25.06.21 - Es ist ein Thema, dass die Vogelsberger schon jahrzehntelang beschäftigt: die Region, sein Wasser und die Zulieferung nach Frankfurt. Doch noch nie war es wohl so brisant, wie aktuell. Denn durch die Trockenzeiten wird das Problem deutlich verstärkt. Eine Studie soll jetzt Klarheiten bringen, wie in Zukunft am besten mit dem Thema umgegangen werden soll. Dafür stimmte der Kreistag am Donnerstagnachmittag.

Der Vogelsberger Kreistag war sich in Sachen Wasser einig. Foto: Luisa Diegel
"Der Klimawandel ist auch im Vogelsberg angekommen", begründet Susanne Schaab (SPD) den Antrag zur Vorbereitung einer Studie zu den Auswirkungen der Fernwasserentnahme. "Die Gewässer und Wälder in der Region sprechen eine konkrete Sprache. Die Sorge über das, was passiert, wird durch die Grundwasserentnahme noch verstärkt." Modellberechnungen, die dem Kreis vorliegen, stammen aus den 90er Jahren und bilden das, was derzeit passiert, nicht ab. Denn der Klimawandel sei damals noch kein Thema gewesen. "Heiße und trockene Sommer sowie schneearme Winter wirken sich zunehmend nachhaltig auf die Grundwasserneubildung aus. Der sich hieraus ergebende Konflikt darf nicht zulasten des Vogelsbergers, seiner Menschen und seiner Natur gelöst werden", heißt es aus dem Antrag, den die Koalition auf den Weg brachte.
Nicht ohne die hessische Landesregierung

Der Blick vom Vogelsberg (Schotten) in das Rhein-Main Gebiet. Symbolbild: O|N / Luisa Diegel
Auch die Vogelsberger Grünen hatten für die Kreistagssitzung einen ähnlichen Antrag eingereicht und forderten, dass ein Gutachten über die Ursachen und Folgen der Wasserknappheit im Vogelsberg erstellt wird. Zu Beginn der Sitzung einigte man sich darauf, die beiden Anträge zusammenzuschließen - schließlich sitzt der gesamte Kreistag bei diesem so wichtigen Thema im selben Boot.
Die Grünen begründeten ihren Antrag so: "Über die zunehmende Wasserknappheit gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Diese reichen von Klimaänderung über die Wasserlieferungen nach Frankfurt bis hin zu Eigenverschulden durch Trockenlegung, Landwirtschaft, Flächenverbrauch und Bodenverdichtung." Eine wissenschaftlich fundierte Grundlage gäbe es nicht, deshalb solle nun ein Gutachten Klarheit bringen, um den Ursachen mit wirkungsvollen Maßnahmen begegnen zu können.
Vize-Landrat Dr. Jens Mischak schloss sich an: "Es ist ein wichtiges Thema. Deshalb ist es gut, dass wir uns auf einen einheitlichen Antrag verständigt haben. Doch wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern müssen schauen, wie weit wir das Gutachten von 2001 fortschreiten können", sagt er. Landrat Manfred Görig sagt dazu: "Es geht um das Thema Wasserversorgung in Hessen. Letztendlich versorgt die OVAG nicht nur Frankfurt, sondern auch einen großen Teil der Wetterau." Deshalb soll auch die hessische Landesregierung mit ins Boot geholt werden. "Am Ende muss klar sein, es muss ein Ausgleich für die Gewinnungsgebiete geben. Denn wenn es diesen Ausgleich gibt, dann von denen, die unser Wasser haben wollen."
Einigkeit ist "deutliches Zeichen"
Der Kreistag war sich einig, dass das Thema Trinkwasser im Vogelsberg auf den Prüfstand gestellt werden muss - dabei sollen aber laut Mischak nicht die Inhalte und die Finanzierbarkeit aus den Augen verloren werden. Einstimmig stimmte der Kreistag für den gemeinsamen Antrag. "Ein deutliches Zeichen bei diesem wichtigen Thema", kommentiere Kreistagsvorsitzender Dr. Hans Heuser das Ergebnis. (ld) +++ 