Das geht seit zwei Jahren nicht mehr: Dichtes Gedränge vor der Bühne - Foto: Martin Engel

REGION Konzert und Theater nur noch für Geimpfte?

Veranstalter zur Impfpflicht - was sagen Theater, Festspiele, Spotlight-Musical?

29.07.21 - Über Privilegien für vollständig Geimpfte tobt derzeit eine heftige Debatte von Befürwortern und Gegnern quer durch die Parteienlandschaft. CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet lehnt eine Impfpflicht genauso kategorisch ab, wie sie gleichzeitig von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) befürwortet wird. Auch Baden-Württembergs Grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält eine Impfpflicht für möglich, die könne man nicht für alle Zeiten ausschließen. Und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte erklärt, dass er Sonderrechte für Geimpfte und Genesene etwa beim Besuch von Veranstaltungen oder Restaurants befürworte. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) meinte,  es stehe zum Beispiel Gastronomen frei, ihre Lokale nur für Geimpfte zu öffnen. Dasselbe gelte auch für die Event-Branche. Auch die Kulturveranstalter könnten selbst bestimmen, dass jeweils nur Geimpfte und Genesene eingelassen werden.

Organist Prof. Hans-Jürgen Kaiser spielte Haydn und Beethoven - coronabedingt ohne ...Foto: Martin Engel

Der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), Jens Michow hatte geklagt, seine komplette Branche kämpfe ums Überleben. Es gehe darum, auch Veranstaltungen ohne Beschränkungen anbieten zu dürfen. "Wir suchen nach einem Weg, der es endlich ermöglicht, dass Veranstaltungen wieder ohne Abstandsregeln wirtschaftlich durchgeführt werden können." Nur mit Corona-Tests sei das nicht möglich, weil das keine hinreichende Sicherheit als Infektionsschutz biete. Deswegen werde man wohl Veranstaltungen vorerst nur für Geimpfte und Genesene öffnen können.

Wie sehen das die Anbieter kultureller Events in unserer Region? Tickets in Zukuft nur für Geimpfte? O|N hat nachgefragt.

Christoph Stibor - Leitung Theater- und Konzertdirektion Kulturamt Foto: Jonas Wenzel yowe

Der Leiter des Fuldaer Schlosstheaters Christoph Stibor erklärt dazu: "Zunächst sehe ich hier die Notwendigkeit, drei Dinge auseinanderzuhalten: Aus wissenschaftlicher Sicht befinden wir uns in einem längst noch nicht abgeschlossenen Lern- und Erfahrungsprozess und erleben dabei beeindruckende Forschung in Echtzeit. Aus rechtlicher Sicht braucht es für eine Einschränkung der Grundrechte zwingende Gründe, die ständig überprüft werden müssen. Aus unserer Sicht als Menschen würden wir die Pandemie inzwischen am liebsten ignorieren, weil wir die Schutzmaßnahmen als ermüdend empfinden.

Wenn sich also wissenschaftlich zweifelsfrei belegen lässt, dass das gesundheitliche Risiko innerhalb einer Ansammlung von Geimpften, Genesenen und Getesteten nur verschwindend gering ist, sollte das entsprechend berücksichtigt werden, weil es rechtlich ja gar nicht anders geht. Aber ich betone ausdrücklich, dass es für viele Menschen triftige Gründe gibt, sich nicht impfen zu lassen oder es bei nur einer Impfung bewenden zu lassen. Darum darf es hier nicht zu Ausgrenzungen und Anfeindungen kommen. Mit dem erhöhten Schutzbedürfnis dieser Menschen müssen wir solidarisch umgehen. Diese Solidarität erwarte ich aber auch von den notorischen Erkenntnisverweigerern, die noch die absurdesten Verschwörungstheorien für bare Münze nehmen."

