Gängige Maßnahme zum Humusaufbau: Der Einsatz von Zwischenfrüchten. - Foto: Janina Goldbach

OBERELSBACH Reihe "Klimaanpassung in der Landwirtschaft"

Das "schwarze Gold" erhalten und nutzen: Humusaufbau und Humuszertifikate

21.07.21 - Welche Rolle Humus im Klimaschutz spielen kann, welche Maßnahmen Humus fördern und was es mit Humuszertifikaten auf sich hat, erfuhren 75 Interessierte in einem Online-Vortrag der Reihe "Klimaanpassung in der Landwirtschaft" – eine Zusammenarbeit der Bayerischen Verwaltung des UNESCOBiosphärenreservats Rhön, der Kreisverbände Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen des Bayerischen Bauernverbands, der Ökomodellregion Rhön-Grabfeld und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt (Saale).

Referent war Martin Wiesmeier vom Institut für Ökologischen Landbau (LfL) Freising. Humus wird oft als das "schwarze Gold" der Landwirtschaft bezeichnet. Er besteht zu 58 Prozent aus Kohlenstoff und ist somit einer der größten CO2-Speicher im Boden. Verliert der Boden Humus, führt das zu CO2-Emissionen, wohingegen beim Humusaufbau Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden festgehalten wird.

Großes Potenzial

Wieviel Kohlenstoff aufgenommen werden kann, hänge laut Martin Wiesmeier neben der Landnutzung und der Topographie auch von den Bodeneigenschaften und dem Klima ab. Nach seiner Einschätzung bieten die bayerischen Flächen vermutlich über mehrere Jahrzehnte ein großes Potenzial zum Humusaufbau, wobei in Grünlandböden bereits mehr Kohlenstoff gespeichert sei als in Ackerböden. An erster Stelle der gängigsten Maßnahmen zum Humuserhalt und -aufbau steht laut Wiesmeier die Fruchtfolgegestaltung – zum Beispiel durch Einsatz von Leguminosen, tiefwurzelnden Zwischenfrüchten, Mischkulturen und Untersaaten. Somit habe auch der Ökolandbau eine wichtige Funktion im Erhalt und Aufbau. Ein Wechsel von Acker zu Grünland und die Etablierung von Agroforstsystemen, Hecken und Feldgehölzen könnten ebenfalls dazu beitragen, Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden zu binden.

Landwirtinnen und Landwirte, die über einen gewissen Zeitraum durch eine geänderte Bewirtschaftung Humus aufbauen, können sich Humuszertifikate ausstellen lassen. Diese werden wiederum von Unternehmen oder Privatpersonen gekauft, um eigene CO2-Emissionen zu kompensieren. Wiesmeier sieht in diesen Zertifikaten die Chance, nicht nur den Humusaufbau, sondern ebenfalls die gesellschaftliche Akzeptanz eines Beitrags der Landwirtschaft zum Klimaschutz zu fördern. Er sieht derzeit allerdings noch einige Schwachstellen in diesem System: Neben einer ungenauen Analytik zur Ermittlung der organischen Kohlenstoffvorräte im Boden stünde unter anderem die Dauerhaftigkeit einer humusaufbauenden Maßnahme in der Kritik.

Notwendigkeit zu Handeln

Unabhängig von finanziellen Anreizen sei es vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels wesentlich, auf eine nachhaltige und humusfördernde Bewirtschaftung zu achten. Denn: Steigende Temperaturen und stagnierende Erträge würden voraussichtlich bis Ende des Jahrhunderts zu einem Rückgang der organischen Kohlenstoffvorräte in den landwirtschaftlich genutzten Böden führen. Die Umsetzung humusbegünstigender Maßnahmen sei daher essenziell, um den Humusstatus zu erhalten und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Ausführliche Informationen zum Thema finden Interessierte auf der Webseite des LfL: https://www.lfl.bayern.de/iab/boden/266146/index.php Die Aufzeichnungen des Seminars finden Sie auf den Webseiten des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön und der Öko Modellregion Rhön-Grabfeld. Link zum Youtube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=PUvFJ-uiTLE (pm) +++


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