Profi und Praktikant: Vorarbeiter Manuel Erb (links) gibt Tipps für den Praxistest. - Fotos: Sebastian Mannert

FULDA Handwerk ist attraktiv

Berufsorientierung direkt auf der Baustelle: 125 Teilnehmer bei Praktikumswoche

13.09.21 - Das Projekt Praktikumswoche war ein toller Erfolg: 125 Schülerinnen und Schüler haben in den Sommerferien innerhalb einer Woche die Arbeitsmöglichkeiten in bis zu fünf heimischen Unternehmen kennengelernt. "Das war eine sehr gute Gelegenheit, mich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren", sagt dazu Ben Becker. Den 16 Jahre alten Wigbertschüler traf Landrat Bernd Woide bei seinem Besuch auf einer Baustelle des Dachdeckerbetriebes Müller + Bug, der mehreren Praktikanten Einblicke gewährt hat.

"Der Landkreis möchte mithelfen, vor allem auch das Handwerk bei seiner Nachwuchssuche zu unterstützen", sagte Bernd Woide: "Die Arbeitswelt verändert sich stetig, aber das Internet wird auch künftig kein Dach decken können."

Neue Alternative zur beruflichen Orientierung


Till Heumüller (Mitte) schnupperte bei Kammerdiener Peegut, das derzeit für die ...

Das Projekt Praktikumswoche sollte angesichts des coronabedingten Wegfalls der klassischen Betriebspraktika und Berufsbildungsmessen Jugendlichen eine neue Alternative zur beruflichen Orientierung bieten. 60 Betriebe erklärten sich bereit, bei dem Angebot "Fünf Unternehmen in fünf Tagen" mitzumachen. Dafür dankte Landrat Woide ausdrücklich: "Es ist wichtig, jungen Menschen zu zeigen, wie attraktiv das Handwerk ist und dass im Endeffekt wirklich jeder das Handwerk braucht. Ein Haus lässt sich eben nicht virtuell errichten." Dennoch stehe die handwerkliche Ausbildung in starkem Wettbewerb zum Studium. "Dabei ist die beste Werbung, dass eine Ausbildung im Handwerk einen qualifizierten und sicheren Arbeitsplatz bietet. Aber das ist nicht jedem präsent", sagte der Landrat.

Daran knüpfte auch Jürgen Bug an. Der Geschäftsführer von Müller + Bug sieht Projekte wie die Praktikumswoche als gute Gelegenheit, für das Berufsbild Werbung zu machen: "Unsere Tätigkeit, unser Können ist so vielseitig. Wenn wir das den jungen Menschen vermitteln können, ist das für ihre Berufswahl vielleicht ein entscheidendes Argument", sagte der Geschäftsführer auch in seiner Funktion als Obermeister der Innung. Es sei aktuell nicht einfach, genügend Auszubildende zu finden. Und weil viele gar kein oder nur ein sehr veraltetes Bild von Handwerksberufen hätten, seien Praktika und Schnuppertage so effektiv.

"Ich konnte richtig mithelfen"


Landrat Bernd Woide (rechts) traf Ben Becker (Zweiter von rechts) als Praktikant bei ...

So sieht das auch Ben Becker, der von der Praktikumswoche auch durch Instagram erfahren hat: "Ich fand das interessant und wollte einfach mal schauen, was da geboten wird", sagt der 16-Jährige, der sich zufrieden über seine Woche äußerte: "Ich konnte richtig mithelfen. Das hat mich sehr gereizt, und ich habe wirklich viele Eindrücke und Kenntnisse gewonnen." Zur Seite stand ihm dabei unter anderem Navid Afzalé, der im zweiten Jahr der Dachdeckerausbildung ist, und ein gutes Beispiel dafür, dass Handwerk auch auf den zweiten Blick begeistern kann. Der 22-Jährige hat bereits eine Lehre als Einzelhandelskaufmann abgeschlossen. "Aber ich habe gemerkt, dass ich einen Beruf suchte, wo ich anpacken kann und außerdem einen sicheren Arbeitsplatz fürs Leben habe", sagte er.

76 verschiedene Berufsbilder boten die Betriebe während der Praktikumswoche an. Darunter war auch das Bauunternehmen Kammerdiener Peegut, wo sich der 15-jährige Till Heumüller an der Baustelle der Bäckerei Happ in Neuhof umgesehen und mitgeholfen hat. "Ich bin mir noch nicht sicher, was ich schulisch machen werde, ob ich eine Ausbildung anstrebe oder erst Abitur. Und deshalb möchte ich mir anschauen, was ich für Möglichkeiten habe, welche Berufe für mich in Frage kommen würden. Deswegen habe ich mich bei der Praktikumswoche angemeldet", sagte der junge Mann, der das Marianum besucht.

"Ein Gefühl dafür zu bekommen, was eigentlich hinter den Berufen steckt, wie sie sich über die Jahre entwickelt haben – das ist ein wichtiger Schritt für junge Menschen, um sich für ihre Zukunft besser entscheiden zu können", sagte Bernd Woide. "In der Tat haben wir Handwerker viel mehr zu bieten, als gemeinhin so angenommen wird", sagte Geschäftsführer Dr. Christoph Schetter. "Allein wenn man die Ausbildung betrachtet. Dieses Können, das man erwirbt, das bleibt. Das nimmt einem niemand mehr. Wer Maurer ist, der verlernt das nicht", sagte er und ergänzte: "Wir stellen auch immer wieder fest, wie erfüllend es für viele ist, zu sehen, was sie mit ihrer Arbeit schaffen können und geschaffen haben."

Das bestätigte auch Manuel Erb, der als Vorarbeiter auf der Baustelle tätig ist: "Es ist ein selbstständiges Arbeiten, man ist im Freien, das Team ist gut, die Aufgaben sind vielfältig, und man sieht, was man gemacht hat – ich mache das gern." (pm) +++


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