Marketingleiter und Pressesprecher im Hause Provinztour Marcel Büttner ...Foto: privat

Marketingleiter und Pressesprecher im Hause Provinztour Marcel Büttner sagt zu diesem Dilemma: "Was unsere Branche nach diesem inzwischen 17-monatigen Verschiebungs- und Absagenmarathon braucht, ist Planungssicherheit. Herr Michow hat den Denkanstoß gegeben, diese Planungssicherheit wieder zu gewährleisten. Denn wenn mögliche Konzertbesucher praktisch dauerhaft Gefahr laufen, dass ein Konzert doch wieder verschoben oder abgesagt wird, hat das extrem negative Auswirkungen auf den Vorverkauf.

Eine weitere Problematik ist die Einschränkung der Auslastung. Kaum eine Großveranstaltung lässt sich wirtschaftlich planen, wenn nur ein Teil der regulären Kapazität zugelassen ist. Wichtig ist nun vor allem, dass die Diskussion geführt wird, wie man Veranstaltern, Künstlern, Dienstleistern und am wichtigsten den Konzertbesuchern die Sicherheit geben kann, dass ein Konzert, das in einigen Monaten stattfinden soll, auch stattfinden wird, ohne dabei die mögliche Auslastung einer Location zu stark einzuschränken. Welchen Weg die Politik in dieser Frage gehen wird, sei mal dahingestellt. Es ist aber jetzt an der Zeit, einen konkreten Fahrplan zu schaffen und da müssen dann eben alle möglichen Lösungsansätze diskutiert werden. Auch den, dass nur Geimpfte oder Genesene für ein Konzert zugelassen sind."

Spotlight-Chef Peter Scholz Foto: Martin Engel

Peter Scholz, Geschäftsführer von Spotlight-Musical weiß zu berichten: "Ganz aktuell hat die Met in New York als größte Organisation für darstellende Künste in den USA entschieden, ihre Türen in der Herbstspielzeit ausschließlich für Geimpfte zu öffnen. Auch für Kinder, für es ja kein Impfangebot gibt, soll es keine Ausnahmen von dieser Regel geben. Die sehen das als alternativlos an, weil sie immerhin 3.000 Mitarbeiter schützen müssen. Das steht man als Veranstalter und Arbeitgeber einfach in der Verantwortung, das ist ja weltweit ein komplexes Problem. Wenn es keine staatliche Regelung gibt, wird es im Herbst für die Kulturbranche extrem schwierig, denn es gibt keine Planungssicherheit für die Veranstalter. Das Risiko ist wirtschaftlich untragbar, es werden zwangsläufig weitere Kulturschaffende abwandern und für immer verloren gehen. Im Show-Geschäft macht sich zunehmend Verzweiflung breit, wobei man in der Branche eine täglich intensivere Debatte wahrnimmt. Das ist auch nötig", konstatiert Scholz.

Kaufmännische Leiterin der Hersfelder Festspiele Andrea Jung und Intendant Joern ...Foto: Gudrun Schmidl

Wer die Bad Hersfelder Festspiele besuchen will, muss derzeit einen gültigen Impf- oder Genesenen-Nachweis oder einen tagesaktuellen Corona-Test vorlegen. Die kaufmännische Leiterin der Bad Hersfelder Festspiele, Andrea Jung  kann die aktuelle Diskussion gut nachvollziehen. Jeder Veranstalter muss natürlich auch darüber nachdenken, ob er ausreichend Ressourcen hat, um sicherzustellen, dass seine Konzerte und Vorstellungen nicht zum Corona-Hotspot werden. Je einfacher die Regeln, um so eher kann dies garantiert werden, sagt sie. 

"Wir sind dankbar und froh, dass wir mit unserer Lösung bisher sicher durch die aktuelle Saison gekommen sind. Wie wir für die 71. Bad Hersfelder Festspiele in einem Jahr mit dem Thema umgehen werden, ist von der dann aktuellen Lage abhängig. Das kann derzeit niemand sagen." (Carla Ihle-Becker)+++


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