr an das Zuhause gebunden fühlen. Und mit der nächsten Urlaubsbuchung im Sommer ist dann auch bald der Entspannung Rechnung getragen. Doch wie lange werden wir dieses Gefühl von neuer Freiheit halten können? Wie lange trägt uns das neue Alte durch den Alltag, bis es wieder Gewohnheit ist?

Eine Studie in der Glücksforschung sagt, dass Lottogewinner sich circa vier Wochen glücklicher als andere fühlen, danach aber wieder zu dem gewohnten Wert zurückkehren. Nur ein Monat Freude nach einem langen Lockdown wäre ja sehr schade, die ganzen Entbehrungen sollten doch mehr nützen und hier ist doch der wahre Kern begraben: Was machen wir langfristig aus der Corona-Krise? Nur ein Tor würde aus einer Krise keine Lehre ziehen. 

Scharf gesprochen zeigten sich weite Teile der Menschheit so: Wir nehmen uns, was wir wollen, denn hey, wir leben ja nur einmal. Wir essen, was billig ist, denn hey, wir haben keinen Cent zu verschenken. Was ich nicht sehe, hey, das berührt mich nicht. Man möge es All-you-can-Mentalität nennen. Worauf man Lust hat, das macht man einfach. Doch ist das alles nach Corona noch so möglich? Gleicht unser Leben einer Flatrate für Wunscherfüllung, die während Corona kurzfristig nicht buchbar war? Tatsächlich muss man es auch nicht so scharf formulieren, schon vor und vor allem seit der Krise besinnen sich viele wieder zurück auf die Basis: Was kann ich mir mit wenig Aufwand Gutes tun? Ist das der Garten, eine Fahrradtour oder die kurze Spazierpause nur ganz für mich allein. Lebensqualität und Glück müssen ja nicht teuer sein. 

Doch nochmal: Was lernen wir aus der Krise? Heute kann das zwar noch niemand sagen und viel wichtiger ist ja auch die Frage, ob die gesamte Gesellschaft eine Lehre aus der letzten Zeit zieht. Mir macht es aber einfach Bauchweh, wenn ich daran denke, was die Zukunft bringen wird und wogegen sich so beharrlich alle Menschen gedanklich und politisch sträuben: Die Klimakrise wird kommen und sie wird um so vieles schlimmer als das, was Corona gebracht hat. Ich werbe hier definitiv nicht für eine Partei, denn ich bin der festen Überzeugung, dass die Wende durch jeden einzelnen oder die "Herde" angetrieben werden muss, aber ich werbe dafür, dass wir eben nicht zurückgehen. Ich werbe dafür, dass wir mit weniger zufrieden sein können, das Glück nicht im nächsten Flieger oder im billigen Steak liegt. 

Und so stellt sich nur eine Frage am Ende: Was haben Sie ganz persönlich gelernt, liebe Leserinnen und Leser? Und was machen Sie in der Zukunft daraus? (Christina Lander) +++


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